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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Geruzez; Gervais; Gervasius; Gervex

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Geruzez - Gervex.

schaffenden Bausteine, ihre Breite nach der Anzahl der Arbeiter, welche wieder abhängig von der Stärke der aufzuführenden Wände ist. Je nachdem die G. solche für Maurer, Tüncher, Schieferdecker sind, erhalten sie verschiedene Konstruktion. Die Breite derselben bewegt sich zwischen ¾ und 2½ m. Bockgerüste von 2½-3 m Höhe, welche besonders im Innern der Gebäude angewendet werden, bestehen aus Rüstböcken, die mit Brettern belegt sind. Bei größern Höhen werden in Entfernungen von 2,5-3 m unbearbeitete Baumstämme von entsprechender Stärke in die Erde gegraben und gut verkeilt. An diese werden in den Höhen der einzelnen Stockwerke mittels angenagelter Knaggen und Klammern oder minder sicher mit Strängen und Würgknüppeln die Streichstangen oder Streckhölzer befestigt, welche parallel zur aufzuführenden Mauer laufen. Auf diesen liegen die vordern Enden der Schußriegel (Schoßriegel) oder Netzriegel, deren hintere Enden auf Mauerabsätzen, Gurtsimsen, Sohlbänken oder auch in Rüstlöchern ruhen und den aus Rüstbrettern bestehenden Fußboden tragen. Zur Vermehrung der Standsicherheit des Gerüstes werden die Rüstbäume sowie die Schußriegel nach der Gebäudemauer hin etwas geneigt. Vorzuziehen ist die Errichtung einer zweiten Reihe von Rüstbäumen dicht an der Mauer, weil sich dann die bei Handhabung großer Lasten unvermeidliche Erschütterung des Gerüstes der noch mörtelfeuchten und deshalb noch unfesten Mauer nicht mitteilen kann. Zum Verputzen oder zur Vornahme leichterer Reparaturen bedient man sich mit Vorteil der sogen. Fahrgerüste oder hangenden G., worauf die Arbeiter mit ihrem Arbeitsmaterial stehen. Sie bestehen in der Regel aus einem mit Geländern versehenen Fußboden von ca. ¾ m Breite und 2-3 m Länge, hängen in Seilen und Kloben und können mittels Flaschenzüge aufgezogen und niedergelassen werden. Diese G. müssen möglichst leicht, mit guten Sperrvorrichtungen versehen und an hinreichend starken, in der Regel aus den Dachfenstern herausgesteckten, im Innern genügend abgespreizten Hölzern aufgehängt sein. Zu Arbeiten, die sich bloß auf kurze Stücke einer Fassade erstrecken, und wo ein Fahrgerüst nicht gut anzubringen ist, stellt man schwebende oder fliegende G. her, indem man durch die Fenster oder auch durch Maueröffnungen Hölzer herausstreckt, im Innern abspreizt und äußerlich mit Brettern abdeckt. G. für hohe Türme, große Brücken und Viadukte bei Eisenbahnen werden besonders konstruiert, aus gezimmerten Hölzern förmlich abgebunden und deren Fußböden mit Geländer versehen. Auch diese G. dienen teils als Standort der Arbeiter, teils als Transportgerüste für Baumaterialien, teils als Vorrichtungen zum Versetzen der Steine. Ist letzteres ihr Hauptzweck, so nennt man sie Versetzgerüste (s. d.) und unterscheidet die festen und beweglichen Versetzgerüste. Über die G. zur Unterstützung von in Ausführung begriffenen Gewölben s. Lehrgerüste.

Geruzez (spr. scherüsähs oder -säh), Eugène, franz. Litterarhistoriker, geb. 6. Jan. 1799 zu Reims, wurde auf der Normalschule zu Paris gebildet, lehrte dann an verschiedenen Collèges und erhielt 1833 neben Villemain eine Professur der Litteratur an der Sorbonne, die er 19 Jahre lang mit Auszeichnung bekleidete, bis er (1852) zum Sekretär der Fakultät der Wissenschaften ernannt wurde. Er starb 29. Mai 1865 in Paris. G. schrieb außer einer Reihe verbreiteter Unterrichtsbücher: "Histoire de l'éloquence politique et religieuse en France au XIV., XV. et XVI. siècles" (1837-38, 2 Bde.); "Essais sur l'éloquence et la philosophie de saint Bernard" (1839), "Essais de littérature française" (1839, 4. Aufl. 1883); "Histoire de la littérature française depuis ses origines jusqu'à la Révolution" (1852; 15. Aufl. 1882, 2 Bde.), sein Hauptwerk, für welches er einen akademischen Preis erhielt, und an das sich die "Histoire de la littérature française pendant la Révolution" (6. Aufl. 1877) anschließt. Ein Band "Mélanges et pensées", mit Einleitung von Prévost-Paradol, erschien nach seinem Tod (1866).

