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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gabbromasse; Gabbronīt; Gabel; Gabelbock; Gabeldeichsel; Gabelentz

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Gabbromasse - Gabelentz.

Serpentin, der dann offenbar aus G. entstanden ist, wie denn selbst das Wort G. eine oberitalienische Lokalbezeichnung für Serpentin ist. Hinsichtlich des Alters des Gabbros gehen die Angaben weit auseinander. Werden die jurassischen Gabbros als Glieder der archäischen Systeme aufgefaßt, so sind andre als Eruptivgesteine paläozoischer Perioden gedeutet worden, während die schottischen und italienischen im engsten Bezug zu Schichten tertiären Alters stehen sollen. Der toscanische und andrer italienischer G. wird schon seit dem Altertum zu architektonischen Gegenständen, Tischplatten etc. verwendet. G. rosso und Verde di Corsica sind solche von Bildhauern eingeführte Namen, bald für echten G., bald für serpentinisierten.

Gabbromasse, s. Speckstein.

Gabbronīt, s. Skapolith.

Gabel (franz. Fourchette, engl. Fork), Körper mit 2-4 Spitzen oder Zacken (Zinken) und einem Stiel, insbesondere Werkzeug von Eisen, Silber, Horn zum Anspießen eines Gegenstandes, namentlich der Speisen. Den Alten war der Gebrauch der G. bei Tisch unbekannt, nach Damiani (gest. 1072) soll eine byzantinische Prinzessin die Benutzung der G. in Venedig eingeführt haben, und um 1360 gelangte die G. nach Florenz. Sie galt aber allgemein als Zeichen des Luxus und der Verweichlichung, und im 16. Jahrh. machte man in Frankreich Satiren auf die neue Sitte, mit der G. zu essen, welche damals am Hof aufkam. In französischen wie später auch in schottischen Klöstern wurde die G. verboten. Nach England soll 1608 Corgate die ersten Gabeln aus Italien gebracht haben, während sie in manchen Teilen Spaniens und im Innern Rußlands noch jetzt eine Seltenheit und in China, wo man sich beim Essen kleiner hölzerner Stäbchen bedient, völlig unbekannt sind. Ursprünglich benutzte man zweizinkige, später drei- und vierzinkige Gabeln, der Stiel wurde aus Holz, Elfenbein und Metall hergestellt und häufig verziert, ziseliert und tauschiert. Weiteres, auch über Fabrikation der Gabeln, s. Messer (mit Abbildung).

Gabel, allgemeiner etwas sich in zwei Arme Teilendes, z. B. ein solcher Baumast, Erzgang, Gebirgszug etc.; bei den Weinbauern die Ranke des Weinstocks; in der Uhr derjenige Teil, durch welchen der Anker mit dem Pendel zusammenhängt; beim Schachspiel (Gabelstellung) eine von zwei Bauern gebildete Stellung, wobei der eine, vom andern gedeckt, zwei feindliche Offiziere zugleich angreift.

Gabel, Stadt im nördlichen Böhmen, westlich von Reichenberg, hat eine Kuppelkirche (von 1699), ein Rathaus, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts und zählt (1880) 2583 Einw., welche namentlich Baumwollweberei und Getreidehandel treiben. Nordöstlich von G. liegt das Schloß Lämberg (1241 erbaut) mit Burgkapelle und alten Gemälden. Die Einnahme von G. im Juli 1757 durch die Österreicher gab den Anlaß zu dem unglücklichen Rückzug des Prinzen August Wilhelm von Preußen.

Gabelbock, s. Gabler.

Gabeldeichsel (Schere), zweiarmige Vorrichtung zum Anschirren eines Pferdes in einen Wagen oder Karren.

