Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Galeerenofen; Galeerensklaven; Galega; Galen; Galena; Galenische Mittel

837

Galeerenofen - Galenische Mittel.

nächstkleinere Gattung von Ruderkriegsschiffen waren die Galeoten (Galioten), die zunächst als leichte, kleine Galeeren mit einer einzigen Reihe von Ruderern im 12. Jahrh. auftreten. Sie waren namentlich bei den Türken und in den Barbareskenstaaten als geschwinde Fahrzeuge sehr beliebt, weniger bei den christlichen Seemächten des Mittelalters. Gewöhnlich führten sie bei 16-17 Ruderbänken auf jeder zwei Mann, die größern bei 17-23 Ruderbänken auf jeder drei Mann, und liefen trotz der geringen Ruderzahl doch sehr schnell; oft führten sie nur den Großmast. Ihr Name ist jetzt auf Fahrzeuge ganz andrer Art übergegangen, wie auch der der Galeasse (s. Galjaß und Galjot). Noch kleinere galeerenartig gebaute Fahrzeuge waren die Felucken mit 6-8, auch 10 und zuletzt gewöhnlich 12 Rudern auf jeder Flanke, die von 3-5 Mann bewegt wurden, leicht, ohne Deck gebaut und im Mittelalter vielfach mit einem, dann auch und später gewöhnlich mit zwei nach vorn geneigten Masten und je einem lateinischen Segel daran, vorzugsweise bei den Korsaren beliebt und sehr schnell (s. Felucke). In späterer Zeit führten sie auch leichte Geschütze, vorn zwei kleine Kanonen, auf den Flanken bis zu 32 Drehbassen; diese Felucken späterer Zeit führten meist 12 Ruder jederseits, besaßen stets einen Schnabel, und ihr verhältnismäßig sehr stark gebauter Rumpf hatte etwa 16 m Länge bei 4 m Breite. Im Deck war für jeden Ruderer eine Luke (horizontale Öffnung) eingebrochen, auf deren Rand er saß: er hatte also seinen Sitz auf dem Deck selbst, nicht auf einer Bank. Die ebenfalls im Stil der Galeeren gebauten Tartanen (s. Tartane) führten im Mittelalter, namentlich im 16. Jahrh., mehrere Segel, sanken aber dann zur kleinsten der gewöhnlichen Arten des mittelländischen Ruderschiffs herab. Den Schiffen der letztern Art standen im Mittelalter die runden Schiffe gegenüber; hinsichtlich dieser s. Gallione.

Galeerenofen, ein langer Ofen mit einem Feuerkanal in der Mitte seiner Längsrichtung und mit einer Feuerung an einer und einem Schornstein an der andern Seite. In beiden Längsseiten befinden sich eine oder mehrere Reihen gläserner oder irdener Retorten, welche also sämtlich durch die eine Feuerung geheizt werden. Gläserne Retorten werden in Kapellen eingehängt, irdene dagegen ragen in der Regel frei in den Feuerraum. Galeerenöfen wurden und werden namentlich angewandt bei der Darstellung der rauchenden Schwefelsäure aus Eisenvitriol, bei der Zersetzung des Zinnobers durch Kalk, bei der Destillation der Salpetersäure etc.

Galeerensklaven (Galeerensträflinge), die vordem auf den Galeeren (s. d.) zum Rudern verwendeten Verbrecher; bei den Türken die hierzu benutzten Christensklaven. Schon seit Karl VII. war es namentlich in Frankreich Sitte geworden, schwere Verbrecher zur Ruderarbeit auf den Galeeren zu verwenden und dort anzuschmieden. Durch zum Teil bis 1840 gültige Instruktionen waren die Behandlung der G. (forçats), die Aufsicht über dieselben und die Stellung der Aufsichtsbeamten geregelt. Durch das Strafgesetz vom 25. Sept. und 6. Okt. 1791 wurde die Galeerenstrafe ausdrücklich an die Stelle der Kettenstrafe (peine des fers) gesetzt; ein Dekret vom 5. Okt. 1792 gab Vorschriften über die Art und Weise des Transports an die Seehäfen. In Art. 15 des Code pénal von 1810 sind dann ausdrücklich "travaux forcés" als Strafart genannt. Es gab damals in den Seehäfen von Brest, Toulon, Lorient und Rochefort Strafstationen; die beiden letztern wurden im Lauf der Zeit (Lorient schon 1830) aufgehoben. Im J. 1828 wurde der Transport in Ketten verboten und der in Zellenwagen eingeführt. Die Polizei auf den Galeeren wurde durch ein Zirkular vom 15. Juli 1839 neu geregelt. Durch ein Dekret vom 27. März 1852 erfolgte die Aufhebung der Bagnos (so hießen die Galeerenstrafanstalten), und an deren Stelle wurde der Transport nach den Kolonien eingeführt (s. Bagno). Die weitere Ausführung erhielt dieses Dekret durch ein Gesetz vom 30. Mai 1854 und ein Dekret vom 2. Sept. 1863, welch letzteres Neukaledonien als Verbannungsort einführte (s. Deportation).

