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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gedankenstrich; Gedankenübertragung; Gedankenvorbehalt; Gedanum; Geddahgummi; Gedeckt; Gedeckter Weg; Gedern

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Gedankenstrich - Gedern.

haltung geworden ist. Die Vorstellung spielt sich in der Regel so ab, daß in Abwesenheit des Künstlers ein Gegenstand versteckt oder eine Person, eine bestimmte Zahl, z. B. die Nummer einer Banknote, eine Jahreszahl etc., in Gedanken genommen wird, worauf der zurückgekehrte Künstler aus der Gesellschaft einige Wissende zu "Medien" wählt, deren Brauchbarkeit als solche in der Regel durch einige Vorproben festgestellt wird. Der Gedankenleser läßt sich sodann die Augen, mitunter auch die Ohren, verbinden, faßt das Medium, in dessen Gedanken er lesen soll, bei der Hand oder drückt dessen Hand an seine Stirn und bittet es, nunmehr die Gedanken fest auf die zu suchende Örtlichkeit, Person oder Sache zu "konzentrieren", während er mit ihm in seinem angegebenen Umkreis umhersucht und ihn nach verschiedenen Richtungen hinführt. Handelt es sich um das Erraten von Zahlen oder Worten, so führt er die von ihm gehaltene Hand wiederholt langsam über eine Tafel, auf welcher die zehn Zahlzeichen oder die Buchstaben des Alphabets in großen Charakteren verzeichnet sind. Das Finden und Erraten der in Gedanken gehaltenen Örtlichkeit, Person, Sache, Zahl etc. erfolgt bei geübten Experimentatoren mit ziemlicher Sicherheit und Schnelligkeit, obwohl mitunter ein zweites oder drittes Medium beansprucht wird, welches seine "Gedanken besser konzentrieren" könne. Die Kunst beruht im wesentlichen auf einer Feinfühligkeit der Hand, welche die Verstärkung der Blutbewegung in den Adern des Mediums und gewisse Bewegungen desselben zu fühlen weiß, sobald der richtige Weg beim Suchen einer Örtlichkeit eingeschlagen wird, oder sobald die Person oder Hand des Mediums in die Nähe der gesuchten Örtlichkeit, Person, Sache, Schriftzeichen, Zahlen etc. gelangt. Die richtige Erklärung gab bereits 1876 der Entdecker Brown selbst, worauf der Nervenarzt G. M. Beard in New York eine "Physiologie des Gedankenlesens" (1877) veröffentlichte und Carpenter nachwies, daß die unbewußten Bewegungen der Medien zum Teil identisch sind mit den von ihm seit 1852 studierten ideomotorischen Bewegungen (s. d.), durch die auch die Schwankungen der Wünschelrute, das Klopfen der Tische etc. zu stande kommen. W. Preyer konstruierte dann einen besondern, sehr empfindlichen Apparat, den Palmagraphen, um diese unbewußten Bewegungen der Hände etc. graphisch darzustellen und dadurch den unzweifelhaften Beweis ihres Vorhandenseins zu liefern. Leute, die bei dem Experiment an ein geheimnisvolles und vielleicht übernatürliches Können des Gedankenlesers glauben, geben die brauchbarsten Medien, Personen, die sich beherrschen können, die schlechtesten ab. Im ganzen ist die Kunst so wenig schwierig, daß sich die dazu gehörige Geschicklichkeit bald erwerben läßt und von unzähligen Personen nachgemacht werden konnte; durch Übung, Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis kann sie aber zu wirklich überraschenden Leistungen gesteigert werden, wie denn für Cumberland selbst eine lose Verbindung mit einem Medium genügte, um im Umkreis einer halben Meile versteckte Dinge zu finden. Der Name G. ist somit auf Täuschung berechnet und würde besser durch "Muskellesen" ersetzt, denn der Künstler liest nicht in den Gedanken des Mediums, sondern dieses verrät ihm dieselben durch die unbewußten Bewegungen seiner Hände und durch die Aufregung seines Pulses und ist trotz allem Anschein des Gegenteils beim Suchen der führende Teil. Dabei laufen noch allerlei kleine Kunstgriffe unter, um die Aufregung des Mediums künstlich zu steigern. Diejenigen, welche durch das G. das Vorhandensein einer besondern, nötigenfalls auch ohne materielle Verbindung von einer Person auf die andre übertragbaren Geisteskraft nachweisen möchten, haben in neuerer Zeit noch eine andre Form des Gedankenlesens in Mode gebracht, welche man die Gedanken-Übertragung (engl. Thought-transference, franz. Suggestion mentale) nennt. Wenn dabei eine Person, die sich eine bestimmte Zahl oder ein Wort denkt, mit ihrer Hand diejenige des Experimentators erfaßt und sie veranlaßt, die von ihr gedachten Zahlen, Worte etc. niederzuschreiben, so handelt es sich wieder um die schon erwähnten unbewußten ideomotorischen Bewegungen, und dieses Experiment gelingt meistens leicht. Anders verhält es sich mit den von Richet und andern Experimentatoren angestellten Versuchen, in denen Personen ohne alle Berührung die Gedanken andrer übermittelt erhalten haben sollen, Experimenten, bei denen es, wie Preyer gezeigt hat, sehr schwer ist, Selbsttäuschung und Betrug auszuschließen. Vgl. vom gläubigen Standpunkt: Du Prel, Das G. (Bresl. 1885), und Richet in der "Revue philosophique" 1884, S. 609-621; vom skeptischen: Preyer, Die Erklärung des Gedankenlesens (Leipz. 1886).