Gervais (franz., spr. schärwäh), ein in Frankreich bereiteter Sahnenkäse, ähnlich dem fromage de Brie.

Gervais (spr. schärwäh), Paul, Zoolog, geb. 26. Sept. 1816 zu Paris, studierte daselbst Naturwissenschaft und Medizin, ward Hilfsarbeiter am Museum, 1841 Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie in Montpellier und 1865 Professor an der Sorbonne sowie später Professor der vergleichenden Anatomie am Pflanzengarten in Paris, wo er 10. Febr. 1879 starb. Er schrieb: "Histoire naturelle des insectes aptères" (Par. 1844-47, 2 Bde.); "Zoologie et paleóntologie françaises" (1848-53, 2. Aufl. 1859); "Histoire naturelle des mammifères" (1854-55, 2 Bde.); "Zoologie médicale" (1859, 2 Bde.); "De la métamorphose des organes et des générations alternantes" (1860); "De l'ancienneté de l'homme" (1865); "Zoologie et paléontologie générales" (1867 bis 1875); "Recherches sur l'ancienneté de l'homme et la période quaternaire" (1867); "Éléments de zoologie" (4. Aufl. 1885); "Cours élémentaire d'histoire naturelle" (4. Aufl. 1883, 2 Bde.); "Reptiles vivants et fossiles" (1869), sowie zahlreiche Artikel für das "Dictionnaire des sciences naturelles" und andre Sammelwerke.

Gervasius (G. von Tilbury, G. Tilberiensis), Historiograph, geboren um die Mitte des 12. Jahrh. in Essex, war 1177 beim Frieden von Venedig zugegen, lehrte dann kanonisches Recht in Bologna, wurde unter Kaiser Otto IV. Kanzler und Marschall des arelatischen Reichs, zuletzt Propst des Nonnenklosters Ebsdorf und starb um 1235. Er schrieb ein Anekdotenbuch für den englischen König Heinrich den jüngern, Heinrichs II. Sohn ("Liber facetiarum ad Heinricum regem juniorem", noch ungedruckt), und zur Unterhaltung Ottos IV. 1212 die "Otia imperialia", eine Sammlung der verschiedenartigsten merkwürdigen Dinge, auch geschichtlicher; nicht unwichtig ist darin eine Übersicht der Kaisergeschichte seit Karl d. Gr. Herausgegeben ist letztere von Leibniz in "Scriptores Brunsvicenses", I, 881-1004; II, 751-784; die Auszüge, welche Liebrecht herausgegeben (Hannov. 1856), enthalten das Historische nicht.

Gervex (spr. schärwäh), Henri, franz. Maler, geb. 1848 zu Paris, erlernte die Malerei unter Fromentin, Cabanel und Pierre Nicolas Brisset und debütierte im Salon von 1873 mit einer schlafenden Schönen nach dem Bade, welcher 1874 ein mit einer Bacchantin spielender Satyr (Museum des Luxembourg) und 1875 Diana und Endymion folgten. Im J. 1876 betrat er mit einer Totenschau im Hospital das Gebiet des modernen Realismus, auf welchem er mehr und mehr zum krassen Naturalismus fortschritt. Seine Hauptwerke dieses Genres sind: die Kommunion in der Trinitékirche (1877); die letzten Augenblicke Rollas nach A. de Musset, ein Gemälde, welches wegen seines unsittlichen Inhalts 1878 von der Weltausstellung ausgeschlossen wurde, und die dekorativen Gemälde für Pariser Mairien: die bürgerliche Trauung und das Kanalbecken von La Villette.