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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gespenstheuschrecken - Gessi.

den Ort ihrer Missethaten gebannt, "spukt" daselbst oder "geht um" und plagt die Bewohner. Diese Vorstellungen leiten dann zu den Erzählungen von Haus- und Poltergeistern (s. d.), von Burg- und Klostergespenstern, von den Irrlichtern, die als Seelen ungetaufter Kinder betrachtet werden, und den Feuermännern, nach der Volkssage ungetreue Feldmesser etc., über. Eine Menge andrer Nachtgestalten, wie der Alp und Vampir, die ebenfalls in traumhaften Zuständen ihre Veranlassung finden, schließen sich an. In der neuern Anschauung ist den Wiederkehrenden (franz. revenants) nur noch die Zeit von 12-1 Uhr Mitternacht als Sprechstunde angewiesen, obwohl die Sonntagskinder und Geisterseher auch zu andern Nachtstunden G. sehen. In der Poesie und leider auch in der Volks- und Erziehungslitteratur einen letzten Rückhalt findend, ist der Gespensterglaube in neuerer Zeit sehr in den Hintergrund getreten, obwohl eine neue Glaubensgenossenschaft ihr Lehrgebäude ganz auf den Mitteilungen Verstorbener aufbaut (vgl. Spiritismus). Über den Gespensterglauben des Altertums vgl. Scharbe, De geniis, manibus et laribus (Kasan u. Leipz. 1854); über die ethnologische Seite die ausführliche Darstellung des Animismus in Tylor, Anfänge der Kultur (a. d. Engl., das. 1873); über die physiologische und psychologische Seite Hibbert, Andeutungen zur Philosophie der Geistererscheinungen (Weim. 1825), und Carus Sterne, Naturgeschichte der G. (das. 1863). Vgl. Geisterseherei.

Gespenstheuschrecken (Phasmodĕa Burm.), Insektenfamilie aus der Ordnung der Geradflügler (Orthoptera), höchst bizarr gestaltete, fast ausschließlich auf die Tropen beschränkte Tiere mit meist stabförmigem Körper, auf Kosten des vordern vorherrschend entwickeltem Mittelbrustring, freiem, geneigtem Kopf, halbkugeligen Augen, fadenförmigen Fühlern, gleich gestalteten Beinen, oft mit lappenartigen Verbreiterungen, mit großen oder rudimentären Flügeln versehen oder gänzlich flügellos; träge, sich langsam und unsymmetrisch bewegende Tiere, welche sich meist des Nachts von Blättern nähren und durch ihre Gestalt Schutz gegen Feinde gewinnen, indem sie in der Ruhe dürren Zweigen oder Ästen, grünen oder trocknen Blättern täuschend ähnlich sehen. Im südlichen Europa kommen nur einige wenige flügellose Arten, sogen. Stabheuschrecken, wie Bacillus gallicus Fab. (s. Tafel "Mimikry"), von grünlicher oder bräunlicher Farbe und 5-8 cm Länge, vor, während es in den Tropen nahezu fußlange Arten gibt, wie Phasma gigas Fab., in Südamerika, welches an Körperlänge von keinem andern lebenden Insekt übertroffen wird. Das wandelnde Blatt (Phyllium siccifolium L., s. Tafel "Geradflügler"), in Ostindien, eine der auffallendsten Insektenformen, ahmt mit dem erweiterten Hinterleib und den Flügeldecken die Form eines Blattes nach, ist 9 cm lang, hellgrün, mit blattartig verbreiterten Schenkeln und Schienen.

Gesperr (Kette), die sich mit den Alten zusammenhaltenden Jungen des Auer-, Birk- und Haselwildes sowie der Fasanen. Bei den Rebhühnern und Wachteln heißen sie Kette (Volk), bei den Enten und Gänsen Schoof.

Gesperre, s. Sperrgetriebe.

Gespilderecht, s. Näherrecht.

Gespinstfasern, s. Spinnfasern.

