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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gallen; Gallen, St.; Gallenblase; Gallenfett; Gallenfieber; Gallenga

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Gallen - Gallenga.

sogen. Kickbeeren am Wacholder und die durch Gallmücken (Cecidomyia rosaria) veranlaßten Weidenrosen allgemein bekannt. Die rings geschlossenen G. zerfallen in Minengallen und eigentliche Galläpfel, welche einkammerig, wie bei kugeligen, der Blattunterseite von Eichenblättern aufsitzenden, durch Dryophanta scutellaris Ol. verursachten Eichengallen, oder mehrkammerig vorkommen, wie bei den bekannten moosartig behaarten Rosenschlafäpfeln oder Bedeguaren. Letztere bestehen aus den zusammengedrängten Anschwellungen mehrerer Stengelglieder und enthalten zahlreiche von Rhodites Rosae L. bewohnte Larvenkammern. Am meisten sind die Eichenarten der Gallenerzeugung von Cynipiden (Gallwespen) ausgesetzt, da von ihnen über 200 verschiedene Formen, darunter auch die in den Handel gebrachten Levante-Galläpfel (von Cynips gallae tinctoria L.), bekannt sind. Von besonderer Bedeutung für die Unterscheidung der G. ist das Verhalten ihrer Bewohner. In vielen Fällen bleiben dieselben zeitlebens an der Außenseite der gallentragenden Pflanzenteile und dringen niemals in das innere Gewebe derselben ein, wie die meisten Gallmilben und Halbflügler. Andernfalls dringt das gallerzeugende Insekt entweder als Larve durch die Epidermis in das innere Pflanzengewebe, wie bei vielen Gallmücken, Fliegen und Käfern, oder es gelangt durch besondere Bohrvorrichtungen der Imagoform schon im Eizustand in das Pflanzeninnere, wie bei den Blatt- und Gallwespen. Hieraus ergibt sich die Unterscheidung von äußern und innern G. sowie von Larven- und Imagogallen, letztere beiden Formen werden auch als Scoläo- und Oocecidien bezeichnet. Endlich kommt in Betracht, ob die Bewohner einer Galle sich in derselben fortpflanzen und also ungleiche Generationen nebeneinander vorhanden sind, oder ob die Bewohner nur einer und derselben Generation angehören, welche außerhalb der Galle zur Fortpflanzung schreitet; ersteres geschieht in vielen G. von Halbflüglern, Milben und Würmern, letzteres ist bei den Cecidien der Dipteren, Käfer, Schmetterlinge und Hautflügler der gewöhnliche Fall. Vgl. Malpighi, De gallis (in den "Opera", Bd. 1, Lond. 1687); Réaumur, Mémoire pour servir à l'histoire des insectes, Bd. 3; Mayr, Mitteleuropäische Eichengallen (Wien 1871); Thomas, Über Phytoptocecidien etc. ("Zeitschrift für die gesamten Naturwissenschaften" 1869 ff.); Cornu, Études sur le Phylloxera vastatrix (Par. 1879); Bergestamm und F. Löw, Synopsis cecidomyidarum (Wien 1876) u. a.

Gallen, Priester der Kybele, s. Galli.

Gallen, St., s. Sankt Gallen.

Gallenblase (Vesica fellea), Blase zur Aufbewahrung der von der Leber abgesonderten Galle, nicht bei allen Wirbeltieren vorhanden (fehlt z. B. beim Pferd, bei den Walen, Kamelen, Hirschen etc.), ist beim Menschen flaschenförmig (s. Tafel "Eingeweide II", Fig. 1), liegt in einer Furche auf der Unterseite der Leber, ist zum Teil mit ihr verwachsen, vom Bauchfell überzogen, 8-11 cm lang und faßt 33-37 g Galle. Letztere gelangt an ihrem Hals in sie hinein durch den 2 cm langen Gallenblasengang (ductus cysticus), einen Zweig des Gallenganges (ductus hepaticus) der Leber (s. d.), verläßt sie auf demselben Weg, strömt jedoch alsdann in andrer Richtung im 7 cm langen Gallenausführungsgang (ductus choledochus) weiter und tritt durch diesen in den Zwölffingerdarm ein. Die G. bildet somit nur eine seitliche, zu einem Behälter erweiterte Abzweigung des Kanals von der Leber zum Darm; an ihrem Hals erhebt sich im Innern die Schleimhaut zu mehreren spiraligen Falten, welche der Galle einen nur langsamen Ein- und Austritt gestatten. Vom Darm her kann keine Flüssigkeit in sie eindringen, weil der Gallenausführungsgang etwa 11½ cm lang zwischen den Darmhäuten verläuft und eine sehr enge Mündung besitzt. Nach Verwundungen oder Verschwärungen der G. entsteht bisweilen eine Gallenfistel, eine Öffnung der G. oder des Gallenganges nach außen. Das beständige Abfließen der G. führt große Entkräftung, selbst den Tod herbei; vgl. Galle.

