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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gaufres - Gaumen.

beiten machten ihn dem Erzherzog Johann bekannt, der ihn 1811 beauftragte, die schönsten malerischen Ansichten Steiermarks aufzunehmen. G. starb 27. März 1843. Er hat wenig Ölgemälde, dagegen zahlreiche Aquarelle geliefert.

2) Friedrich, Maler, Sohn des vorigen, geb. 20. Sept. 1807 zu Miesenbach bei Guttenstein in Niederösterreich, bildete sich erst unter Anleitung seines Vaters, dann kurze Zeit auf der Wiener Akademie und durch das Studium der großartigen Gebirgsnatur seiner Heimat sowie durch Kopieren niederländischer Landschafts- und Tiermaler. Durch Wanderungen nach Triest, Oberösterreich, dem Salzkammergut, Tirol, Oberitalien etc. erweiterte er seit 1825 beständig seinen Gesichtskreis. Seine frühern Werke, wie: ein Bauernbursche und ein Mädchen, auf dem Felde rastend (1829), und ein pflügender Ackersmann (1834), beide im Belvedere, zeigen ihn in den Bahnen Wagenbauers; allein bald fand er seinen eignen Weg, indem er poetische Auffassung des landschaftlichen Motivs mit äußerst sauberer und fleißiger Durchführung verband. Eine poetische Schöpfung ist sein verwundeter Hirsch, von einem Geier angefallen, dem ein zweiter aus der Luft herkommender die Beute zu entreißen droht. Ferner sind hervorzuheben: die heimkehrende Herde; auf dem Schiffe vom Sturm überfallen; Wölfe, die einen Hirsch anfallen; die Gemsjagd; Parforcejagd im Eichwald; Jäger, die einen Hirsch ausweiden; Kampf zwischen Bären und Hunden; Viehherde am Wasser (Frankfurt a. M.); Dorfschmiede im Salzburgischen (Berliner Nationalgalerie) etc. Zu seinen besten Arbeiten gehört eine Reihe von Naturstudien in Öl. Auch seine Lithographien und Radierungen sind geschätzt. G. starb 7. Juli 1862 in Wien. Vgl. v. Lützow in der "Zeitschrift für bildende Kunst" 1883-84.

Gaufres (franz., spr. gohfr), Waffeln (s. d.).

Gaufrieren (franz., spr. go-), glatten Geweben oder Papieren Zeichnungen oder Muster ohne Farbe aufprägen (Gaufrage), geschieht mit gravierten Walzen auf der Gaufriermaschine (vgl. Appretur).

Gaugamēla, Ortschaft in Assyrien, westlich von Arbela, beim heutigen Kermelis, wo Alexander d. Gr. über Dareios 2. Okt. 331 v. Chr. siegte.

Gaugraf, s. Gau.

Gaukler, s. Taschenspieler.

Gauklerblume, Pflanzengattung, s. Mimulus.

Gaul, Gustav, Maler, geb. 6. Febr. 1836 zu Wien, lernte anfangs bei Robert Theer die Aquarellmalerei und war dann unter Rahl fünf Jahre lang Schüler der Akademie. Hierauf studierte er in Oberitalien und in Dresden die Venezianer. Gelegentlich der Weltausstellung in Paris 1855 machte er Studien nach Rubens und Rembrandt, welche er auch in der Folge auf verschiedenen Reisen nach Holland und Frankreich fortsetzte. Sein Stil steht zwischen Rahl und französischen Vorbildern in der Mitte; sein Lieblingsgebiet ist das genrehaft aufgefaßte Geschichtsbild, doch zeichnete er sich nicht minder durch zahlreiche Bildnisse hervorragender Persönlichkeiten (Sophie Schröder, Spohr, Hyrtl) aus, die er koloristisch in der Art der Venezianer auffaßte, und erlangte eine hohe Vollkommenheit im Kopieren alter Meisterwerke. Im Tanzsaal des Bankiers Todesco in Wien hat er ein Deckengemälde in Tempera ausgeführt, das den Zug des Bacchus und Szenen aus der Mythe von Amor, Psyche und Venus darstellt. - Sein jüngerer Bruder, Franz, hauptsächlich Schlachtenmaler, hat sich auch als Kostüm- und Figurinenzeichner des Wiener Hofoperntheaters Ruf erworben.

