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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gerhardiner; Gerhardsberg; Gerhardt

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Gerhardiner - Gerhardt.

Gewicht war. Er starb 17. Aug. 1637. Unter seinen Schriften sind die bemerkenswertesten: "Loci communes theologici" (Jena 1610-22, 9 Bde.; neu hrsg. von Preuß, Berl. 1863-75, 9 Bde.); "Meditationes sacrae" (Leid. 1627), welche unzählige Male aufgelegt, auch in die meisten europäischen Sprachen übersetzt sind (deutsch von Böttcher, Leipz. 1876); "Confessio catholica et evangelica" (Jena 1634-37, 3 Bde.).

3) Wilhelm, Dichter, geb. 29. Nov. 1780 zu Weimar, war seit 1806 Besitzer eines Handelsgeschäfts in Leipzig; starb auf der Rückkehr von einer Schweizerreise 2. Okt. 1858 in Heidelberg. G. wußte in seinen "Gedichten" (Leipz. 1826, 2 Bde.) den Volkston so glücklich zu treffen, daß mehrere derselben eine weite Verbreitung fanden und noch jetzt gesungen werden (z. B. "Auf, Matrosen, die Anker gelichtet", "Bin der kleine Tambour Veit", "Die Mädchen in Deutschland sind blühend und schön" etc.). Auch veröffentlichte er das Drama "Sophronia" (Magdeb. 1822) und eine Bearbeitung serbischer Volks- und Heldenlieder: "Wila" (Leipz. 1828, 2 Bde.; neue Ausg. von K. Braun u. d. T.: "Gesänge der Serben", das. 1877), u. a.

4) Eduard, Archäolog, geb. 29. Nov. 1795 zu Posen, widmete sich in Breslau und Berlin unter Böckh klassischen Studien und habilitierte sich 1816 in Breslau. Später erhielt er eine Professur am Gymnasium seiner Vaterstadt und unternahm seit 1819 wiederholt wissenschaftliche Reisen nach Italien. In Rom beteiligte er sich an Platners und Bunsens "Beschreibung der Stadt Rom". In seinem Streben, eine systematische Denkmälerkunde des klassischen Altertums durch Abbildung und Beschreibung aller vorhandenen Denkmäler vorzubereiten, ward er seit 1828 besonders durch die von Lucian Bonaparte veranstalteten Ausgrabungen bedeutend gefördert. Unter Mitwirkung andrer Archäologen gründete er 1829 das Archäologische Institut (s. d.) zu Rom. 1837 ward er als Archäolog am königlichen Museum zu Berlin angestellt, 1844 zum ordentlichen Professor an der Universität daselbst ernannt und zum Mitglied der Akademie gewählt. Er starb 12. Mai 1867. Unter Gerhards zahlreichen Schriften sind zuerst seine umfangreichen Sammelwerke zu nennen: "Antike Bildwerke" (Stuttg. 1827-44, mit 140 Kupfern und der Beilage: "Griechische Mysterienbilder", das. 1839); "Auserlesene griechische Vasenbilder" (Berl. 1839-1858, 4 Bde. mit 330 Kupfern); "Etruskische Spiegel" (das. 1843-68, 4 Bde. mit 360 Tafeln; fortgesetzt von Klügmann und Körte, 1884 ff.). Hieran schließen sich die nach den im Berliner Museum befindlichen Originalen in Farben ausgeführten "Griechischen und etruskischen Trinkschalen" (Berl. 1843, mit 19 Tafeln); die "Etruskischen und kampanischen Vasenbilder" (das. 1843, mit 35 Tafeln); die "Vases apuliens" (das. 1846, mit 21 Tafeln) und die "Trinkschalen und Gefäße" (das. 1848-50, mit 37 Tafeln). Von Beschreibungen antiker Denkmäler veröffentlichte G. für das Museum von Neapel mit Panofka "Neapels antike Bildwerke" (Stuttg. 1828, Bd. 1), für das Museum des Vatikans mit Platner ein beschreibendes Verzeichnis in der "Beschreibung der Stadt Rom" (Bd. 2) und für das Berliner Museum "Berlins antike Bildwerke beschrieben" (Berl. 1836, Bd. 1), denen sich die "Neu erworbenen antiken Denkmäler" (das. 1836-55, 3 Hefte nebst 2 Nachträgen) anreihten, sowie (außer den Beschreibungen in den genannten Sammelwerken) "Verzeichnis der Bildhauerwerke" (1858), "Thongefäße u. Terrakotten, Spiegel" (1860), "Sammlung der Abgüsse" (1860), den "Rapporto intorno i vasi Volcenti" (Rom 1831), worin Tausende von Denkmälern griechischer Kunst, die in den Volcenter Gräbern aufgefunden wurden, aufgezählt sind, und die "Hyperboreisch-römischen Studien" (mit Beiträgen von K. O. Müller, Panofka, Stackelberg, Welcker und E. Braun, Berl. 1833-52, 2 Bde.). Der Kunst- und Altertumsforschung ausschließlich gewidmet sind der "Prodromus mythologischer Kunsterklärung" (Stuttg. u. Tübing. 1828) sowie zahlreiche Abhandlungen und Berichte, welche teils in Monographien, wie: "Del dio Fauno" (Neap. 1825) und "Venere Proserpina" (das. 1826), teils in den "Annali" des Instituts, den "Denkschriften" der Berliner Akademie, der "Archäologischen Zeitung" und in andern Zeitschriften erschienen. Hierzu kommt noch ein Teil der in Gemeinschaft mit Panofka seit 1842 von G. besorgten Programme zum jährlichen Winckelmanns-Fest der Archäologischen Gesellschaft. Ferner erschienen von ihm: "Griechische Mythologie" (Berl. 1854-55, 2 Bde.); "Über die Anthesterien und das Verhältnis des attischen Dionysos zum Koradienst" (das. 1858); "Über Hermenbilder auf griechischen Vasen" (das. 1856). G. hat der Wissenschaft mehr genützt durch seine organisatorische Thätigkeit und seine Denkmälerpublikationen als durch die Resultate seiner eignen Forschungen, welche in wenig historischer Weise gern die Nebenseiten des antiken Lebens beleuchten. Seine "Gesammelten akademischen Abhandlungen und kleinen Schriften" erschienen Berlin 1866-68 in 2 Bänden nebst einem Band Abbildungen auf 82 Tafeln. Vgl. O. Jahn, Eduard G., eine Lebensskizze (Berl. 1868); Reumont, Necrologia di Ed. G. (Flor. 1868).

