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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gartenbrüder; Gartencypresse; Gartenfeld; Gartenflüchtlinge; Gartengeräte

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Gartenbrüder - Gartengeräte.

Gartenbrüder (Hortenses), zu Luthers Zeit Name der ersten Wiedertäufer (Münzer, Storch, Rübner, Pfeiffer etc.), weil sie ihre Zusammenkünfte meist in Gärten und auf Feldern hielten.

Gartencypresse, s. Santolina.

Gartenfeld, s. Gartenrecht.

Gartenflüchtlinge (Ankömmlinge), Gewächse, welche durch Verschleppung ihrer Vermehrungsorgane (Wurzelkeime, Ausläufer, Samen etc.) aus den Gärten (auch botanischen) ins Freie gelangen und sich hier ansiedeln. Namentlich Sommergewächse, aber auch ausdauernde findet man nicht selten in der Nähe von Städten und Gärten auf freiem Feld, und bisweilen erhält die Flora einer Gegend durch G. dauernde Bereicherung. Für Norddeutschland kommen als G. namentlich in Betracht: Ornithogalum nutans aus dem Orient, Hesperis matronalis aus Süddeutschland, Collomia grandiflora aus Nordamerika, Mimulus luteus aus Nordamerika, Asternarten aus Nordamerika, Solidago serotina und Rudbeckia laciniata ebendaher, Tanacetum Parthenium aus Südeuropa, Echinops sphaerocephalus und Silybum Marianum aus Südeuropa etc. Seltener vorkommende G. lassen sich in großer Zahl nachweisen. Nach den Untersuchungen von Caruel sind seit dem 16. Jahrh. mehr als 100 G. in die heimische toscanische Flora eingedrungen. Vgl. Caruel, Di alcuni cambiamenti avvenuti nella flora della Toscana in questi ultimi tre secoli (Mail. 1867).

Gartengeräte haben in neuerer Zeit eine wesentliche Vervollkommnung durch zweckmäßigere Konstruktion erfahren. G. zum Bearbeitendes Bodens sind: der Spaten mit Blatt aus Eisen oder Stahl, Vorrichtung zum Aufsetzen des Fußes und hölzernem Stiel mit Knopf-, Hohl- oder Krückengriff; der Karst (Rodehacke) von starkem Eisen oder Stahl an hölzernem einfachen Griff zum Aufhacken festen Bodens, auch des Untergrundes beim Rigolen; die Schaufel mit hölzernem Stiel und schräg daran befestigtem eisernen Blatt zum Aufnehmen des Bodens; die Hacke mit leichtem eisernen Blatt und Holzstiel zum Behäufeln der Pflanzen und Auflockern des Bodens zwischen diesen; Jäthäckchen, noch leichter, meist mit zwei Zinken zum Ausroden des Unkrauts, zu welchem Zweck auch das Jäteisen dient, ein kleines eisernes Blatt mit Holzgriff; die Harke (der Rechen) mit eisernem Balken und eisernen oder Holzzinken und 2-2,5 m langem Stiel zum Ebnen des Bodens; das Stoßeisen (die Wegschaufel), ein 25-30 cm langes, 7-10 cm breites Messer von Stahl, schräg an hölzernem Stiel befestigt, dient zur Reinigung der Wege u. a.; der Schiebkarren, am besten von Eisenblech, mit einem Rad und zwei hölzernen Griffen, entweder Seiten- oder Vorderkipper, dient zum Fortschaffen von Mist, Erde etc.; demselben Zweck dienen die Trage oder Tragbahre von Holz für zwei Personen und die Radberre mit einem Rad für eine Person; die Mistgabel oder Forke, mit drei bis vier 30 cm langen gebogenen Zinken aus verstähltem Schmiedeeisen und einer Hülse für den Holzstiel, dient zum Aufladen von Mist, zum Graben statt des Spatens und zur Aufnahme von Wurzelgemüsen.

