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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Galleria - Galletti.

erwartet und plötzlich in dem Moment, in welchem ein Gallenstein in den genannten Gallenausführungsgängen eingeklemmt wird. Die Kranken werden mit einemmal von den furchtbarsten Schmerzen in der Lebergegend befallen, welche sich schnell über den Unterleib und gegen die rechte Schulter hin verbreiten. Es ist kein Fieber dabei vorhanden, aber der Puls wird klein, die Haut kühl, das Gesicht bleich und entstellt; zuweilen tritt eine Ohnmacht hinzu. In manchen Fällen gesellt sich im Beginn der Kolikschmerzen ein leichter Schüttelfrost und Erbrechen hinzu. Nach Verlauf einiger Stunden oder erst am nächsten Tag lassen die Schmerzen nach, und das Allgemeinbefinden bessert sich, und mit dem Übertritt des Gallensteins in den Zwölffingerdarm kehrt vollkommenes Wohlbefinden zurück. Sehr selten endet ein Anfall von Gallensteinkolik mit Tod. Gelbsucht gehört keineswegs zu den regelmäßigen Symptomen der Gallensteinkolik. Wenn der Stein im ductus choledochus nicht sehr lange eingeklemmt bleibt, so tritt nur eine leichte und kurz dauernde Gelbsucht ein. Die in den Zwölffingerdarm übergetretenen Steine gehen mit dem Stuhlgang leicht und unmerklich ab, und nur selten ist der Abgang von Leibschmerzen oder von schleimig-blutigen Durchfällen begleitet. Da in den meisten Fällen mehrere oder selbst zahlreiche Steine in der Gallenblase vorhanden sind, so wiederholen sich die Anfälle der Gallensteinkolik gern von Zeit zu Zeit. Die Zurückhaltung solcher Steine in dem ductus choledochus gibt sich dadurch zu erkennen, daß nach einem Anfall von Gallensteinkolik nicht vollständiges Wohlbefinden eintritt, sondern daß Schmerzen und große Empfindlichkeit der Lebergegend gegen Druck zurückbleiben, und daß sich eine intensive Gelbsucht mit allen Erscheinungen des verhinderten Gallenabflusses hinzugesellt. Gewöhnlich erliegen die Kranken nach Verlauf einiger Monate den Folgen der Gallenstauung, indem sie abmagern und durch äußerste Erschöpfung dem Tod verfallen.

Was die Behandlung der Gallensteinkolik anbelangt, so ist man im wesentlichen darauf angewiesen, dreiste Dosen von Opiaten gegen den Schmerz zu geben. Ist Erbrechen vorhanden, so sind Einspritzungen von Morphium unter die Haut besser am Platz. Man kann diese Mittel in der Ausdehnung anwenden, daß eine leichte Betäubung eintritt. Sind die Schmerzen gar zu furchtbar, so sind Einatmungen von Chloroform mit großer Vorsicht anzuwenden, wobei man es jedenfalls zu keiner tiefen Betäubung kommen lassen darf. Auch warme Umschläge, auf die Lebergegend appliziert, oder ein warmes Vollbad, in welches man den Kranken verbringt, vermögen die krampfartigen Schmerzen zu ermäßigen und den Kolikanfall abzukürzen. Wenn sich der Anfall in die Länge zieht und die Lebergegend gegen äußern Druck sehr empfindlich wird, so können 8-10 Blutegel an die schmerzhafteste Stelle des Unterleibs angesetzt werden, da dergleichen Blutentziehungen in solchen Fällen von guter Wirkungen sein pflegen. Falls der Patient infolge der heftigen Schmerzen bedeutend kollabiert oder eine längere Ohnmacht eingetreten ist, so sind belebende Mittel, wie kräftiger Wein, starker Kaffee, Kampfer, Moschus u. dgl., anzuwenden. Gegen etwa vorhandenes Erbrechen erweisen sich Eispillen oder kaltes Wasser, schluckweise getrunken, am wirksamsten. Dagegen sind Brechmittel und Laxanzen während des Anfalls selbst unter allen Umständen zu vermeiden, da ihre Anwendung nicht ohne Gefahr ist. Die weitere Aufgabe des Arztes besteht darin, die Kranken vor neuen Kolikanfällen und vor anderweiten schlimmen Folgen der G. zu schützen. Dies geschieht am sichersten durch den Gebrauch gewisser alkalischer Mineralwässer von Karlsbad, Vichy, Marienbad, Kissingen, Ems etc., für deren Einfluß auf die Abführung der G. es übrigens noch an einer vollkommen befriedigenden Erklärung fehlt. Großen Ruf genießt bei der Behandlung der Cholelithiasis das Durandesche Mittel, welches aus 12 g Schwefeläther und 8 g Terpentinöl besteht. Von diesem Mittel gibt man morgens alle Tage 2 g und allmählich mehr, bis etwa 300 g der Mischung verbraucht sind. Außerdem sind manche andre Spezifika (z. B. Salpetersäure) und die verschiedensten andern Kuren gegen die Gallensteinkrankheit empfohlen worden. Selbstverständlich darf angesichts der genannten Krankheit die Sorge für eine zweckmäßig geregelte Lebensweise und namentlich für eine geordnete Diät nicht aus dem Auge gelassen werden.

