Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Galvano; Galvanochirurgie; Galvanochromie; Galvanoglyphie; Galvanographie

878

Galvano - Galvanographie.

(Fig. 4). Schiebt man noch ein drittes Metall zwischen die beiden, so ergibt sich übereinstimmend mit der Erfahrung, daß der Unterschied der elektrischen Spannungen der Endplatten der nämliche ist, als wenn das erste mit dem dritten Metall unmittelbar in Berührung wäre (Fig. 5). Das Voltasche Spannungsgesetz erscheint als selbstverständliche Folgerung aus der obigen Annahme, da ja in einer beliebigen Zahlenreihe die Summe der Unterschiede notwendig gleich dem Unterschied zwischen dem ersten und letzten Glied sein muß. Wie es in Bezug auf Sauerstoff eine Spannungsreihe der Metalle gibt (die Voltasche), so gibt es auch eine in Bezug auf Schwefelsäure, Salpetersäure etc., und für jede derselben gilt notwendig das Spannungsgesetz. Es würde aber offenbar gar keinen Sinn haben, wenn man etwa den Sauerstoff oder die Schwefelsäure in die zugehörige oder gar in eine der andern Spannungsreihen der Metalle einordnen wollte.

Durch die Beobachtung geleitet, daß die Versuche besser gelangen, wenn die beiden Metalle nicht unmittelbar sich berührten, sondern eine feuchte Papier- oder Tuchscheibe zwischen ihnen lag, gelangte Volta dazu, durch Aufeinanderschichten vieler solcher Plattenpaare die bei einem Paar nur schwache Wirkung beträchtlich zu steigern; so entstand 1800 der bewundernswerte Apparat, der noch heute zum ruhmreichen Gedächtnis seines Erfinders den Namen der Voltaschen Säule (s. Galvanische Batterie) trägt. Verbindet man die Enden oder Pole der Voltaschen Säule durch einen Schließungsdraht, so wird derselbe dauernd von einem elektrischen oder galvanischen Strom durchflossen, welcher sowohl in dem Schließungskreis selbst als außerhalb desselben höchst bemerkenswerte Wirkungen hervorbringt. Das ganze umfassende Gebiet der mannigfaltigen Erscheinungen, welche die Voltasche Säule darbietet, hat man zum Andenken desjenigen, der es zuerst erschloß, G. genannt. Um die weitere Ausbildung des G. haben sich zahlreiche, besonders deutsche, Physiker dieses Jahrhunderts Verdienste erworben, da das reiche, wunderbare Gebiet große experimentelle Ausbeute und allgemeines Interesse bot. Faraday entdeckte die elektrolytischen Gesetze, die Induktion und war überhaupt höchst fruchtbar und unermüdlich in neuen Experimenten. Die Deutschen befaßten sich im allgemeinen mehr mit quantitativen Untersuchungen, d. h. sie maßen die Wirkungen des Stroms und drückten sie durch Zahlen aus, die mit andern Kräften Vergleichungen gestatteten. Unter ihnen sind besonders namhaft zu machen Gauß, Weber, Lenz, Jacobi, Ohm, Rieß, Poggendorff, Schweigger, Buff, Schönbein, Kohlrausch, Kirchhoff, ferner der Däne Örsted durch die zufällige Entdeckung des Elektromagnetismus und der Franzose Ampère als der Begründer der noch heute gültigen Theorie desselben; die Franzosen zeichneten sich im übrigen weniger auf diesem Gebiet aus, doch sind unter ihnen noch Pouillet und Becquerel hervorzuheben. Von Engländern sind noch zu erwähnen Wheatstone, Daniell und Grove wegen Erfindung der nach ihnen benannten konstanten galvanischen Batterien, aus ähnlichem Grund Bunsen u. a. in Deutschland. Über die chemische Wirkung des galvanischen Stroms s. Elektrolyse, über die magnetische Wirkung s. Elektromagnetismus und Elektrodynamik, über galvanische Induktion s. d., über Lichtwirkungen s. Elektrisches Licht und Geißlersche Röhre, über Wärmewirkungen s. Wärme. Über die Anwendung des G. in der Technik s. Elektrotechnik. Vgl. Wiedemann, Die Lehre von der Elektrizität (Braunschw. 1882-85, 4 Bde.); Exner, Theorie des galvanischen Elements (Wien 1880).

