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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gentianeen - Gentleman.

feuchten Wiesen im nördlichen Europa sowie in Böhmen, Sachsen, Schlesien, wurde früher wie das Tausendgüldenkraut angewendet. G. pannonica Scop., mit wirtelständigen, schön braunpurpurroten Blüten, wächst auf Triften und Wiesen der Gebirge von den Pyrenäen durch Österreich, Böhmen bis Ungarn. Die Wurzeln werden besonders in Österreich und Bayern statt der von G. lutea L. gesammelt und angewendet und haben dieselbe Wirkung wie erstere. G. Pneumonanthe L. (Lungenenzian, Lungenblume, blauer Dorant), mit einzelnen dunkelblauen Blüten, ist ausdauernd, wächst auf feuchten und grasreichen Wiesen durch Europa bis Nordasien und galt früher für sehr heilkräftig. G. punctata L. mit wirtelständigen, gelben, rot punktierten Blüten, wächst ausdauernd auf Wiesen in den Gebirgen Österreichs und der Schweiz, in Mähren und auf den Sudeten. Die bittere Wurzel wird in Mähren und Salzburg häufig gesammelt und wie die der G. lutea angewendet. Dasselbe gilt von G. purpurea L., ausdauernd, mit kopf- und wirtelständigen, sitzenden, bräunlich purpurroten, glockigen, am Schlund nackten Blüten, wächst auf den Gebirgen Norwegens, der Schweiz, auf den Karpathen und Pyrenäen. Mehrere Enzianarten werden wie andre Alpenpflanzen in Gärten kultiviert.

Gentianeen, dikotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Kontorten, einjährige und perennierende Kräuter, wenige Halbsträucher oder niedrige Sträucher. Der Stengel ist rund oder vierkantig, die meist gegen-, bisweilen auch quirl-, aber sehr selten wechselständigen Blätter haben keine Nebenblätter, sind sitzend oder gestielt, einfach und ungeteilt, nur bei Menyanthes handförmig dreiteilig. Die meist regelmäßigen, vollständigen Blüten sind end- oder achselständig, einzeln oder bilden Trauben oder Trugdolden. Der stehen bleibende Kelch besteht aus 4-8 verwachsenen Blättern, welche klappige oder gedrehte Knospenlage haben. Die monopetale Blumenkrone ist trichter-, präsentierteller- oder fast radförmig mit ebenso vielen Abschnitten des Saums wie der Kelch, in der Knospenlage meist gedreht. Der Schlund der Blume ist häufig gewimpert oder mit kleinen Schüppchen besetzt. Die Staubgefäße entsprechen an Zahl den Abschnitten der Korolle und sind in der Röhre derselben inseriert. Der oberständige, aus zwei Karpiden gebildete Fruchtknoten ist einfächerig, seltener zweifächerig; die beiden wandständigen Samenleisten tragen zahlreiche anatrope Samenknospen. Der endständige Griffel bildet meist eine zweiteilige Narbe. Die Frucht ist eine einfächerige, zweiklappige Kapsel. Die zahlreichen, sehr kleinen, runden oder zusammengedrückten Samen enthalten ein fleischiges Endosperm und einen sehr kleinen Embryo. Vgl. Grisebach, Gentianaceae, in "Prodromus", Bd. 9. Die Familie enthält 500 Arten und ist über die ganze Erde verbreitet; alle lieben lichte Standorte und humösen, feuchten Boden, finden sich meist auf Wiesen und Weiden, besonders der kältern Klimate und der Gebirge, in denen vorzugsweise zahlreiche Arten der Gattung Enzian (Gentiana T.) bis zur Grenze des ewigen Schnees gefunden werden. Die G. enthalten einen bittern Extraktivstoff, das Gentianin, wodurch mehrere zu tonischen, bittern Arzneistoffen werden, so besonders die Wurzeln mehrerer Arten von Gentiana (s. d.), ferner das Tausendgüldenkraut (Erythraea Centaurium Pers.) und der Fieberklee (Menyanthes trifoliata L.). Von letzterer Gattung kommen einige Arten fossil in tertiären und quartären Schichten vor.

