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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Geffrard; Geffroy; Gefieder; Gefiedert; Gefion; Geflammt; Gefle; Geflecht; Geflechte

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Geffrard - Geflechte.

Geffrard (spr. schefrar), Fabre, Präsident von Haïti, geb. 19. Sept. 1806 zu L'Anse à Beau im südlichen Haïti, Sohn des Generals Nicholas G., eines der Begründer der haïtischen Unabhängigkeit und Gouverneurs der Südprovinz (gest. 1806), schloß sich, nachdem er im Militärdienst von 1821 bis 1843 zum Kapitän aufgerückt war, der Erhebung des Generals Hérard gegen den Präsidenten Boyer an, wurde vom liberalen Volkskomitee zum Obersten ernannt und zerstreute als Führer von Hérards Avantgarde Boyers Truppen bei Numéro Deux vollständig. Noch in demselben Jahr ernannte ihn die provisorische Regierung zu Port au Prince zum Brigadegeneral und Kommandanten des Distrikts von Jacmel und, nachdem G. eine Gegenrevolution unter General Achard im Entstehen unterdrückt hatte, 1845 zum Divisionsgeneral. Der auf seinen wachsenden Einfluß eifersüchtige Präsident Riché enthob ihn zwar 1846 seines Kommandos in der Provinz Jacmel und stellte ihn vor ein Kriegsgericht; doch ward G. freigesprochen und erhielt 1849 vom Präsidenten Soulouque wieder das Kommando einer Armeedivision in dem ersten Kriege gegen San Domingo, in welchem er sich durch seinen Sieg bei La Tabarra die Herzogswürde erwarb. Auch in dem zweiten Kriege gegen San Domingo (1856) zeichnete sich G. mehrfach, namentlich durch die geschickte Leitung des Rückzugs der Artillerie nach Banico, aus. Von Soulouque mit Verhaftung und Hinrichtung bedroht, flüchtete er und organisierte einen Aufstand, welcher den Sturz Soulouques zur Folge hatte, worauf er 15. Jan. 1859 ohne Widerstand als Präsident von Haïti in Port au Prince einzog. Trotz mannigfacher Komplotte behauptete er sich bis zu Anfang 1867, wo es einem Offizier der Armee, Salnave, der früher vergeblich revoltiert hatte, gelang, ihn zu Falle zu bringen. G. flüchtete auf ein französisches Schiff und ließ sich nach Jamaica bringen, wo er im Februar 1879 starb.

Geffroy (spr. scheffroa), Mathieu Auguste, franz. Geschichtschreiber, geb. 21. April 1820 zu Paris, besuchte das Collège Charlemagne und 1840-43 die Normalschule daselbst. Hierauf ward er Lehrer der Geschichte an den Kollegien in Dijon, Clermont und Louis le Grand in Paris und 1852 Professor der Geschichte an der Fakultät in Bordeaux. 1854 unternahm er eine wissenschaftliche Reise nach Schweden. Nachdem er 1862 zum Lehrer an der höhern Normalschule und 1872 zum Professor der alten Geschichte an der Fakultät in Paris ernannt sowie 1874 an Stelle A. Thierrys zum Mitglied der Akademie erwählt worden war, erhielt er 1875 die Direktion der Französischen Schule in Rom, die er bis Ende 1882 leitete. Er schrieb: "Histoire des États scandinaves" (1851); "Notices et extraits des manuscrits français en Suède et Danemark" (1855); "Gustave III et la cour de France" (1867, 2 Bde.); "Rome et les barbares" (1874); zwei Schriften über die "École française" zu Rom (1876 u. 1884); auch gab er "Lettres inédites de Charles XII" (1852) und mit Arneth die "Correspondance secrète de Marie-Antoinette" (1874, 3 Bde.), ferner 1859 unveröffentlichte Briefe der Fürstin Orsini (gest. 1722 in Rom) heraus.

Gefieder, die Gesamtheit der Federn (s. d.) eines Vogels in der ihn kennzeichnenden Anordnung (s. Vögel).

Gefiedert (pinnatus), s. Blatt, S. 1015.

Gefion, in der nord. Mythologie eine Asenjungfrau, Beschützerin der Jungfrauen, der alle gehören, die unvermählt sterben. Wohl eine andre G. ist es, von der erzählt wird, König Gylfi von Schweden habe ihr als einer fahrenden Frau, die ihn durch Gesang ergötzt habe, zum Lohn so viel Land gegeben, als vier Ochsen in Tag und Nacht pflügen könnten. Sie aber, aus Asengeschlecht stammend, nahm aus Jötunheim vier Ochsen, die sie mit einem Riesen erzeugt hatte, und spannte sie vor den Pflug. Dieser ging so tief, daß er das Land (worunter Seeland zu verstehen ist) von Schweden losriß, worauf die Ochsen es fort durchs Meer zogen. G. soll dann mit Skiold, dem Sohn Odins, vermählt worden sein und mit ihm Lethra, den dänischen Königsitz auf Seeland, bewohnt haben. - G. war auch der Name der dänischen Fregatte, welche 5. April 1849 bei Eckernförde von den Schleswig-Holsteinern und deutschen Bundestruppen genommen ward und später der preußischen Flotte einverleibt wurde.

Geflammt, besonders gestaltete bunte Färbung mancher einfachen und zusammengesetzten Felsarten, erscheint in länglichen, unbestimmten, gebogenen und sich zuspitzenden Zeichnungen, wie an Marmor, Bandjaspis, einigen Mergeln etc.

Gefle, Hauptstadt des Gefleborg-Län in Schweden, das die Landschaften Gestrikland und Helsingland umfaßt, im N. an das Län Westernorrland, im W. an Kopparberg und Jemtland, im S. an Westmanland und Upsala und im O. an den Bottnischen Meerbusen grenzt und 19,815,7 qkm (359,9 QM.) enthält. Die erstgenannte Landschaft bildet den Übergang von dem ebenen Upland zu dem gebirgigen und waldreichen Norrland; die letztere aber ist höher und wird von fünf unzusammenhängenden Gebirgsstrichen in vier Flußthäler geteilt. Das Län, welches der Ljusnaelf von NW. nach SO. durchschneidet, ist von Wäldern, Sümpfen und Morästen erfüllt, hat Eisen- und Kupfererz, daher auch mehrere Hochöfen und Hammerwerke. Die Bevölkerung zählte Ende 1883: 184,212 Seelen. In Gestrikland ist neben dem Bergbau mehr der Ackerbau, in Helsingland mehr die Viehzucht Hauptbeschäftigung. Außerdem wird Waldwirtschaft, Fischfang, Leinwandweberei, in Helsingland auch Jagd und Handel betrieben. Die sehr alte Stadt (Hauptort in Gestrikland) liegt an der Mündung der Gafvelå in den Bottnischen Meerbusen, ist mit Upsala und Falun durch Eisenbahn verbunden und enthält regelmäßige Straßen und seit dem Brand von 1869 viele neue Bauwerke. Die Stadt hat ein hoch gelegenes Schloß, ein schönes Rathaus, eine Navigationsschule, einen geräumigen, guten Hafen und (1883) 19,358 Einw., die bedeutenden Schiffbau, Fabrikation von Segeltuch, Tabaks- und Baumwollindustrie etc., Fischerei und lebhaften Handel treiben. Die Ausfuhr besteht in Eisen, Zimmerholz, Teer, die Einfuhr hauptsächlich in Korn und Salz. G. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Geflecht (physiologisch), s. Plexus.

Geflechte, Produkte der Handarbeit, welche durch Verschlingung biegsamer, faden- oder stäbchenartiger Körper (sogen. Flechtmaterialien) gebildet werden, indem man diese teils zu größern Flächen (Matten, Teppichen, Ofenschirmen, Wänden, Siebböden, Stuhlsitzen, Tellern u. dgl.), teils zu gefäßartigen Körpern (Körben, Taschen, Eimern, Hüten, Fußbekleidungen), teils zu Bändern (Glockenzügen), teils zu Schnüren (Peitschenschnüren, mancherlei Schnüren für Militärzwecke, Tressen, Borten etc.) in höchst mannigfaltiger Weise und zwar sowohl nach Art der gewöhnlichen Gewebe (glatt, geköpert, figuriert) als namentlich auch nach Art der Gaze, des Bobbinets und der gewirkten Stoffe vereinigt. Als Materialien dienen entweder Naturprodukte (Zweige, namentlich Weidenruten