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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gartenbau- und Blumenvereine; Gartenbauschulen; Gartenbibernelle; Gartenblumen

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Gartenbauschulen - Gartenblumen.

Schmidlin, Gartenbuch (4. Aufl. von Nietner u. Rümpler, Berl. 1883); "Wredows Gartenfreund" (17. Aufl. von Gaerdt, das. 1885; neu bearbeitet von Hüttig, das. 1885); Regel, Allgemeines Gartenbuch (Zürich 1857-68, 2 Bde.); Jühlke, Gartenbuch für Damen (3. Aufl., das. 1874); Vilmorin, Illustrierte Blumengärtnerei (2. Aufl. von Rümpler, das. 1883); Courtin, Der deutsche Haus- u. Nutzgarten (2. Aufl., Stuttg. 1874); Wörmann, Der Garteningenieur (Berl. 1860-74, 9 Tle.); Hampel, Moderne Teppichgärtnerei (das. 1885); Rümpler, Gartenbaulexikon (das. 1882); Perring, Lexikon für Gartenbau und Blumenzucht (Leipz. 1882); außerdem die Schriften von Jäger, Hartwig und Hüttig. Zur Geschichte des Gartenbaues: Dietrich, Geschichte des Gartenbaues (Leipz. 1863); Teichert, Geschichte der Ziergärten und der Ziergärtnerei in Deutschland (Berl. 1865); Hüttig, Geschichte des Gartenbaues (das. 1879); Falke, Der Garten. Seine Kunst und Kunstgeschichte (Stuttg. 1884); Tuckermann, Die Gartenkunst der italienischen Renaissancezeit (Berl. 1885); v. Ompteda, Rheinische Gärten (das. 1885).

Zeitschriften: "Gartenzeitung", Monatsschrift von Wittmack und Perring (Berl., seit 1882); "Wiener Illustrierte Gartenzeitung" von Ritter Wawra von Fernsee und Bermann (Wien, seit 1876); "Deutsche Gärtnerzeitung" von Möller (Erfurt, seit 1877); "Jahrbuch für Gartenkunde und Botanik" (Bonn, seit 1883); "Die Gartenflora" von Regel, Engler und Stein (Berl., seit 1852); "Illustrierte Gartenzeitung" von Lebl (Stuttg., seit 1856); "Hamburger Garten- und Blumenzeitung" von Goeze (Hamb., seit 1845); "Neuberts Gartenmagazin" (seit 1848), neue Folge: "Illustrierte Monatshefte für die Gesamtinteressen des Gartenbaues", hrsg. von Kolb u. Weiß (Stuttg. 1882 ff.).

Gartenbauschulen (Gärtnerlehranstalten) bezwecken eine vollständige, theoretisch-praktische Durchbildung junger Gärtner mit hinreichender Schulbildung oder nur die Erzielung einer verständnisvollen Routine in allen oder einzelnen Fächern des Gartenbaues. Danach unterscheidet man höhere und niedere G. und Lehranstalten für ganz spezielle Zwecke. Preußen hat drei königliche Institute: Die Gärtnerlehranstalten zu Alt-Geltow bei Werder a. d. Havel und am Wildpark bei Potsdam fordern die Reife für Sekunda und zweijährige Lehrzeit, haben zweijährigen Kursus und bezwecken die wissenschaftliche und künstlerische Ausbildung der Eleven. Eine zweite Abteilung bildet praktische Gärtner für den landwirtschaftlichen Gartenbau. Die königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim besteht ebenfalls aus zwei Abteilungen, deren höhere mindestens halbjährigen Besuch der Tertia fordert und auch Schüler ohne gärtnerische Vorbildung aufnimmt. Ein dritter Lehrgang ist für Hospitanten eingerichtet. Es wird hauptsächlich ein höherer und möglichst vollkommener Betrieb des Obst- und Weinbaues angestrebt. Ähnlich sind das königliche pomologische Institut in Proskau bei Oppeln, die kaiserliche Obst- und Gartenbauschule zu Grafenburg bei Brumath im Unterelsaß und die Privatinstitute zu Reutlingen (Lucas) und Köln (Flora) organisiert. Außerdem gibt es noch eine größere Anzahl von durch Regierungen oder Vereine begründeten niedern Obst- und Gartenbauschulen in Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden etc. Von ausländischen G. sind besonders diejenigen in Gent und Wien hervorzuheben.