Gerhardiner, s. v. w. Brüder des gemeinsamen Lebens (s. d.).

Gerhardsberg, s. Sankt Gerhardsberg.

Gerhardt, 1) Paul, der hervorragendste geistliche Liederdichter des 17. Jahrh., geb. 12. März 1607 zu Gräfenhainichen in Sachsen, wurde 1651 Propst zu Mittenwalde in der Mark und 1657 Diakonus an der Nikolaikirche zu Berlin. Als strenger Lutheraner eiferte er hier gegen die vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm angestrebte Union zwischen Lutheranern und Reformierten. Als er sich aber weigerte, dem Edikt vom 16. Sept. 1664, welches beiden Parteien die gegenseitigen Verunglimpfungen von der Kanzel herab verbot, Folge zu leisten, ward er 1666 aus dem Land gewiesen. Der Herzog Christian von Sachsen-Merseburg ernannte ihn 1669 zum Archidiakonus in Lübben, wo G. als Pastor 6. Juni 1676 starb. Von seinen 120 geistlichen Liedern (darunter: "Befiehl du deine Wege", "Nun ruhen alle Wälder", "O Haupt voll Blut und Wunden" etc., die in alle protestantischen Gesangbücher übergegangen sind) erschien die erste Ausgabe unter dem Titel: "Haus- und Kirchenlieder" (Berl. 1666; neu hrsg. von Ph. Wackernagel, 6. Aufl., Gütersl. 1875; von Bachmann, Berl. 1866; von Gödeke, Leipz. 1877, u. von Gerok, 3. Aufl., Stuttg. 1883). J. G. ^[Johann Georg] Ebeling gab "Melodien zu Gerhardts Liedern" (Berl. 1666), worunter sich auch das Lied "Befiehl du deine Wege" befindet, wonach die Sage, G. habe dasselbe, nachdem er des Landes verwiesen, gedichtet, in nichts zerfällt. Gerhardts Lieder gehören zu den schönsten Blüten der protestantischen Kirchenpoesie und zu den besten deutschen Dichtungen des 17. Jahrh. überhaupt. Seine warme Empfindung, sein gläubiger Schwung und die lebendige Fülle seines Ausdrucks erhoben sich gleichmäßig über die schwülstige Gelehrtenpoesie seiner Zeit. Vgl. Roth, Paul G. (2. Aufl., Lübben 1832); Langbecker, Paul Gerhardts Leben und Lie-^[folgende Seite]