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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Garde-feu - Gardine.

Garde-feu (franz., spr. gard'föh), Ofenschirm, Kamingitter.

Garde-fou (franz., spr. gard'fuh), Geländer.

Garde-Freinet, La (spr. gard'fränä), Flecken im franz. Departement Var, Arrondissement Draguignan, auf der Höhe der Montagne des Maures, inmitten von Wäldern und Pflanzungen von Edelkastanien und Korkeichen, lange Zeit im Mittelalter Sitz räuberischer Sarazenen, von denen das Gebirge den Namen erhalten hat, mit (1876) 1947 Einw., welche Korkfabrikation betreiben.

Gardelegen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, an der Milde und an der Linie Berlin-Lehrte der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, 2 evang. Pfarrkirchen, ein Realprogymnasium, eine Privatidiotenanstalt, Perlmutterknopf- und Zigarrenfabrikation, Bierbrauereien, Ziegeleien, eine Eisengießerei, eine Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen, großen Hopfenhandel und Hopfendarren und (1885) inkl. Garnison (2 Eskadrons Ulanen Nr. 16) 7258 meist evang. Einwohner. - G. ist schon im 10. Jahrh. angelegt und gehörte bis 1071 zu Korvei; um 1152 wurde es neu aufgebaut, später saßen hier Grafen als magdeburgische Lehnsleute. Im 16. Jahrh. blühten hier Weinbau und Brauerei; berühmt war das gewürzhafte Bier, Garlei genannt. Auf der anliegenden Gardelegen er, jetzt Letzlinger Heide siegte Markgraf Ludwig I. 1343 über Otto den Milden von Braunschweig.

Garden City (spr. gārden ssitti), Stadt auf Long Island, im nordamerikan. Staat New York, dicht bei Hempstead (s. d.), wurde von dem 1883 verstorbenen New Yorker Kaufmann A. T. Stewart gegründet, mit zahlreichen von ihm selbst erbauten kleinen Wohnhäusern, einer prot. Kathedrale (in welcher der Stifter begraben liegt), einem College für 1500 Knaben, die 100 Doll. jährlich als Schulgeld zahlen, und einem College für 300 junge Damen.

Gardéna, Valle, s. Grödner Thal.

Gardenĭa L., Gattung aus der Familie der Rubiaceen, bisweilen dornige Bäume und Sträucher mit meist gegenständigen, ovalen Blättern, meist einzeln stehenden, ansehnlichen, weißen oder gelben, wohlriechenden Blüten und zwei- bis fünffächerigen Beeren. Etwa 60 Arten in den tropischen oder subtropischen Klimaten der östlichen Erdhälfte. Von mehreren Arten dieser Gattung kommen die Früchte als Gelbschoten, Wongshy, nach Europa. Die Früchte von G. grandiflora Lour. werden in Kochinchina, die von G. florida L. und G. radicans Thunb. in Japan zum Gelbfärben benutzt. Die beiden ersten Arten werden in allen wärmern Ländern Asiens als Genuß- und Medizinalpflanzen, bei uns des Wohlgeruchs ihrer Blüten halber in mehreren Varietäten kultiviert. Die in den europäischen Handel kommenden Gelbschoten bilden 3-4 cm lange, glänzend rotbraune, trockne, länglich-eiförmige, vier- bis sechskantige Früchte, an deren oberm Ende der vier- bis fünfteilige Kelch erkennbar ist, während sie sich unten in den Fruchtstiel verschmälern. Sie enthalten eine orangegelbe, in Wasser aufquellende Gewebemasse u. zahlreiche Samen, schmecken bitter-gewürzhaft und riechen safranartig, unangenehm. Der gelbe Farbstoff ist wohl mit dem des Safrans identisch, also Polychroit, Crocin. Außerdem enthalten die Gelbschoten Rubichlorsäure und zwei Gerbsäuren. Andre Arten, wie G. lucida Roxb. ein strauchartiges Bäumchen auf Luzon und in Ostindien, G. gummifera L. fil., ein Strauch in Koromandel und auf Ceylon liefern ein dem Elemi ähnliches Harz.