Gartenbau- und Blumenvereine, Gesellschaften von Gärtnern und Gartenfreunden, welche die Förderung und Hebung des gesamten Gartenbaues zum Zweck haben, deshalb in regelmäßigen Versammlungen ihre Ansichten und Erfahrungen gegenseitig austauschen, auch gewöhnlich Blumen- und Fruchtausstellungen veranstalten und die Herausgabe und Verbreitung von Gartenbau-, Blumen- und pomologischen Zeitungen und ähnlichen Schriften fördern. Der erste Verein dieser Art entstand 1805 in England (London) unter dem Namen Horticultural Society. Derselbe gibt seit 1812 seine Verhandlungen in einer Zeitschrift unter dem Titel: "Transaction of the Horticultural Society of London" heraus, verfügt über bedeutende Geldmittel und unterhält eine große Anzahl Forscher und Sammler in fast allen Teilen der Erde. Andre Vereine folgten bald nach, sowohl in den großen Städten Englands als in Frankreich, Belgien, Holland. In Deutschland entstand 1822 der Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den königlich preußischen Staaten zu Berlin. Nun folgten die Schweiz, Österreich, Rußland, zuletzt Italien. Einige Vereine verfügen über Grundstücke mit Gewächshäusern etc., viele über Versuchsgärten und Baumschulen. Die meisten Vereine beschränken ihre Thätigkeit auf ihre Stadt und Umgegend, wodurch sie sich und dem Allgemeinen am meisten nützen. Außerdem haben sich viele zu provinziellen Vereinigungen zusammengethan, z. B. der Verband rheinischer, mitteldeutscher und andrer Vereine. Außer allgemeinen Vereinen gibt es solche von Gemüsezüchtern und pomologische Vereine, zu welchen man auch den Deutschen Pomologenverein zählen kann. Das Deutsche Reich zählte 1884: 275 Gartenbau- und verwandte Vereine.

Gartenbibernelle, s. Sanguisorba.

Gartenblumen (Garten- und Gewächshauspflanzen), blühende Gewächse und im weitern Sinn alle kleinern Pflanzen, welche zur Zierde dienen, wohl auch die nicht blühenden sogen. Blattpflanzen. G. sind daher alle Zierpflanzen, mit Ausnahme der Bäume und der meisten Gesträuche. Dieselben werden entweder ganz im Freien oder mit Hilfe von Treibkasten zum Bedarf für den Garten, oder auch in Gewächshäusern für den freien Garten und die Glashäuser gezogen. Die im Freien gezogenen Blumen sind entweder ausdauernde Stauden, sogen. perennierende Pflanzen, oder ein- und zweijährige. Die ausdauernden Blumen werden durch Zerteilen, Ableger, Stecklinge, Pfropfen etc., aber auch aus Samen gezogen, die ein- und zweijährigen meist aus Samen. Die einjährigen heißen gewöhnlich Sommergewächse. Die Blumen werden entweder in einem besondern Blumengarten verwendet, oder zur Verzierung auf Blumenbeeten sowie auch einzeln, auf Felsen, in Rasen, an Lauben und Gestellen etc., in andern Gärten wie auch zur Zierde im Nutzgarten angebracht. Bei der Verwendung der Blumen sind die Eigenschaften der Pflanze: Größe, Wuchs, Blütezeit, Stellung der Blüten, Farbe und Geruch, bestimmend; auch ist der Standort mit Umgebung, Tages- und Jahreszeit zu berücksichtigen. Unschöne Farbenverbindungen und Geschmacklosigkeiten verbieten sich von selbst. (Vgl. Jäger, Der immerblühende Garten, 2. Aufl., Leipz. 1867.) Auch werden Blumen vereinzelt, auf Felsbeeten, am Rande der Gebüsche, sogar wie wild wachsend in waldigen Teilen angebracht. Die Zahl der G. ist so ungeheuer angewachsen, daß eine strenge Auswahl nur der schönsten und für die Verhältnisse passendsten dringend geboten ist; denn nicht durch vielerlei Arten und Sorten, sondern mittels durchdachter, künstlerischer Anwendung der besonders geeigneten Blumen wird Gartenpracht erzielt.