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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gadara; Gadderbaum; Gaddi; Gade; Gadebusch; Gadeira; Gaden; Gader Thal; Gaedertz

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Gadara - Gaedertz.

trab bildete. Als Stammgebiet erhielt derselbe einen Teil im Ostjordanland, bis an den See Genezareth ziehend und gegen S. an das Gebiet der Ammoniter grenzend. -

2) Prophet zur Zeit Davids, bestimmte die Lage des spätern jüdischen Tempels (2. Sam. 24), war dem Chronikbuch zufolge auch Geschichtschreiber und Musikverständiger.

Gadara, Stadt der Dekapolis im alten Palästina, später Hauptort von Peräa, lag südlich vom Fluß Hieromax auf einer Höhe (370 m) und war meist von Heiden bewohnt. Nachdem die Stadt von Alexander Jannäus zerstört und von Pompejus wieder aufgebaut worden, schenkte sie Augustus dem König Herodes; nach dessen Tod wurde sie zur Provinz Syrien geschlagen. Ruinen derselben (zwei Theater, Grabmäler etc.) beim heutigen Mkes. G. hatte eins der fünf großen Synedrien der Juden, später ein Bistum. Die nahe Schwefelquelle im Thal des Mandhur wird noch heute benutzt. Nach Mark. 5 heilte hier Christus einen Besessenen.

Gadderbaum, Bauernschaft im preuß. Regierungsbezirk Minden, Kreis Bielefeld, im Teutoburger Wald, hat Leinwandfabrikation, Bleicherei und (1885) 4654 Einw. Zu G. gehören eine Heilanstalt für Epileptische und das alte Schloß Sparenberg, jetzt Zuchthaus.

Gaddi, florentin. Maler: 1) Gaddo, geboren um 1260 zu Florenz, wurde 1308 von Clemens V. nach Rom berufen, wo er eine Reihe großer Mosaikbildwerke in der Art des Cimabue vollendete, von welchen in Santa Maria Maggiore noch Stücke erhalten sind. Im J. 1312 wurde er Mitglied der Malerzunft zu Florenz und starb 1332 daselbst.

2) Taddeo, Sohn und Schüler des vorigen, geboren um 1300 zu Florenz, schloß sich an Giotto an und war seit ca. 1330 als selbständiger Meister in Florenz thätig. Er übertraf seinen Meister zwar an Lebhaftigkeit, aber nicht an Feinheit des Kolorits; auch ist seine Zeichnung flüchtiger und oft unrichtig; ebenso steht er jenem an Charakteristik, Empfindung und Würde nach. Sein Hauptwerk ist: das Leben der Madonna in der Kapelle Baroncelli in Santa Croce zu Florenz. Außerdem sind zu nennen: ein Triptychon im Berliner Museum mit der thronenden Maria; ein Abendmahl in Santa Croce; Madonna mit Heiligen in Santa Trinità zu Florenz; ein Triptychon im Museum von Neapel, datiert 1366, Madonna mit Heiligen; Freskogemälde mit Szenen aus dem Leben des heil. Franziskus in San Francesco zu Pisa, wo er 1342 arbeitete. Daß G. auch Architekt gewesen, beruht auf einer unsichern Überlieferung. Er starb 1366 in Florenz.

3) Agnolo, Sohn und Schüler des vorigen, geboren um 1350, trieb neben seiner Malerei auch kaufmännische Geschäfte, denen er sich zuletzt ganz widmete. In der Kapelle des Gürtels Maria zu Prato stellte er die Geschichte der Maria und die Legende ihres Gürtels in Fresken dar. In Santa Croce zu Florenz malte er die Fresken mit der Auffindung des Kreuzes. Altargemälde von ihm befinden sich in der Akademie zu Florenz, in Santa Maria Novella und San Spirito daselbst etc. In den Jahren 1381-87 fertigte er Zeichnungen für Figuren an der Loggia de' Signori und am Dom, die in Marmor ausgeführt wurden. Er starb 16. Okt. 1396.