Der G. wird in der Medizin in Form des konstanten und des unterbrochenen Stroms namentlich bei Störungen des Nervenapparats, bei Lähmungen aller Art, bei sogen. sympathischen Gefäßleiden angewandt; vgl. Elektrotherapie. - Die Thatsache, daß ein Metalldraht, welcher in die galvanische Kette eingeschaltet ist, beim Schluß der Kette in Glühhitze gerät, hat in der Chirurgie mannigfache Anwendung gefunden; vgl. hierüber Galvanokaustik.

Galvano, s. v. w. Kupferklischee, s. Klischieren.

Galvanochirurgie, die Anwendung des Galvanismus zu Heilzwecken im Gebiet der Chirurgie, s. Galvanokaustik und Elektrotherapie.

Galvanochromie, s. Galvanische Färbung der Metalle.

Galvanoglyphie, Verfahren zur Herstellung erhabener, auf der Buchdruckpresse druckbarer Platten. Eine Zinkplatte wird mit einem Ätzgrund von fetter Farbe oder Firnis bedeckt, in diesen die Zeichnung eingerissen und auf geringe Tiefe geätzt. Die Platte wird hierauf getrocknet, eine neue Farbe- oder Firnisschicht auf den Ätzgrund aufgetragen, wieder trocknen gelassen und dies so lange wiederholt, bis die Farbschicht die hinreichende Dicke erreicht hat, um die Linien der Zeichnung genügend tief erscheinen zu lassen zur Herstellung eines erhabenen Klischees, welches alsdann in der gewöhnlichen galvanoplastischen Weise gewonnen wird. Da dieser Niederschlag die Zeichnung links reproduziert, so muß sie rechts auf die Platte gebracht werden, in der Weise also, in welcher sie nach dem Druck erscheinen soll.

Galvanographie, eine von v. Kobell in München 1840 erfundene Methode, Gemälde in Tuschmanier durch den Kupferdruck ohne Ätzen, Radieren od. dgl. zu vervielfältigen. Zu dem Ende wird auf eine polierte Silberplatte oder eine versilberte Kupferplatte mittels einer dunkeln Farbe die Zeichnung aufrecht, wie sie nach dem Druck erscheinen soll (nicht verkehrt), aufgetragen und zwar so, daß die ganz lichten Partien als reine Silberfläche weiß bleiben und die dunklern mit dieser etwas körperhaften Farbe ein- oder mehreremal übermalt werden. Dann bringt man die Platte in ein galvanisches Kupferbad, wo sich zuerst die rein metallische Silberfläche der präparierten Platte mit Kupfer bedecken wird, dann aber auch der schlecht leitende Farbenauftrag. Damit sich derselbe vollkommen und gleichmäßig belege, ist es zweckmäßig, die Farbe vermittelst Graphitzusatz besser leitend zu machen. Der hinreichend stark gewordene Kupferniederschlag wird von der präparierten Platte getrennt; er bildet eine vollkommene Kopie der letztern und läßt sich behandeln wie jede gestochene Kupferplatte. Die vertieften Stellen (welche dem Farbenauftrag der Silberplatte entsprechen) nehmen jetzt die Kupferdruckschwärze für den Druck auf. Von einer solchen Platte lassen sich etwa 400 gleich gute Abdrücke machen. Bei Herstellung größerer Stiche fand man es zweckmäßiger, eine Kupferplatte regelmäßig zu roulettieren und von dieser einen galvanoplastischen Abdruck zu machen; auf letzterm erschienen die Roulettepunkte in erhabenem Korn, worauf sich dann, wie auf geköpertem Stein, mit Kreide zeichnen ließ. Der von dieser Platte gebildete galvanische Abdruck dient als Druckplatte, welche noch durch Radiernadel, Grabstichel und Polierstahl vervollkommt werden kann. Diese Kunst wurde besonders in München von Schöninger und Freimann, später von Hanfstängl ausgebildet.