G. zum Bewässern: die Gießkanne, am besten die Rameausche von ovaler, nicht runder Form, mit dem Bügel vom Fuß der einen Seite bis zum Rohr der andern, dem beweglichen Mundstück am Rohr, dient zum Wasserschöpfen, Tragen und Gießen gleichzeitig mit zwei Kannen, ohne diese jemals abzusetzen; die Karrenpumpe, die am Wasser aufzustellen ist, vermittelst des kurzen Schlauches mit Blechsieb dasselbe aufsaugt und gleichzeitig durch Handdruck und langen Kautschuk- oder Hanfschlauch zum Gießen und Bespritzen von Pflanzen, auch Bäumen, weiter befördert; Ähnliches gilt von der tragbaren Pumpe, zum Gebrauch im Gewächshaus, im kleinen überhaupt von der Handspritze.

Beim Säen und Pflanzen benutzt man die Gartenschnur, jedes Ende an einem Pflock befestigt, an dem zwei Personen sie auf dem geebneten Beet hin- und herziehen, um die Linien zu markieren, auf denen gesäet oder gepflanzt werden soll; die Saat in den vertieften Linien geschieht durch die Hand oder durch das Säehorn, statt dessen durch eine Flasche mit einer Federspule im Kork, oder durch eine Handsäemaschine; die Erddecke des Samens wird im Frühjahr mit unter die Füße geschnallten Tretbrettern festgetreten oder durch eine nicht zu schwere eiserne Walze festgelegt. Bei Stellensaat wendet man das Tippelholz an, ein rundes, 30 cm weites Brett mit 1 m langem Stiel und, auf der andern Seite, mit je nach Bedarf mehr oder weniger hölzernen Zinken, die man in den Boden sticht und Löcher öffnet, in welche die Samen einzeln gelegt und dann mit Erde bedeckt werden; das 30 cm lange Pflanzholz von hartem Holz, unten breit (nicht rund) zugespitzt, oben mit Knopf oder Handgriff versehen, ist beim Versetzen junger Pflanzen unentbehrlich.

Zum Schneiden dienen: das Gartenmesser mit fast gerader, nach vorn geneigter Klinge und Hirschhorngriff; das Okuliermesser, dem vorigen ähnlich, aber klein und der Griff in einen feinen, wenn auch breiten Löser ausgehend; etwas größer, aber ohne Löser ist das Kopuliermesser, zu allen Pfropf- und Gartenarbeiten brauchbar; die Gartenschere besteht aus zwei schneidigen Hälften vom feinsten Stahl, der Feder und dem mit Holz belegten eisernen Griff; die Raupen oder Baumschere ist an einer langen Stange befestigt und wird durch eine Schnur zum Abschneiden von Zweigen etc. in der Krone des Baums benutzt; die Heckenschere ist eine große Schere zum Beschneiden der Hecken; die Baumsägen von den kleinsten und mittlern ohne Bügel bis zu den größern mit Bügel und Handgriff dienen zum Abschneiden mehr oder weniger großer oder vertrockneter Äste, die an der Stange für solche hoch oben am Baum; die Ringelzange mit doppelter Schneide in verschiedenster Form dient im Frühjahr zur Aushebung eines Rindenringes unter dem Knoten, um die an diesem sitzende Traube oder andre Frucht zu vergrößern. Hier anzuschließen sind der Bandhalter, ein kleines Instrument zum Befestigen im Knopfloch des Rockes, mit doppelter Feder, um die zum Anheften nötigen Bänder bequem zur Hand zu haben, die Probiergläschen zum Bedecken von Veredelungen, um das Anwachsen zu beschleunigen, Glasglocken, um die Ausbildung von Gemüse zu befördern, etc.

G. zur Pflege des Rasens: die Mähmaschine, bestehend aus eiserner Walze, zum Festwalzen des Rasens, auf zwei Rädern, mit einer aus drei schraubenförmigen Messern bestehenden Welle dicht über einem 20-50 cm breiten, starken, feststehenden Messer und einer eisernen Stange mit Holzgriff, mit dem die Maschine nach vorwärts geschoben wird, wobei sie den Rasen abmäht; besser, aber langsamer arbeitet man mit der aus Messerstahl gefertigten kurzen englischen Sense; kleinere Flächen mäht man mit der Sichel, die kleinsten mit der Rasenschere, deren Griffe 10 cm über oder schräg an den Klingen