Gentianellenkraut, s. Gentiana.

Gentil (franz., spr. schangti, weiblich: gentille), fein, niedlich, nett, artig, freundlich.

Gentile da Fabriano (spr. dschen-), ital. Maler, geboren zwischen 1360 und 1370 zu Fabriano in der Mark Ancona, scheint bei Allegretto Nuzi von Gubbio gelernt zu haben. Er war an vielen Orten Italiens thätig, in den Marken und Umbrien, in Bari, Pisa, Siena etc., meist aber in Florenz, wo er 1422 in die Malergilde aufgenommen wurde, Venedig und Rom. In Florenz und Toscana wirkte er in den 20er Jahren des 15. Jahrh.; sein bedeutendstes Bild dieser Epoche ist die Anbetung der Könige (in der Kunstakademie). Um 1430 folgte er dem Ruf des Papstes Martin V. und schmückte die Kirche San Giovanni in Laterano zu Rom mit Fresken aus dem Leben Johannes des Täufers sowie die Fensterzwischenräume mit Prophetenfiguren. In Santa Maria Nuova zu Rom malte er über dem Grab des Kardinals Adimari eine Madonna mit Heiligen, die Michelangelo des Lobes würdig erachtete. Darauf ging er nach Venedig, wo er für ein Bild der Seeschlacht bei Pirano die Patriziertoga sowie eine lebenslängliche Pension von einem Dukaten täglich erhielt. Die letzten Jahre seines Lebens brachte er wieder in Rom zu, wo er gegen 1450 starb. Das einzige noch von ihm erhaltene Freskobild befindet sich im Dom von Orvieto. Außerhalb Italiens finden sich nur sehr wenige Werke Gentiles; das Museum in Berlin besitzt eine auf Goldgrund in Tempera gemalte Anbetung der Madonna mit dem Kinde durch die Heiligen Nikolaus und Katharina und das Stifterpaar. G. verstand seine Köpfe fein zu beseelen; seine Bilder haben einen anmutigen Charakter und sind verständig, wenn auch ohne Schwung komponiert und mit Liebe durchgeführt.

Gentiles (lat.), s. Gens; auch s. v. w. Heiden.

Gentilezza (ital., spr. dsch-), Adel; Feinheit, Höflichkeit.

Gentilhomme (franz., spr. schangtijomm), Edelmann.

Gentilia (lat., Nomina g.), in der Grammatik s. v. w. Völkernamen; auch s. v. w. Nomina gentilicia, s. Gens; Gentilität, s. Gens.

Gentilismus (lat.), Heidentum.

Gentillesse (franz., spr. schangtijäß), Feinheit, Artigkeit; artige Kleinigkeit, witziger Einfall.

Gentilly (spr. schangtiji), Ortschaft im franz. Departement Seine, Arrondissement Sceaux, dicht vor der Enceinte von Paris, am Fuß des Hügels und Forts von Bicêtre, an der Bièvre und an der Gürtelbahn gelegen, mit alter Kirche, zahlreichen Landhäusern der Pariser und (1876) 10,378 Einw., welche mit Gerberei, Fabrikation von Biskuits, Essig, Senf, Seife, in den nahen Steinbrüchen und in Wäschereien beschäftigt sind. Hier hielt König Pippin 767 eine Synode ab.

Gentleman (engl., spr. dschenntl'män, entsprechend im gewissen Sinn den französischen Ausdrücken "gentilhomme" und "galant-homme", mehr noch dem italienischen gentiluomo) ist zunächst in England eine Standesbezeichnung. Früher bezeichnete man mit G. den wappenberechtigten Mann von Geburt, den Angehörigen der Gentry im Gegensatz zum Mitglied des Adels (nobility) auf der einen und zu der großen nicht gesellschaftsfähigen Masse auf der andern Seite. Später dehnte man den Begriff aus auf alle Personen, welche kein Gewerbe treiben, litterarische Bildung genossen haben, auf Beamte, Offiziere, Geistliche, Rentiers, Großkaufleute etc., also auf Personen, welche vermöge ihrer Stellung und Bildung oder ihres Reichtums