Galleria, Bienenmotte.

Gallerie, s. Galerie.

Gallertalgen, s. v. w. Nostochaceen.

Gallertbaum, s. Bassia.

Gallérte (auch: das Gállert, altdeutsch galrat, mittellat. galatina, ital. gelatina), die beim Erkalten einer konzentrierten Leimlösung entstehende halbfeste, zitternde Masse. Alle tierischen Substanzen, die beim Kochen mit Wasser Leim geben, können zur Darstellung einer G. benutzt werden, also Fleisch, Knochen, Bindegewebe, Hausenblase, Hirschhorn etc.; leichter erhält man G., wenn man reinen weißen Leim (Gelatine) in einer genügenden Menge Wasser löst und erkalten läßt. Man benutzt sie zu verschiedenen Speisen, s. Gelee. Pflanzliche G. aus Flechten besteht aus Flechtenstärkemehl oder Algenschleim und Wasser, wird namentlich aus Carragaheen, isländischem Moos u. dgl. bereitet und in der Medizin, oft mit andern Arzneimitteln vermischt, angewendet. Pflanzliche G. aus fleischigen, sauren Früchten besteht aus Pektinsubstanzen und Wasser. Die Fruchtgelees oder Marmeladen sind geschätzte Beigaben zu andern Speisen.

Gallertflechte, s. Collema.

Gallertgewebe, s. Gewebe.

Gallertkörper, s. v. w. Pektinkörper.

Gallertkrebs (Carcinoma alveolare), krebsige Neubildung, bei welcher die ursprünglich vorhandenen Krebszellen sich in Schleim umgewandelt haben. Er besteht aus einem faserigen Netzwerk, dessen Maschenräume mit einer glasigen Gallerte ausgefüllt sind (s. Krebs). Der G. kommt sowohl in Form einer Geschwulst als namentlich in Form einer diffusen Infiltration vor und wird in den verschiedensten Organen, besonders im Magen, Dickdarm und Bauchfell, angetroffen. Der G. hat in der Regel einen langsamern Verlauf als andre Krebsformen, führt aber schließlich doch zum Tod infolge allgemeiner Erschöpfung und Abzehrung.

Gallertmoos, s. Sphaerococcus.

Gallertsäure, s. v. w. Pektinsäure, s. Pektinkörper.

Galletseide, s. Galettseide. ^[richtig: ?]

Galletti, Johann Georg August, bekannter deutscher Geschichtschreiber, geb. 19. Aug. 1750 zu Altenburg, ward 1783 Professor am Gymnasium zu Gotha, 1816 herzoglicher Historiograph, Geograph und Hofrat. Nachdem er schon 1819 seine Professur niedergelegt, starb er 25. März 1828. Seine zahlreichen historischen Werke, welche sich beinahe über alle Zeiten und Länder erstreckten, aber nur ziemlich oberflächliche Bearbeitungen des damals bekannten Materials sind, können mit Ausnahme der "Geschichte und Beschreibung des Herzogtums Gotha" (Gotha