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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Galenisten - Galfried von Vinesalf.

wergen, Mixturen, Dekokte, im Gegensatz zu den Chemikalien, benannt nach Galenos.

Galenisten, Anhänger der Schule des Galenos (s. d.); auch Name einer Partei der Wiedertäufer (s. d.).

Galenít, s. v. w. Bleiglanz.

Galenoide, Mineralien, s. v. w. Glanze.

Galenos, Claudius, nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums und zugleich der fruchtbarste Schriftsteller auf dem Gebiet der Heilkunde, geb. 131 n. Chr. zu Pergamon in Kleinasien, wo sein Vater Nikon Architekt war, widmete sich dem Studium des Aristoteles und Theophrastos, dann der Arzneikunde in Smyrna, in Korinth und in Alexandria, übernahm 158 in Pergamon die ärztliche Pflege der Gladiatoren, erwarb sich 164-167 in Rom durch glückliche Kuren und durch seine anatomischen Vorlesungen einen Namen, ging dann nach Griechenland, bereiste Palästina und mehrere Inseln zu wissenschaftlichen Zwecken, hielt sich dann eine Zeitlang bei Marcus Aurelius und Lucius Verus zu Aquileja im Lager auf und ward 170 Leibarzt des Kaisers Commodus. Noch 197 befand er sich zu Rom, scheint aber nicht bis zu seinem Ende dort geblieben zu sein. Er soll im 70. Jahr gestorben sein. G. huldigte humoralpathologischen Anschauungen und suchte in den vier Kardinalsäften (Schleim, Blut, gelbe und schwarze Galle) die Lebenssäfte zu finden, aus denen alle festen Teile gebildet werden, und durch deren unzweckmäßige Mischung sich die Krankheiten entwickeln. Als wichtigsten Kardinalsaft betrachtete er das Blut. Wir besitzen noch 82 unbezweifelt echte Schriften von ihm, 18 verdächtige, von 19 nur Fragmente, außerdem aber noch 18 ziemlich weitläufige Kommentare über Schriften des Hippokrates. Diese Schriften gewannen eine große Bedeutung, wurden auch in das Arabische übersetzt und galten bis Paracelsus als unantastbare Autorität. Eine lateinische Übersetzung seiner Werke erschien früher als das Original unter dem Titel: "Galeni Pergamensis medicorum omnium principis opera" (Vened. 1490, 2 Bde.; 1522, 3 Bde.). Andre (griechische) Ausgaben sind: Editio princeps (Vened. 1525, 5 Bde.; Basel 1588, 5 Bde.), die Hauptausgabe (mit Hippokrates) von Charterius (Lütt. 1679, 13 Bde.; neue Aufl. von Kühn, Leipz. 1821-33, 20 Bde.); eine französische Übersetzung gab Daremberg (Par. 1854-56, 2 Bde.), deutsche Übersetzungen einzelner Teile Sprengel und Nöldecke. Von einzelnen Schriften wurden herausgegeben die "Eisagoge dialektike" ^["Εισαγωγη διαλεκτικη"] von Minas (Par. 1844); "Fragmente des Kommentars zum Timäos des Platon" (das. 1848); "De Placitis Hippocratis et Platonis libri IX" wurde herausgegeben von I. ^[Iwanus] Müller (Leipz. 1874, Bd. 1), "De partibus philosophiae" von Wellmann (Berl. 1882) und die kleinern Schriften von Marquardt u. a. (Leipz. 1884 ff.).

Galenstock, s. Dammastock.

Galeomachie (griech.), Katzenkrieg, Katzbalgerei; Galeomyomachie, Katzen- und Mäusekrieg.

Galeopithecus, Pelzflatterer.

Galeopsis ^[Galĕopsis] L. (Hohlzahn), Gattung aus der Familie der Labiaten, einjährige, gespreizt ästige, mehr oder minder behaarte Kräuter mit gewöhnlich gesägten Blättern und in meist achselständigen Scheinquirlen sitzenden gelben oder purpurroten Blüten. Wenige stark variierende Arten in Europa und Nordasien. G. ochroleuca Lam. (haarige Kornwut, Hanfnessel), 10-15 cm hoch, mit flaumhaarigem Stengel, eiförmigen bis länglich-lanzettlichen, gesägten, weichhaarigen Blättern und großen, blaßgelben Blüten, auf sandigen Feldern in mehreren Gegenden Mitteleuropas, manchmal ein lästiges Unkraut, war offizinell; das früher vielgepriesene Geheimmittel, welches als Blankenheimer oder Liebersche Auszehrungskräuter teuer verkauft wurde, bestand nur aus den zerschnittenen blühenden Pflanzen.