Gabelentz, 1) Hans Conon von der, namhafter Sprachforscher, geb. 13. Okt. 1807 zu Altenburg, studierte auf den Universitäten zu Leipzig und Göttingen Kameral- und Rechtswissenschaften und orientalische Sprachen, trat 1830 in den altenburgischen Staatsdienst und wurde 1831 zum Kammer- und Regierungsrat befördert. Seit 1847 Landmarschall im Großherzogtum Weimar, wohnte er 1848 dem Vorparlament zu Frankfurt bei und trat dann für die sächsischen Herzogtümer in die Zahl der 17 Vertrauensmänner ein. Später war er interimistischer Bundestagsgesandter bis zur Auflösung des Bundestags im Juli 1848. Ende November d. J. zum Ministerpräsidenten in Altenburg ernannt, gab er im August 1849 seine Entlassung. 1850 ging er als Mitglied des Staatenhauses für Altenburg zu dem Erfurter Parlament; 1851 wählte ihn die Landschaft des Herzogtums Altenburg zum Präsidenten. G. starb 3. Sept. 1874 auf seinem Familiensitz Lemnitz bei Triptis. Die Frucht eines mehrjährigen Studiums sind seine "Éléments de la grammaire mandchoue" (Altenb. 1833). In der von ihm mitbegründeten "Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes" lieferte er Aufsätze über das Mongolische und publizierte dann in Verbindung mit J. ^[Julius] Löbe eine neue kritische Ausgabe der gotischen Bibelübersetzung des Ulfilas nebst Grammatik, Wörterbuch und lateinischer Übersetzung (Leipz. 1843-46, 2 Bde.). Später wendete er sich den Sprachen des finnischen Sprachstammes zu, der erste in Deutschland, der dieselben nach rationalen Grundsätzen bearbeitete. Er veröffentlichte in der erwähnten Zeitschrift (Bd. 2) eine mordwinische Grammatik und (Bd. 4) "Vergleichung der beiden tscheremissischen Dialekte", bald darauf "Grundzüge der syrjänischen Grammatik" (Altenb. 1841). Auf einem für uns fast neuen Sprachgebiet bewegen sich seine "Kurze Grammatik der tscherokesischen Sprache" in Höfers "Zeitschrift für die Wissenschaft der Sprache" (Bd. 3), die "Beiträge zur Sprachenkunde", von denen die drei ersten Hefte (Leipz. 1852) Grammatiken der Dajak-, Dakota- und Kiririsprache enthalten, sowie seine "Grammatik mit Wörterbuch der Kassiasprache" (das. 1857). Ferner erschienen in den "Abhandlungen" der Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig (1860): "Die melanesischen Sprachen nach ihrem grammatischen Bau etc." (wovon 1873 der zweite Teil nachfolgte) und "Über das Passivum" (Leipz. 1860); endlich gab er die Mandschu-Übersetzung der chinesischen Werke: "Se-schu", "Schu-king" u. "Schi-king" mit mandschu-deutschem Lexikon (das. 1864) heraus. Auch die "Mitteilungen" der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes enthalten von ihm zahlreiche und wertvolle Beiträge zur Kenntnis der Geschichte seines engern Vaterlandes. Nach seinem Tod erschien noch: "Geschichte des großen Liao, aus dem Mandschu übersetzt" (Petersb. 1877). Die Zahl der Sprachen, die G. mehr oder weniger gründlich erforscht, und von denen er einen großen Teil zuerst wissenschaftlich bearbeitet hat, betrug über 80; seit 1846 war er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

2) H. Georg Conon von der, ebenfalls Sprachforscher, Sohn des vorigen, geb. 16. März 1840 zu Poschwitz bei Altenburg, studierte 1859-63 in Jena und Leipzig Kameral- und Rechtswissenschaften, trat 1864 am Bezirksgericht zu Dresden in den sächsischen Staatsdienst und wurde später nach Leisnig versetzt. 1871-72 war er kommissarisch als Dezernent an der Präfektur zu Straßburg und als Adlatus des Kreisdirektors zu Mülhausen im Elsaß angestellt und bekleidete seit 1873 eine Assessorstelle beim Bezirksgericht zu Dresden, bis er 1878 als außerordentlicher Professor der ostasiatischen Sprachen an die Universität Leipzig berufen wurde. Für die Sprachwissenschaften früh begeistert, hatte G. schon als Knabe nacheinander Holländisch, Italienisch, Neuseeländisch, bald auch Chinesisch getrieben. Kaum