Gade, Niels Wilhelm, Komponist und Dirigent, geb. 22. Okt. 1817 zu Kopenhagen, war erst Violinist an der königlichen Kapelle daselbst, betrieb aber zugleich unter Berggreens Leitung so ernste Kompositionsstudien, daß er schon 1841 mit seiner später unter dem Titel: "Nachklänge an Ossian" erschienenen Ouvertüre den vom Kopenhagener Musikverein ausgeschriebenen Preis erhielt. Im J. 1843 ging er mit königlichem Stipendium zu seiner weitern Ausbildung nach Leipzig, wo er in Mendelssohn einen eifrigen Beschützer fand und durch dessen Vermittelung im Gewandhaus zwei Symphonien in C moll und in E dur zur Aufführung brachte. Für die Saison 1844-1845 übernahm er die Leitung der Gewandhauskonzerte, die er auch im nächsten Winter mit Mendelssohn abwechselnd und in der Saison 1847-48 wieder allein hatte. Im Frühling 1848 ließ er sich bleibend in Kopenhagen nieder, erhielt hier eine Anstellung als Organist nebst dem Titel eines Professors und übernahm zugleich die Leitung eines Musikvereins, der in den Wintermonaten regelmäßige Konzertaufführungen veranstaltet. 1865 begründete er gemeinschaftlich mit seinem Schwiegervater, dem Komponisten I. P. E. Hartmann (s. d.), das Kopenhagener Konservatorium. Als Komponist schließt sich G. eng an Mendelssohn an, wiewohl es ihm keineswegs an Originalität mangelt. Namentlich gelangt in seinen Orchesterkompositionen, unter denen außer den oben genannten noch die Ouvertüre "Im Hochland", die B dur-Symphonie, ein Oktett für Streichinstrumente und zwei Violinsonaten hervorragen, ein nationales Element zur Geltung, welches in der Folge für die skandinavische Komponistenschule charakteristisch geworden ist. Weniger ausgeprägt erscheint dasselbe in seinen Vokalwerken, den Kantaten: "Comala", "Erlkönigs Tochter", "Frühlingsbotschaft", "Die Kreuzfahrer" u. a., welche im übrigen, wie auch seine kleinern Arbeiten für Gesang und für Klavier (z. B. die "Aquarellen"), den Orchesterwerken an künstlerischem Wert nicht nachstehen.

Gadebusch, Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, 22 km nordwestlich von Schwerin, hat ein Amtsgericht, ein altes Schloß, eine alte gotische Kirche mit der sogen. Königskapelle, worin König Albrecht von Schweden (gest. 1394) begraben liegt, und (1880) 2586 Einw. -

Zwischen G. und Grevesmühlen, auf der Rambeeler Heide, fand 1283 eine Schlacht zwischen den Söhnen Heinrichs I. von Braunschweig einerseits und den Sachsen und Brandenburgern anderseits statt, worin erstere siegten. Hier verabredeten 13. Sept. 1675 König Christian V. von Dänemark und der Große Kurfürst die weitern Kriegsoperationen gegen Schweden. Am 20. Dez. 1712 gewannen bei G. die Schweden unter Stenbock eine Schlacht gegen die Dänen. Bei dem nahen Dorf Rosenberg fiel 26. Aug. 1813 Th. Körner (vgl. Wöbbelin).

Gadeira (Gadir, Gades), Stadt, s. Cadiz.

Gaden (Gadem), ein altdeutsches, noch jetzt in Süddeutschland vom Volk gebrauchtes Wort, s. v. w. Haus, Hütte; dann Kammer, Gemach (besonders zu Wirtschaftszwecken), Verkaufsladen; auch Stockwerk. Gademer (Gädmer), s. v. w. Häusler, Kotsasse.

Gader Thal, s. Enneberger Thal.

Gaedertz, Theodor, Kunstschriftsteller, geb. 6. Dez. 1815 zu Lübeck, studierte Jurisprudenz, lag dabei der Kunstwissenschaft ob und ließ sich 1840 als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt nieder, wo er als erster Verwaltungsbeamter des Land- und Stadtamts lebt. Seit 1846 Direktor des Lübecker Kunstvereins, gründete er 1850 mit Mertens, Direktor des Bremer Kunstvereins, den Norddeutschen Gesamtverein. Er schrieb: "Adr. van Ostade. Sein Leben und seine Kunst" (Lübeck 1869); "Hans Holbein der jüngere und seine Madonna des Bürgermeisters Meyer" (das. 1872); "Rubens und die Rubens-Feier in Antwerpen" (Leipz. 1878); "Hans Memlinc und dessen Altarschrein in