Galeote, s. Galeere.

Galerie (Gallerie), der lange, schmale Raum eines Gebäudes, der als Korridor oder zur Aufstellung von Gemälden und andern Kunstwerken dient, daher auch jede Sammlung von Kunstwerken (vgl. Museum), besonders Gemäldesammlung (Gemäldegalerie, s. Kunstsammlungen). Im Theater heißt G. der zunächst der Decke gelegene Rang, welcher am billigsten und deshalb meist mit Zuschauern aus den untern Ständen besetzt ist; auch die Zuschauer in diesem Raum selbst. Daher: auf die G. losspielen, s. v. w. nach dem Beifall derselben haschen. - In der Befestigungskunst nennt man G. die langen schmalen Gänge bei Anlage von Minen (s. d.) und hinter den Bekleidungsmauern von Festungsgräben (Dechargen- und Parallelgalerien, s. Kasematte, Mauerwerk); im Straßenbau die zum Schutz vor Lawinen erbauten überwölbten Gänge an den Einschnitten der Gebirgswände; auf Schiffen den 1,25-1,5 m breiten offenen Gang außerhalb des Hinterteils. Im Berg- u. Tunnelbau ist G. s. v. w. Stollen.

Galerita, s. Lerche.

Galerius ^[Galĭrius], Gajus Valerius Maximianus, röm. Kaiser, geboren bei Sardica in Dacien, war in seiner Jugend Hirt, schwang sich sodann als Soldat zu den höchsten militärischen Würden auf, ward 292 vom Kaiser Diokletian zum Schwiegersohn erwählt, adoptiert, zum Cäsar ernannt und mit der Verwaltung der Provinzen Thrakien und Illyrien betraut. Auf einem Feldzug gegen die Perser (296) war er zwar anfangs unglücklich, brachte aber sodann 297 dem Perserkönig Narses eine entscheidende Niederlage bei. Im J. 305 erhielt er beim Rücktritt des Diokletian zugleich mit Constantius Chlorus die Würde eines Augustus und die Herrschaft über die östlichen Teile des römischen Reichs. In den nach Constantius' Tod eintretenden Wirren ernannte er erst Severus und nach dessen Tod 307 Licinius zum Augustus; er selbst erhielt sich bis zu seinem 311 erfolgenden Tod im Besitz der östlichen Reichshälfte. Hauptsächlich durch seinen Einfluß wurde 303 Diokletian bewogen, das Edikt zu erlassen, durch welches über die Christen blutige Verfolgungen verhängt wurden; er selbst hielt dasselbe in seinem Reichsteil bis kurz vor seinem Tod aufrecht, wo er es aufhob.

Galerne (franz.), im nordwestlichen Frankreich Name des Nordwestwinds.

Galerus (lat.), bei den alten Römern ein kegelförmiger lederner Hut. Der Flamen Dialis trug denselben mit Wolle umwunden und oben mit einer Quaste (apex) versehen. Auch s. v. w. Perücke.

Galesburg (spr. gählsbörgh), Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, Grafschaft Knox, in fruchtbarer Gegend, 250 km westsüdwestlich von Chicago, hat mehrere höhere Schulen (Lombard University, Knox College etc.), Eisenbahnwerkstätten und (1880) 11,437 Einw.

Galette (franz.), eine Art Kuchen, unserm Fladen vergleichbar, in den Romanen von Paul de Kock die Lieblingsnäscherei der Grisetten; auch s. v. w. Kokon, daher Galettseide die von den Kokons erhaltenen verspinnbaren Seidenabfälle.

Galfried von Vinesalf (franz. Geoffroi de Vinsauf, auch Galfridus Anglicus genannt), lat. Dichter des Mittelalters, war ein geborner Engländer und lebte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh.