Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gehirngeschwülste; Gehirnhäute; Gehirnhautentzündung

10

Gehirngeschwülste - Gehirnhautentzündung.

tretende Sympton der Lähmung ohne Rücksicht auf den Umfang dieser Lähmung oder ihre Bedeutung für das Leben des Individuums, das vom "Schlage gerührt" worden ist. Im Gegensatz zu diesen ganz raschen, stürmischen Symptomen der embolischen roten G. bilden sich die Lähmungen, Schmerzen oder die Seelenstörungen bei der gelben G. ungemein schleichend aus. Es sind stets alte Leute, welche diesen Leiden unterliegen; sie klagen über Kopfweh, über Unbesinnlichkeit, es gehen ihnen ganze Gruppen von Eindrücken verloren, ihre Züge werden schlaffer, Hände und Arme zittern stark und werden nach und nach gelähmt, bis endlich die Zentralstätten für die lebenswichtigen Thätigkeiten der Atmung und der Herzpulsation gleichfalls erlahmen und das kümmerlich flackernde Licht erlischt.

Einer Behandlung bietet selbstverständlich keine Art der G. einen direkten Angriffspunkt, es kann sich immer nur um die Herz- oder Gefäßkrankheiten handeln, welche das Grundübel bilden, um eine Verhütung fernerer Gehirnblutungen durch vorsichtigen Lebenswandel, Vermeiden aller Exzesse in Trank, Speise und körperlichen Anstrengungen sowie geistiger Erregungen und endlich um eine Heilung der Symptome, sofern diese der Sphäre des Bewegungsapparats angehören. Die Elektrizität leistet hierbei zuweilen erstaunliche Dienste.

Gehirngeschwülste (Tumores cerebri), Kollektivbezeichnung sowohl für die von der Gehirnsubstanz selbst auftretenden als für die von den Hirnhäuten ausgehenden Geschwülste, sofern sie den für das Gehirn bestimmten Raum der Schädelhöhle beeinträchtigen. Auch die Blasenwürmer des Gehirns (Echinococcus und Cysticercus) sowie die blutführenden Säcke an den Gehirnarterien (s. Aneurysma) pflegt man in Rücksicht auf ihre klinischen Erscheinungen zu den Gehirngeschwülsten zu rechnen. Die von der harten Hirnhaut ausgehenden Geschwülste gehören der Mehrzahl nach in die Kategorie der Sarkome. Sie sitzen wie eine Halbkugel an der Innenfläche der harten Hirnhaut und bilden sich durch Druck eine tiefe Grube an der Oberfläche des Gehirns. Die in der Gehirnmasse selbst sich entwickelnden Geschwülste beruhen meist auf einer Wucherung der bindegewebigen Bestandteile des Gehirns, bieten aber in Bezug auf Farbe, Konsistenz und feinern Bau die größten Verschiedenheiten dar (Sarkome, Gliome, Myxome etc.). Sie sind gewöhnlich als örtliches Übel zu betrachten, kommen vereinzelt vor, wachsen langsam und durchwuchern bei ihrem Wachstum die Gehirnsubstanz, stören die Zirkulation des Bluts und rufen die als Gehirndruck (s. d.) bekannten Erscheinungen hervor. Gehirntuberkeln findet man fast nur bei Kindern, welche gleichzeitig an Tuberkulose der Lungen und Lymphdrüsen leiden. Auch krebsartige Geschwülste, wasserhaltige Balggeschwülste oder Cysten, Perlgeschwülste, syphilitische Gummigeschwülste etc. entwickeln sich gelegentlich im Gehirn und rufen je nach ihrem Sitz, ihrer Größe und der Schnelligkeit ihres Wachstums sehr wechselnde Symptome hervor. Die Behandlung ist nur in äußerst seltenen Fällen, bei denen das Schädeldach durchwachsen ist, durch Entfernung der Geschwulst möglich; alle bösartigen G. sind sonst als hoffnungslos zu beurteilen. Eine gute Lebensordnung kann den Tod vielleicht verzögern, deshalb ist alles, was Kongestionen des Bluts nach dem Kopf machen könnte, strengstens zu vermeiden. Gegen den quälenden Kopfschmerz sind örtliche Blutentziehungen (Blutegel, hinter das Ohr, im Nacken etc. angesetzt), kalte Umschläge, selbst narkotische Mittel (Morphium) anzuwenden. Bei einer syphilitischen Gummigeschwulst des Gehirns, deren Prognose wenigstens nicht absolut schlecht ist, ist sofort eine leichte Schmierkur vorzunehmen.

