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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gänsekohl - Ganymedes.

Muskeln in der Wand der Blutgefäße der Haut kontrahieren, so wird die Haut bleicher und kühler.

Gänsekohl, s. Arabis.

Gänsekötigerz (Ganomatit), Mineral aus der Ordnung der Phosphate, offenbar ein Zersetzungsprodukt von schwankender Zusammensetzung, das neben Arsen- und Antimonsäure besonders Eisenoxyd enthält und in dünnen, roten oder braunen, fett- bis glasglänzenden Lagen blei- und arsenhaltige Erze überzieht. Es findet sich in Joachimsthal, Andreasberg, Allemond und Schemnitz.

Gänsekraut, s. Arabis; auch s. v. w. Potentilla anserina.

Gänsekresse, s. Berula.

Gänselaus, s. Pelzfresser.

Gänseleberpastete, eine aus Gänseleber, Fleischfarce und Trüffeln bereitete Pastete, kommt in Porzellangefäßen (Terrinen) oder in einer gebackenen, aber nicht genießbaren Form aus Brotteig (croûte) in den Handel. Letztere Form ist geschätzter, weil sie ein untrügliches Zeichen der Frische bietet, denn eine solche Pastete würde bei längerer Aufbewahrung verderben. In hermetisch verschlossener Terrine hält sich die Pastete länger, verliert jedoch wesentlich an Güte. Im Handel geht die G. meist als Straßburger Fabrikat, doch beschäftigt sich ein großer Teil des Elsaß mit der Zubereitung dieser Weltdelikatesse und der Mast der dazu bestimmten Gänse. Kolmar im Elsaß und Toulouse besitzen in dieser Beziehung ebenfalls Weltruhm. Um bei den Gänsen eine große, außerordentlich fette und sehr weiße Leber zu erzeugen, bedarf es einer besondern Mästung, welche im Unterelsaß, der Rheinpfalz und in Baden eine Art Hausindustrie bildet. Eine zur Pastetenbereitung geeignete Leber muß 1-1½ kg wiegen. Als Mastfutter benutzt man in der Hauptsache aus Maismehl bereitete Nudeln, denen man Spießglanz, Pfeffer und andre dursterregende Ingredienzien zusetzt. Das Wasser wird mit Sand und Holzkohlen vermischt. Die Gänse selbst befinden sich in engen Behältern, so daß denselben jede Bewegung unmöglich gemacht wird. Der Hauptwert der Pasteten besteht außer in der Qualität der dazu benutzten Leber in der Verwendung vieler großer Trüffeln erster Güte. Den Wert fetter Gänselebern wußten schon die alten Römer zu schätzen. Horaz spricht in seinen "Satiren" von der mit saftigen Feigen gemästeten Leber der weißen Gans. Die eigentliche G. ist aber eine Erfindung des Maître Close, Mundkochs des Marschalls v. Contades, welcher 1762 als Militärgouverneur der Provinz Elsaß nach Straßburg kam. Als der Marschall während der Revolution nach Paris zurückberufen wurde, blieb Close in Straßburg und etablierte sich als Pastetenbäcker. Allein erst Doyen vervollkommte die Bereitung der G. bis zur jetzigen Höhe. In Straßburg allein gab es 1878: 23 Pastetenbäcker, deren jährlicher Umsatz auf ca. 2 Mill. Mk. berechnet wurde.

Gänsepappel, s. Malva.

Gänsestrenzel, s. Aegopodium.

Ganstaucher, s. Säger.

Gant (Vergantung, vielleicht v. lat. in quantum, "wieviel? wie teuer?"; ital. incanto, franz. encan), der öffentliche gerichtliche Zwangsverkauf, namentlich der öffentliche Verkauf der Güter eines Überschuldeten; daher Gantprozeß, s. v. w. Konkurs; Gantmann (Gantschuldner), der in Konkurs Verfallene; Ganthaus, das Versteigerungshaus; Gantmeister, der Auktionator; ganten, verganten, die G. verfügen, öffentlich versteigern, verauktionieren, in Konkurs (s. d.) erklären.

Gantang, Hohlmaß auf den Philippinen, 1/25 Laban oder Coyang. 1 Pico Weizen = 30 G., als Flüssigkeitsmaß = 3 Lit., auf Mindanao = 3,166 L., in Singapur = 4,73 L., als Goldrechnungseinheit auf Mindanao = 42,055 Mk., als Gewicht in Batavia 6,15 kg, in Bantam = 19,69 kg, in Malakka (für Reis) = 2,95 kg, in Palembang = 3,7 kg, auf Borneo = 9,84 kg, auf Celebes (für Reis) = 5,66 kg (bei den Eingebornen nur 2/3 dieses Gewichts), auf den Suluinseln = 2,419 kg. Die Holländer bezeichnen mit G. auch das japanische Schoo, = 1,81 Lit.

Gantelet (franz., spr. gangt'lä), Panzerhandschuh; in der Chirurgie eine Handbinde.

Ganten, ehemals eine Art Pranger, der aus Brettern bestand, welche an zwei Pfählen befestigt und mit drei Löchern versehen waren. Der Sträfling mußte durch eins dieser Löcher den Kopf und durch die andern die Arme stecken, um der Verspottung preisgegeben zu werden. Der Ursprung des Wortes ist unsicher.

Ganterist, s. Freiburger Alpen.

Gantmann, s. Gemeinschuldner.

Ganymedes, in der griech. Mythologie Sohn des trojanischen Königs Tros und der Nymphe Kallirrhoë, war der schönste der sterblichen Jünglinge, daher Zeus ihn durch seinen Adler zum Olymp emportragen ließ, wo er, in ewiger Jugend blühend, das Amt eines Mundschenken der Götter verwaltet. Nach Ovid war es Jupiter selbst, der, in einen Adler verwandelt, G. entführte. Als Sühne für den begangenen Raub gab Zeus dem Tros ein Gespann unsterblicher Rosse. Nach Homer holten ihn die Götter für Zeus weg. Da G. als Mundschenk den Becher oder die Urne führte, wurde er später auch mit dem Dämon, welcher den Nilquellen vorsteht, identifiziert

^[Abb.: Ganymedes nach Leochares (Rom, Vatikan).]