Gespinstmotte (Schnauzenmotte, Hyponomeuta Latr.), Schmetterlingsgattung aus der Familie der Schaben (Tineina), mittelgroße Motten mit in ihrem Verlauf ziemlich gleich breiten, langen und schmalen, auf der Oberseite weißen, schwarz punktierten, auf der Unterseite dunkelgrauen Vorderflügeln und oben und unten einfarbig dunkelgrauen Hinterflügeln. Die schlanken, licht gefärbten, schwarz gefleckten Raupen sind sehr beweglich und leben gesellig in einem sehr klebrigen Gespinst an verschiedenen Bäumen und Sträuchern, deren Blätter sie innerhalb des Gespinstes abfressen, wobei sie nach Bedürfnis das Gespinst immer weiter ausdehnen. Innerhalb desselben verpuppen sie sich auch, jede Raupe im eignen Kokon. Sie werden häufig den Bäumen schädlich und müssen im Frühjahr, sobald sich die Gespinste zeigen, getötet werden. Man kann auch die Gespinste mit Seifenlauge bespritzen. Die Traubenkirschen-G. (Hyponomeuta padi Zell., H. evonymella H. Tr.), 25,5 mm breit, legt ihre Eier an die Knospen der Traubenkirsche (Prunus padus), und die im Herbst auskriechenden Raupen überwintern. Die veränderliche G. (H. variabilis Zell., H. padella L.), etwas kleiner, an der in der Mitte gelben, am Kopf, an der Spitze und an den Flügelscheiden schwarzbraunen Puppe leicht erkennbar, lebt an sehr vielen Pflanzen, auch an Obstbäumen; die Raupe überwintert in Gespinströhren zwischen Rindenrissen und in Zweiggabeln. Die Spindelbaum-G. (H. evonymella Scop., H. cognatella H. Tr.), 25,5 mm breit, lebt auf Pfaffenhütchen, Heckenkirschen, wie die vorigen Arten, und frißt die Blätter vollständig auf. Die Apfelbaum-G. (H. malinella Zell., s. Tafel "Schmetterlinge II"), der vorigen äußerst ähnlich, skelettiert die Blätter des Apfelbaums, überwintert als Raupe.

Gespinstpflanzen, die das Material zu Gespinsten, meist Pflanzenhaaren, Bastfasern, liefernden Pflanzen; s. Spinnfasern (mit Tafel "Spinnfaserpflanzen").

Gesponnenes Glas, s. Glasspinnerei.

Gespons, Bräutigam, Braut.

Geß, Wolfgang Friedrich, protestant. Theolog, geb. 27. Juli 1819 zu Kirchheim unter Teck (Württemberg), studierte seit 1837 in Tübingen, war seit 1841 Geistlicher in Württemberg, wurde 1850 theologischer Lehrer im Missionshaus zu Basel und Mitglied der Missionsdirektion. Nachdem er seit 1864 als ordentlicher Professor der Theologie in Göttingen und seit 1871 in gleicher Eigenschaft sowie als Mitglied des schlesischen Konsistoriums in Breslau gewirkt, wurde er 1880 zum Generalsuperintendenten der Provinz Posen ernannt, von welcher Stelle er jedoch 1885 zurücktrat. Unter seinen Schriften sind zu nennen: "Die Lehre von der Person Christi" (Bas. 1856); "Apologetische Beiträge" (mit Riggenbach, das. 1863); "Christi Person und Werk" (das. 1870-78, 2 Bde.).

Gessi (spr. dschessi), Romolo, ital. Afrikareisender, geb. 30. April 1829 zu Ravenna, trat ins österreichische Heer, das er aber infolge seiner Beteiligung am Aufstand von Venedig bald wieder verlassen mußte, kämpfte dann unter Schamyl gegen die Russen und tauchte später plötzlich als ägyptischer Offizier im Sudân auf, wo er im Auftrag von Gordon Pascha 1876 die noch unbekannte Strecke des Bahr el Dschebel zwischen Dufile und dem Mwutan aufnahm, welch letztern er zum erstenmal umfuhr. Im nächsten Jahr machte er mit Matteucci den vergeblichen Versuch, von Fadassi aus in die Gallaländer vorzudringen, und übernahm dann das Kommando zur Unterdrückung des von dem Sklavenhändler Suleiman Pascha im südlichen Dar Fur und im Gebiet des Bahr el Gazal erregten Aufstandes, der 1880 mit dem Tod jenes endigte. Zum Pascha und Gouverneur der Provinz Bahr el Gazal ernannt, war er unermüd-^[folgende Seite]