Galega Tourn. (Geißraute), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, ausdauernde Kräuter mit unpaarig gefiederten Blättern, Blüten in Achseltrauben und schief gestreiften Hülsen. Drei südeuropäische und westasiatische Arten. G. officinalis L. (Geiß-, Fleckenklee, Pestilenzkraut), mit 60-190 cm hohen Stengeln, langen Blättern, weißen oder violetten Blüten und steif aufgerichteten Hülsen, findet sich im südöstlichen Deutschland, in Frankreich und Italien, war früher offizinell und ist mehrfach zur Kultur empfohlen worden (ewiger Klee), gedeiht auch auf fehlerfreiem Untergrund, in warmer Lage und gutem Boden recht gut, steht aber der Luzerne und manchen andern Kleearten nach. Mit der kleinen, violett blühenden G. orientalis Lam. vom Kaukasus findet er sich häufig in Gärten.

Galen, 1) Christoph Bernhard, Freiherr von, Fürstbischof von Münster, berühmter Heerführer seiner Zeit, geb. 12. Okt. 1606 zu Bispink in Westfalen als Sprößling eines alten westfälischen Geschlechts, ward, früh verwaist und durch Konfiskation seiner väterlichen Güter verarmt, zum geistlichen Stand bestimmt und stieg bis zum Domherrn von Münster, befehligte aber dessenungeachtet 1641 ein mainzisches Korps am Mittelrhein. Seit 1650 Fürstbischof von Münster, zwang er 1661 die von dem Dechanten Mallinckrodt gegen ihn aufgereizte Stadt Münster zur Unterwerfung unter seine Oberherrlichkeit. Unablässig war er bemüht, durch Gebietserwerbungen und Erlangung von einflußreichen Ämtern seine Macht zu vermehren. Mit Eifer gab er sich seinen kriegerischen Neigungen hin und errichtete ein stattliches, wohlgeübtes und vortrefflich ausgerüstetes Heer. 1664 war er einer der Direktoren der gegen die Türken aufgestellten deutschen Reichsarmee, und 1665 führte er im Bund mit England gegen Holland Krieg, mußte aber 18. April 1666 einen durch Ludwig XIV. vermittelten, nicht ganz günstigen Frieden eingehen, brach daher denselben 1672 und entriß den Holländern mehrere Plätze, bis ihn der Kaiser 1674 zum Frieden zwang. Darauf trat er auf die Seite des Kaisers und leistete diesem wichtige Dienste im Kriege gegen Frankreich. 1675 verband er sich mit Dänemark und Brandenburg gegen Schweden und nahm diesem das Herzogtum Bremen. Er starb 19. Sept. 1678 in Ahaus. Vgl. Tücking, Geschichte des Stifts Münster unter Christoph Bernhard v. G. (Münst. 1865); Corstiens, Bernard van G., Vorst-Bisschop van Munster (Rotterd. 1872).

2) Philipp, Pseudonym des Schriftstellers Philipp Lange (s. d.).

Galena, Stadt im nordamerik. Staat Illinois, am steilen Ufer des Fevreflusses, der 5 km unterhalb in den Mississippi mündet, ist Mittelpunkt wichtiger Blei- und Kupfergruben und hat (1880) 6451 Einw.

Galenische Mittel, die nur durch mechanische Mischung oder Kochen bereiteten Arzneimittel, wie Lat-^[folgende Seite]