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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gellheim; Gelli; Gellius; Gellivara; Gellschuß; Gelma; Gelnhausen

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Gellheim - Gelnhausen.

bürgerlichen Kreisen zu Gellerts Zeit herrschte, zeichneten sich durch Natürlichkeit, liebenswürdige Schalkhaftigkeit und leichten Fluß der Darstellung aus. Seine geistlichen Oden und Lieder ermangeln wohl der Glut und Tiefe älterer deutscher Liederdichter, sind aber voll zu Herzen gehender Moral, reiner Empfindungen und warmer Andacht. Seine Lustspiele und Schäferspiele erstrebten im französischen Geschmack der Zeit eine gewisse Natürlichkeit; sein Roman "Das Leben der schwedischen Gräfin von G***" litt zwar unter der Enge einer Anschauung, die das äußere Gesetz über alle innerliche Sittlichkeit hinausstellte, war aber ein bedeutender Versuch, inneres Leben überhaupt darzustellen. Im allgemeinen zeichnet sich Gellerts Prosa durch Leichtigkeit, Korrektheit und einfache Eleganz aus. Seine "Sämtlichen Werke" erschienen zuerst Leipzig 1784, 10 Bde. (neueste Aufl., Berl. 1867); sie enthalten auch seinen in mehreren Sammlungen veröffentlichten Briefwechsel. Sein Leben beschrieben Cramer (Leipz. 1774) und Döring (Greiz 1833, 2 Bde.). Vgl. auch F. Naumann, Gellertbuch (2. Aufl., Dresd. 1865). Gellerts Gedächtnis feiern ein Denkmal in der Johanniskirche zu Leipzig, eine Statue (von Knaur) im Rosenthal daselbst und eine andre Statue (nach Rietschels Entwurf) in seiner Vaterstadt Hainichen. - Gellerts Bruder Christlieb Ehregott, geb. 11. Aug. 1713 zu Hainichen, war Professor an der Bergakademie zu Freiberg und starb 18. Mai 1795. Er ist Verfasser mehrerer zu ihrer Zeit geschätzter Lehrbücher der metallurgischen Chemie und Probierkunst.

Gellheim, s. v. w. Göllheim.

Gelli (spr. dsch-), Giambattista, ital. Schriftsteller, geb. 1493 zu Florenz, war ursprünglich Strumpfwirker, widmete sich später den Studien und machte darin so schnelle Fortschritte, daß er bald für einen der vorzüglichsten Schriftsteller galt. Zum Mitglied der Florentiner Akademie ernannt, hielt er berühmte Vorlesungen über Dantes "Göttliche Komödie" und starb 1563 in seiner Vaterstadt, die er niemals verlassen. Seine Schriften, die zum Teil in dialogischer Form abgefaßt sind, zeichnen sich durch tiefere philosophische Anschauung und reiche Menschenkenntnis bei klarer, oft satirisch gefärbter, wahrhaft gediegener Schreibart vorteilhaft aus. Wir nennen: "Tutte le lezioni fatte nell' accademia fiorentina" (Flor. 1551 u. öfter); "I capricci del bottajo" (1548); "La Circe" (das. 1549; beste Ausgabe von Gamba, Vened. 1825) und die Komödien: "La sporta" (nach Plautus, 1543 u. öfter) und "L'errore" (1556). Eine Gesamtausgabe seiner Werke besorgte Reina (Mail. 1804-1807, 3 Bde.).

Gellius, Aulus, röm. Schriftsteller aus dem 2. Jahrh. n. Chr., ging zu seiner philosophischen Ausbildung nach Athen, wo er in den langen Winternächten die vielseitigsten Studien betrieb. Das aus denselben hervorgegangene, zum Andenken an die athenischen Nächte "Noctes atticae" betitelte Werk in 20 Büchern, von denen das achte bis auf die Kapitelüberschriften verloren ist, enthält in zwanglos aneinander gereihten Exzerpten aus den verschiedenartigsten griechischen und römischen (namentlich archaischen) Schriftstellern einen Schatz von wertvollen Notizen für Litterärgeschichte, Antiquitäten, Geschichte und Grammatik. Unter den ältern Ausgaben ist die bedeutendste die von D. Fr. Gronov (Amsterd. 1651, Leid. 1687 u. 1706); die kritische Hauptausgabe lieferte M. Hertz (Berl. 1883-85, 2 Bde.), eine Übersetzung F. Weiß (Leipz. 1875-76, 2 Bde.). Vgl. Hertz, Opuscula Gelliana (Berl. 1886).