Gaulois (franz., spr. golŏa), gallisch, altfranzösisch, dann auch s. v. w. "altfränkische" Sprache überhaupt. Le G., Name einer Pariser Zeitung, 1867 als Oppositionsblatt gegründet, jetzt klerikal-bonapartistisch.

Gaulonītis, Landschaft im alten Palästina, nach der Stadt Gaulan (Golan) benannt, östlich vom Jordan zwischen den Ausläufern des Hermon und dem Hieromax; jetzt Dscholan.

Gault, s. Kreideformation.

Gaultheria Kalm. (Scheinbeere, Theeheide), Gattung aus der Familie der Erikaceen, meist niederliegende Sträucher und Halbsträucher mit immergrünen, lederigen, bisweilen gegenständigen, häufig gesägten Blättern, einzelnen axillären oder in achsel- oder endständigen Trauben stehenden Blüten und vom fleischig gewordenen Kelch umschlossenen Beeren. Etwa 90 Arten, meist in Nordamerika und auf den Andes Südamerikas, wenige in Asien und Australien. G. procumbens L. (Bergthee), im Alleghanygebirge Nordamerikas, südlich bis Nordcarolina, ein auf der Erde kriechender Strauch mit aufrechten Ästen und Zweigen, bis 4 cm langen, kurzgestielten, rundlichen bis verkehrt-eiförmigen, kurzstachelspitzigen, schwach gesägten Blättern, weißen oder rötlichen Blüten und roten Beeren, liefert in seinen Blättern den Thee von Kanada und wird auch als reizendes, harntreibendes Mittel benutzt. Durch Destillation mit Wasser gewinnt man daraus das ätherische Gaultheriaöl (Wintergrünöl). Dies ist farblos, wird an der Luft rötlich, schmeckt süßlich gewürzhaft, riecht angenehm, besteht aus Salicylsäuremethyläther und einem Kohlenwasserstoff (Gaultherilen ^[Gaultherilēn]) und dient zum Parfümieren der Seife, zu Fruchtäthern, in Nordamerika als Carminativum, Geschmackscorrigens und als Volksheilmittel. Die Beeren des Bergthees werden besonders vom Wild verzehrt. G. Shallon Pursh, im westlichen Nordamerika, wird 1 m hoch, hat in Trauben gestellte, weiße und rote Blüten und dunkel purpurrote Beeren, welchen die Vögel stark nachstellen. Die Pflanze wird deshalb von den Jagdliebhabern vielfach angepflanzt und war vor längerer Zeit auch in England und Schottland weit verbreitet. Die Beeren sind sehr wohlschmeckend, man zerstampft sie und trocknet den Brei zu einer Art Brot. Bei uns kultiviert man die Gaultherien als Ziersträucher.

Gaultheriaöl, s. Gaultheria.

Gaulus, Insel, s. Gozo.

Gaumen (Palatum), bei den höhern Wirbeltieren die obere Wand oder die Decke der Mundhöhle, wodurch diese von der Nasenhöhle und bei den Säugetieren auch von dem Rachen geschieden ist (s. Mund). Der eigentliche oder harte G. wird von den Gaumenplatten gebildet, die sich vom Oberkiefer aus in die Tiefe der Mundhöhle erstrecken und aus den wagerechten Teilen der Oberkiefer und der Gaumenbeine (s. Schädel u. Taf. "Skelett des Menschen II", Fig. 17), also aus vier durch Nähte miteinander verbundenen Knochen, bestehen. Diese sind mit einer roten (blutreichen), drüsigen Schleimhaut bedeckt, welche vorn in das Zahnfleisch übergeht (s. Tafel "Mund etc.", Fig. 2). Bei den Fischen, Amphibien, Schlangen und Eidechsen können hier außerdem noch Zähne angebracht sein, deren Anzahl und Stellung für die systematische Zoologie von Bedeutung ist. Bei den Säugetieren setzt sich die Schleimhaut des harten Gaumens hinten in eine Doppelfalte (weicher G. oder Gaumensegel, velum palatinum) fort, die schräg oder senkrecht gegen die Zungenwurzel herabhängt und die Mundhöhle gegen den Rachen unvollkommen ab-^[folgende Seite]