Gehirnhäute, s. Gehirn, S. 2.

Gehirnhautentzündung (Meningitis), von den Laien gewöhnlich schlechthin als Gehirnentzündung bezeichnet, tritt in mehreren Formen auf, welche wegen ihrer verschiedenen Ursachen, ihrer anatomischen und klinischen Eigentümlichkeiten streng voneinander geschieden werden müssen. Wir unterscheiden folgende Formen der G.: 1) Die gewöhnliche, einfache G. (M. acuta, simplex) ist anatomisch dadurch charakterisiert, daß sich bei derselben ein mehr oder minder reichliches, eiterähnliches Exsudat in den Maschen der weichen Gehirnhaut an der Hirnoberfläche ansammelt. Diese Eiteranhäufung hat ihren Sitz vorzugsweise an der Konvexität der Großhirnhemisphären, doch wird sie auch an allen andern Stellen der Hirnoberfläche, z. B. an der Basis, namentlich in der Gegend der Brücke, der Sehnervenkreuzung etc., oft genug beobachtet. Manchmal ist nur eine Hemisphäre mit Eiter überzogen und die andre frei davon, oder es tritt die Eiterbildung an einer kleinen umschriebenen Stelle auf. Das Gehirn selbst ist bei dieser Krankheit anatomisch nicht auffallend beteiligt. Die einfache G. kommt bei vorher ganz gesunden Menschen (wenn man von dem unten zu besprechenden Genickkrampf absieht) nur äußerst selten, etwas öfter dagegen bei Individuen vor, welche durch voraufgegangene schwere Krankheiten bereits geschwächt sind. Namentlich ist es die chronische Brightsche Nierenkrankheit, welche nicht selten eine G. im Gefolge hat. Als veranlassende Ursachen der G. werden gewöhnlich Erkältung und Durchnässung des Körpers, Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den unbedeckten Kopf, übermäßiger Genuß spirituoser Getränke u. dgl. angegeben. Häufig schließt sich die G. an eine Verletzung der Schädelknochen, an entzündliche Prozesse des Schädels und der harten Hirnhaut an, und vor allen Dingen ist hier die eiterige Zerstörung der Mittelohrknochen zu nennen, welche nach Entzündungen der Paukenhöhle sich entwickelt und bis an die Hirnhäute sich ausbreiten kann, in welchem Fall eben G. eintritt. Die einfache G. verläuft akut und mit heftigem Fieber; sie beginnt zuweilen mit einem heftigen Schüttelfrost. Der Puls ist anfänglich sehr frequent, macht 120-140 Schläge in der Minute, geht aber später trotz des anhaltenden Fiebers auf 60-80 Schläge in der Minute herab. Die Kranken klagen über heftigen Kopfschmerz, sie greifen, selbst wenn das Bewußtsein bereits getrübt ist, unter leisem Wimmern nach dem schmerzenden Kopf hin. Anfänglich sind sie aufgeregt und unruhig, entbehren meist des Schlafs völlig und fangen frühzeitig an zu delirieren. Sie sind lichtscheu, sehr empfindlich gegen Geräusche, klagen über Ohrensausen, Funkensehen, knirschen mit den Zähnen, es stellen sich Zuckungen einzelner Muskeln oder, zumal bei Kindern, ausgesprochene allgemeine Schüttelkrämpfe ein. Dabei ist die Pupille auffallend eng, es findet wiederholt Erbrechen statt. Bald jedoch ändert sich das Krankheitsbild: die Kranken verfallen in Schlafsucht und Bewußtlosigkeit, werden völlig unempfindlich gegen äußere Reize, sind nicht im stande, die Glieder zu bewegen, während doch von Zeit zu Zeit die Zuckungen und Krämpfe sich wiederholen und einzelne Muskeln im Zustand bleibender Kontraktion und Starrheit verharren. Die vorher engen Pupillen werden jetzt sehr weit, der Puls weniger frequent. Unter andauernder Bewußtlosigkeit stellen