Gellivara (Gellivare), Eisenberg in der Luleå-Lappmark im schwed. Län Norrbotten, 4700 m lang, 580 m hoch. Sein Reichtum an Erz wird auf 935,000 Ton. auf jeden Fuß Abteufung geschätzt, doch wurden 1879 in vier Gruben nur 66,300 kg gefördert. Neuerdings ist der G. mit Norvik am Luleåelf durch eine Eisenbahnlinie verbunden worden. Das Kirchspiel G. umfaßt 16,959 qkm (308 QM.).

Gellschuß (von gellen, in der Bedeutung von "abprallen"), ein Schuß aus glattem Geschütz, bei dem das Geschoß vor dem Ziel einen Ausschlag macht, abprallt und dann das Ziel trifft; Treffer mit dem Preller oder Geller. Vgl. Rollschuß.

Gelma, Stadt in Algerien, Provinz Konstantine, 2 km südlich von der Sebusi, an der Eisenbahn, welche G. mit der 64 km entfernten Hafenstadt Bone verbindet, mit (1881) 6056 Einw. (1222 Franzosen, 3472 Muselmanen). Die Stadt liegt in einer wohlbewässerten, fruchtbaren und an Metallen (Blei, Zink, Antimon) reichen Landschaft, ist mit einer starken Mauer umgeben, hat ein gutes Museum römischer Altertümer und ist ein Hauptmarkt für Rinder, die von hier nach Frankreich versandt werden, und für Schafe mit Fettschwänzen. G. nimmt zum Teil die Stelle des Calama der Römer ein, von dem nur noch wenige Trümmer (ein Theater) erhalten sind. In der Nähe die heißen Schwefelquellen von Hammam Meskutin und die Nekropole (libysch, punisch, römisch) von Ain Nechma.

Gelnhausen, ehemals wichtige Reichsstadt, jetzt Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, 158 m ü. M., an der Kinzig und den Linien Frankfurt a. M.-Bebra-Göttingen der Preußischen Staatsbahn und Gießen-G. der Oberhessischen Eisenbahn, liegt terrassenförmig am rebenbepflanzten Dietrichsberg, hat ein Amtsgericht, alte Mauern, Thore und Wälle, zwei Vorstädte und eine schöne, neurestaurierte romanische Kirche (Dreifaltigkeitskirche) aus dem 13. Jahrh. mit vier Türmen. Auf einer Insel der Kinzig befindet sich die großartige, jetzt würdig restaurierte, von Kaiser Friedrich Barbarossa im romanischen Stil erbaute Kaiserpfalz (einzelnes s. Tafel "Baukunst IX", Fig. 10 u. 11; vgl. Hundeshagen, Kaiser Friedrichs I. Palast in der Burg zu G., 2. Aufl., Mainz 1819; Ruhl, Gebäude des Mittelalters zu G., Frankf. 1831; Emmel, Mitteilungen über G., Hanau 1881). Von sonstigen bemerkenswerten alten Gebäuden sind zu nennen: das Rathaus, die kathol. Kirche, die Synagoge, der alte Fürstenhof (jetzt Sitz der Behörden), der sogen. Hexenturm, der Halbmondturm (jetzt Schießhalle), das Johanniterhaus, der Buttenturm u. a. Die Stadt zählt (1885) 3695 Einw. (darunter 1880: 334 Katholiken u. 229 Juden), welche Wein- und Obstbau, Zigarrenfabrikation und Fabrikation von Gummiwaren (Schläuchen und Walzen für Papierfabriken und Reibgummi) betreiben. In der Nähe von G. bedeutende Sandsteinbrüche. - Im 12. Jahrh. hatte G. ein eignes Grafengeschlecht, nach dessen Aussterben (um 1155) es an die Hohenstaufen kam. Kaiser Friedrich I. erbaute sich hier die erwähnte Residenz und verlieh dem bei der Burg G. entstandenen Dorf 1169 die Reichsunmittelbarkeit. 1186 ward ein großer Reichstag hier abgehalten. Auch mehrere der folgenden Kaiser bis auf Karl IV. hielten öfters in G. Hof. Letzterer verpfändete den im 13. Jahrh. zur Stadt erweiterten Ort 1349 an die

^[Abb.: Wappen von Gelnhausen.]