Gedankenstrich (franz. Tiret, Moins; engl. Break, Dash), Interpunktionszeichen (-), wird gebraucht, um ganze Satzreihen, welche verwandte, auf einen Hauptgedanken sich beziehende und mit demselben in logischer Verbindung stehende Gedanken enthalten, voneinander zu sondern, um eine Auslassung oder Verschweigung anzudeuten (z. B. beim Citieren von Stellen, die man nicht vollständig anführt, etc.), um auf das Folgende aufmerksam zu machen und eine gewisse Spannung herbeizuführen oder auszudrücken; endlich auch als Parenthesezeichen.

Gedankenübertragung, s. Gedankenlesen.

Gedankenvorbehalt, s. v. w. Reservatio mentalis oder Mentalrestriktion, s. Eid.

Gedanum, lat. Name für Danzig.

Geddahgummi, eine Sorte arabischen Gummis, ist wenig homogen und rein, honiggelb bis bräunlich oder schwärzlich, trübe, blasig, schmeckt süßlich-gewürzhaft, ist etwas schwerer löslich als die andern Sorten, wird um Aden gesammelt und von dem arabischen Hafen Geddah verschifft.

Gedeckt heißt eine Holzverbindung durch Schwalbenschwanz oder Zinke, wenn die Vertiefung für diese nicht durch die ganze Dicke des Brettes geht.

Gedeckter Weg, der durch das Glacis gegen Einsicht von außen gedeckte Raum vor der Kontreskarpe einer Befestigungsanlage. Er ist entweder nur schmal, "Rondengang", oder breiter als vorgeschobene Verteidigungslinie, von der auch Ausfälle etc. ausgehen, als Aufstellungsplatz von Wachen und als Rückzugsort für die Vorposten und Patrouillen. Zur Versammlung von Truppen dienen Waffenplätze in den ausspringenden oder den einspringenden Winkeln. Diese sind zu längerm Widerstand und zur Sicherung der Verbindung nach dem Graben mit hölzernen Blockhäusern oder gemauerten Reduits versehen. Traversen oder die sägenförmige Brechung (en cremailière) der Brustwehr sollen das Rikoschettieren des gedeckten Wegs erschweren. Der neuern Geschützwirkung gegenüber sind die kleinen Reduits unhaltbar und hat der gedeckte Weg an seiner Bedeutung als vorgeschobene Stellung verloren. Vgl. Glacis, Festung und Festungskrieg.

Gedern, Stadt in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Schotten, am Fuß des Vogelsbergs, hat eine neuerbaute Pfarrkirche, Synagoge, ein Schloß, eine