Gallenfett, s. Cholesterin.

Gallenfieber (Febris biliosa), veraltete Bezeichnung für vielfache Arten von fieberhaften, mit Gelbsucht verbundenen Krankheiten, z. B. Lungenentzündung (Pneumonia biliosa).

Gallenga, Antonio, ital., meist englisch schreibender Schriftsteller und Publizist, geb. 4. Nov. 1810 zu Parma, betrieb zwei Jahre lang medizinische Studien auf der Universität daselbst, warf sich aber früh in den Strudel der politischen Agitation und mußte nach 1831 in die Verbannung gehen. Er trat in den Geheimbund der Giovine Italia und übernahm im jugendlichen Fanatismus von den Mazzinisten den Auftrag, den König Karl Albert zu töten; im entscheidenden Augenblick fehlte ihm der Mut, und er mußte sich nun selbst vor den Dolchen seiner Gesinnungsgenossen flüchten. Nun bereiste er das südliche Italien, dann Malta, Amerika, England. Er nahm den Namen Luigi Mariotti an und veröffentlichte unter diesem zunächst: "Oltremonte ed Oltremare, canti di un pellegrino" (Bost. u. Lond. 1844), ferner "The back gown papers" (Lond. 1846, 2 Bde.) und "Italy past and present" (das. 1846). 1848 kehrte er nach Italien zurück und stand zur Partei der gemäßigten Liberalen in Piemont. Seinen Standpunkt bezeichnete die Schrift "A che ne siamo? Pensieri di un Italiano d'Oltremonte" (1849). Nach dem unglücklichen Ausgang der Revolution wieder in London seßhaft, veröffentlichte er dort, immer unter dem Namen Mariotti: "Scenes from Italian life" (1850); "Italy in 1848" (1851). Außerdem schrieb er Journalartikel und gab Sprachunterricht. Seine "Praktische Grammatik der italienischen Sprache zum Gebrauch der Engländer" (Lond. 1851) erlebte zehn Auflagen. 1853 veröffentlichte er: "A historical memoir of Fra Dolcino and his times". Einer Einladung Cavours folgend, versuchte G. nochmals sein Glück im Vaterland und wurde ins Parlament gewählt, mußte aber sein Mandat infolge der Verlegenheiten, welche ihm die Mazzinisten durch ihre Enthüllungen bereiteten, nachdem er ihren Groll neuerdings durch die Art, wie er in dem mittlerweile erschienenen Buch "History of Piedmont" (Lond. 1855; ital., Tur. 1856, 2 Bde.) über seine ehemaligen Beziehungen zur Partei sich ausließ, herausgefordert hatte, niederlegen. Er zog sich nach Castellamonte in Piemont, bald darauf aber wieder nach England zurück; 1858 ging er abermals nach Italien und war daselbst als Parlamentsmitglied und als Berichterstatter der "Times" thätig, die ihn in der Folge mit verschiedenen Sendungen betraute. 1874 begleitete er den König von Italien nach Berlin und Wien. Später lebte er zu Llandogo in Wales. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen: "Castellamonte. An autobiographical sketch" (Lond. 1856; ital., Tur. 1857); "Countrylife in Piedmont" (1858); "The pearl of the Antilles" (1873; ital., Mail. 1874); "Italy revisited" (1875, 2 Bde.); "Two years of the Eastern question" (1877, 2 Bde.); "The pope and the king, the war