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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Futteral; Futterbau

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Futteral - Futterbau.

Nach vielen Erfahrungen und einschlägigen Untersuchungen genügt für das Gleichgewichtsfutter (s. oben) volljähriger ruhender Ochsen eine Ration, die auf 500 kg Lebendgewicht in 8,75 kg organischer Substanz etwa 0,35 kg Nh. und 4,2 kg Nfr. verdaulicher Stoffe enthält (Nh.:Nfr. = 1:12), eine Anforderung, der man durch Fütterung von Sommerstroh und etwas Heu oder einer geringen Menge von Nh. reichem F. leicht genügen kann. Eine höhere Proteinzufuhr würde das F. teurer machen und den Eiweißgehalt im Organismus unnötig steigern (Zirkulationseiweiß, s. Ernährung, S. 795). Kleinere Tiere bedürfen zur Bestreitung ihres Körperhaushalts auf dieselbe Menge von Lebendgewicht eines größern Futterquantums als größere. Daraus folgt unmittelbar, daß das ruhende Schaf ein verhältnismäßig höheres Nährstoffquantum gebraucht als das Rind. Es kommt hinzu, daß die von der Menge des gereichten Futters fast unabhängig fortschreitende Wollproduktion mehr Ernährungsmaterial konsumiert als das Haarwachstum des Rindes. Das Gleichgewichtsfutter für das ruhende Schaf enthält pro Kilogramm Lebendgewicht 1,14-1,42 g Nh. und 10,65-11,87 g Nfr. (pro 500 kg 0,58-0,71 kg. Nh. etc.) in verdaulicher Form (Nh.:Nfr. = 1:8-9). Komplizierter ist die Berechnung, und schwerer festzustellen sind die Normen für das Produktionsfutter. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß dasselbe nicht bloß mehr Trockensubstanz, sondern auch durch Erhöhung des Proteingehalts ein engeres Nährstoffverhältnis (Nh.:Nfr. = 1:4-7) besitzen muß als das Gleichgewichtsfutter. Das F. des Jungviehs besteht im ersten Lebensalter naturgemäß in der Muttermilch mit einem mittlern Nährstoffverhältnis von 1:4,5. Das Entwöhnen muß mit Vorsicht geschehen und die Milch durch andre gehaltreiche, leichtverdauliche Futtermittel (bei Kälbern z. B. durch gequetschte oder gekochte Leinsamen, Malzkeime etc.) ersetzt und beim Pflanzenfresser allmählich das Rauhfutter, am besten in Gestalt von gutem Wiesenheu, in die Ration eingeführt werden, Nh.:Nfr. in der ersten Zeit = 1:5-6. Nach einem Jahr kann das Verhältnis allmählich ein weiteres werden. Besonders wichtig ist die Zufütterung von phosphorsäure- und kalkreichen Futtermitteln bei der Ernährung junger, wachsender Tiere. Sollten dieselben fehlen, so kann man als Ersatz phosphorsauren Kalk in Substanz, z. B. als Knochenerde, füttern. Der arbeitende Organismus bedarf zur Ausbildung und Erhaltung kräftiger Muskeln ganz besonders einer proteinreichen Nahrung, zu gleicher Zeit aber auch, um dem gesteigerten Zerfall des Proteins im Körper möglichst vorzubeugen, einer größern Zufuhr von Nfr. Nährstoffen. Beim Wiederkäuer kann letzteres durch voluminöse Futterstoffe geschehen; das Pferd verlangt ein intensives F., welches am besten aus Hafer und Heu, bei sehr starker Leistung aus reinem Hafer oder Hafer und Bohnenschrot besteht. Das Nährstoffverhältnis stellt sich dabei je nach der geringern oder stärkern Leistung beim Arbeitsochsen auf 1:7,5-6, beim Pferd auf 1:7-5,5. Auch den milchgebenden Tieren muß für die stetige Neubildung der Milchdrüsensubstanz ein proteinreiches F., etwa 1,25 kg Nh. und 12,75 kg Nfr. auf 500 kg Lebendgewicht (Nh.:Nfr. = 1:5,4), gereicht werden. Während das F. wohl auf die Menge und den Gehalt der Milch an fester Substanz überhaupt einwirken kann, steht dasselbe in keiner Beziehung zum Verhältnis der festen Milchbestandteile untereinander. Durch das F. eine einseitige Steigerung eines Milchbestandteils, z. B. des Fettes oder Proteins, hervorrufen zu wollen, ist im Gegensatz zur gewöhnlichen Anschauung der Praxis ein vergebliches Bemühen. Jedenfalls bleiben die durch das F. hervorzurufenden Schwankungen im gegenseitigen Verhältnis der Trockenbestandteile der Milch stets in sehr engen Grenzen, bei sehr vielen Tieren treten sie überhaupt nicht entschieden hervor, und nur bei einzelnen Individuen werden sie erheblich genug, um praktische Bedeutung zu gewinnen. Sehr reichliche Wasseraufnahme steigert die Milchabsonderung, gibt aber selbst bei starker Zufuhr von Protein dünne Milch.

Die Mästung der Tiere verlangt vor allem, daß der Körper durch ein an Nh. und Nfr. reiches F. in einen guten Fleischzustand gesetzt werde. Bei magern Tieren wird ein Nährstoffverhältnis = 1:5 zweckmäßig sein. Sobald jenes erreicht ist, kann durch Vermehrung des Nfr. das Verhältnis erweitert werden (1:6,5, bei Schafen 1:5,5). Dann wäre das Futtereiweiß zu erhöhen und so das eigentliche Mastfutter (Nh.:Nfr. = 1:5,5, bei Schafen 1:4,5) herzustellen.

Vgl. Henneberg und Stohmann, Beiträge zur Begründung einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer (Braunschw. 1860-64, 2 Hefte); Henneberg, Neue Beiträge etc. (Götting. 1870-72); Settegast, Fütterungslehre (neu bearbeitet von Weiske, Bresl. 1878); Wolff, Rationelle Fütterung (4. Aufl., Berl. 1885); Derselbe, Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere (das. 1876); v. Gohren, Naturgesetze der Fütterung (Leipz. 1872); Kühn, Die zweckmäßigste Ernährung des Rindviehs (8. Aufl., Dresd. 1881); Dietrich und König, Zusammensetzung und Verdaulichkeit der Futterstoffe (Berl. 1874).

Futteral (mittellat.), Scheide, Kapsel.

Futterbau, die Kultur aller Pflanzen, welche zur Fütterung des Viehs gebraucht werden. Der F. hat eine sehr hohe Bedeutung für die Instandhaltung der Felder, da die Futterpflanzen dem Boden zwar nicht weniger Nährstoffe entziehen als Körnerfrüchte, aber durch dichtere Beschattung, reiches Blattwerk und weitverzweigte Wurzeln denselben physikalisch verbessern oder doch erhaltend auf die Beschaffenheit der Krume einwirken. Sie ermöglichen erst die Durchführung einer richtigen Fruchtfolge (s. d.). Man unterscheidet zwischen natürlichem und Kunstfutterbau. Letzterer fand sich schon in großer Vollkommenheit bei den Griechen zu der Zeit, als der hoch entwickelte Handel einer zahlreichen Bevölkerung Unterhalt gewährte und Getreide in großen Mengen vom Ausland bezogen wurde, Verhältnisse, wie sie heute England bietet, welches eines enormen Lebensmittelimports bedarf, sein eignes Areal aber größtenteils zum F. verwendet und den größten und besten Viehstand unterhält. Die Griechen bauten besonders die Medicago-Arten, den Bocharaklee (Melilotus), Bohnen, Erbsen, Linsen, Wicken, Lathyrus und Mengfutter; bei den Römern, welche den Weizen als Brotfrucht verwendeten, spielte der Futterroggen eine große Rolle. Später kultivierten die Niederlande, England, Südfrankreich und die Flußgebiete des Oberrheins zu einer Zeit, in welcher das nördliche und östliche Europa nur Wiesen und Weiden als Futterquellen kannte, in ausgedehntem Grade die bessern Futterpflanzen. Von da aus haben sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, besonders durch Schubart, genannt v. Kleefeld, Thaer und andre hervorragende Agronomen, der Kleebau, die Futterrunkel und nach und nach die Gesamtheit der die intensive moderne Landwirtschaft stützenden Pflanzen des Kunstfutterbaues verbreitet. Jetzt ist man schon fast überall da-^[folgende Seite]