Garderobe (franz.), Kleiderschrank mit mehreren Fächern; dann Zimmer zum Ankleiden und zur Aufbewahrung von Kleidungsstücken, Wäsche etc.; auch die sämtliche Kleidung, welche jemand besitzt, besonders die zu den verschiedenen Vorstellungen nötigen Anzüge für die Schauspieler und der Ankleideraum der letztern. Die Anzüge sind diesen von der Direktion zu jeder Vorstellung zu liefern und deshalb Eigentum der letztern; moderne, elegante Anzüge stellen aber in der Regel die Schauspieler selbst. Schauspielerinnen beziehen dafür bei großen Theatern eine Entschädigung (Garderobegeld). Das Garderobepersonal bei großen Bühnen besteht aus einem Direktor oder Kostümier, den Garderobiers und Garderobieren (Garderobeaufsehern), dem Friseur etc.

Gardescher See, Strandsee an der Ostseeküste, im preuß. Regierungsbezirk Köslin, Kreis Stolp, 35 qkm groß, durch hohe Dünen (Garder Höfd und Rower) vom Meer getrennt, nimmt die Lupow auf und mündet bei dem Dorf Rowe in die Ostsee. An seiner Ostseite der 115 m hohe Revekol.

Garde-vue (franz., spr. gard'wüh), Lichtschirm.

Gardez (franz., spr. -deh), bewahret! nehmt in acht! besonders beim Schachspiel (s. d.).

Gardie (spr. -dih), Magnus Gabriel, Graf de la, schwed. Staatsmann, geb. 15. Okt. 1622 zu Reval, Sohn eines schwedischen Feldmarschalls, aus einem ursprünglich languedocschen Geschlecht, das sich im 16. Jahrh. in Livland niedergelassen hatte, studierte zu Upsala und bildete sich dann auf Reisen weiter aus. Als er nach seiner Rückkehr am Hof der Königin Christine erschien, überhäufte ihn diese mit Auszeichnungen; ja, sie soll den Plan gehabt haben, sich mit ihm zu vermählen. G. war pracht- und kunstliebend (daher der "schwedische Mäcen" genannt), aber auch verschwenderisch und wankelmütig. 1642 ging G. als Gesandter nach Frankreich, heiratete nach seiner Rückkehr die Schwester des Prinzen Karl Gustav, ward aber bei der Königin verdächtig und erhielt den Befehl, sich auf seine Güter zurückzuziehen. Unter König Karl X. Gustav übernahm er den Oberbefehl des schwedischen Heers in Livland, erhielt 1656 das Gouvernement in Semgallen und Litauen und verteidigte Riga gegen die Russen. Nach des Königs Tod 1660 nahm er als Kanzler teil an der Regentschaft während der Minderjährigkeit Karls XI. und leitete die auswärtige Politik ganz im Interesse Frankreichs, von dem er bestochen war, verlor aber allmählich seinen Einfluß und wurde infolge des Dekrets von 1680, das dem König erlaubte, die unter den vorigen Regenten veräußerten Krongüter wieder einzuziehen, fast aller seiner Besitzungen beraubt, so daß er 26. Okt. 1686 in Armut starb. Ihm verdankt Upsala den sogen. silbernen Kodex des Ulfilas, den die Schweden in Prag erbeutet hatten, der aber für verloren galt, bis G. ihn in Flandern wieder auffand, für 600 Gulden kaufte und, nachdem er ihn mit einem silbernen Einband versehen lassen, 1669 der Universitätsbibliothek zu Upsala schenkte. Die ehedem aus dem Gute der Familie G., Löberod in Schonen, aufbewahrte reiche Handschriftensammlung (vgl. Wieselgren, De la Gardieska archivet, Stockh. 1831-44, 20 Bde.) wurde 1848 der Universitätsbibliothek zu Lund einverleibt.

Gardien (franz., spr. -djäng), Hüter, Wächter.

Gardieren (franz.), bewachen, beschirmen.

Gardīne (v. ital. cortina), Bett- oder Fenstervorhang; daher Gardinenpredigt, Strafpredigt, welche eine Ehefrau ihrem Gatten hinter den Gardinen (ohne Zeugen) hält.