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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ghasni; Ghat; Ghats; Ghawasi; Ghazi; Ghazipur; Ghazir; Ghazzâli

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Ghasni - Ghazzâli.

Ghasni (engl. Ghuznee), feste Stadt im nordöstlichen Afghanistan, 135 km südöstlich von Kabul, auf einer von den Dscharabergen und der Narawalkette eingeschlossenen Ebene, in 2350 m Meereshöhe, am gleichnamigen Fluß, ist von einer Mauer umgeben, die Häuser von mehreren Stockwerken sind aus Lehm erbaut, in der Mitte liegt die Citadelle. Die 10,000 Köpfe starke Bevölkerung besteht aus Afghanen nebst einigen Hazara und Hindu, welche Handel mit Korn, Früchten und Krapp treiben. 4 km davon liegen die Trümmer des alten G., der ehemaligen glänzenden Hauptstadt der Ghasnawiden (s. d.), deren Eingang das einst von Mahmud entführte schöne Thor des Tempels von Somnath in Gudscharat schloß, welches die Engländer 1842 nach Agra brachten. - G. wird schon in der ältesten Geschichte des iranischen Volkes unter dem Namen Zabul als der Sitz der Herrscher von Seïstan genannt; jetzt ist es als Etappe auf dem Weg von Kabul nach Kandahar wichtig; von Indien führt ein bequemer Pfad den Gomalfluß aufwärts hierher. Die Engländer eroberten G. 1839 und 1841; in der Nähe der Stadt wurde 1868 die Entscheidungsschlacht geschlagen, welche den 4½jährigen Bürgerkrieg beendete und Schir Ali den Thron sicherte. Vom Januar bis 25. April 1880 standen englisch-indische Truppen vorübergehend in G. zur Sicherung der Besatzung von Kabul.

Ghat (Rhat), Oase in der nördlichen Sahara, im südwestlichen Fezzan, zwischen dem Tassiliplateau im W. und der Akakuskette im O., unter 24° 57' nördl. Br. und 10° 12' östl. L. v. Gr., 726 m ü. M., 915 km von Tripolis. Die Stadt G. ist von einer Mauer umgeben, durch deren vier Thore ebenso viele Straßen, den Richtungen der Windrose entsprechend, zu einem kleinen Platz in der Mitte führen. Etwa 800 m westlich liegt der ummauerte Ort Tunin, gegen S. das mauerlose Barakat. Die Oase hat 34 Quellen und 58 Brunnen, mehr als 70,000 Dattelpalmen; der Orangenbaum ist seit kurzem angepflanzt, die Produktion von Getreide genügt den Bedürfnissen aber nicht. G. verdankt seine kommerzielle Bedeutung seiner Lage; auf den Hauptmarktplatz, südlich von der Stadt, bringen Kaufleute aus Bornu und Haussa, Kauar und Aïr Sklaven, Elfenbein und Straußfedern, baumwollene Kleider, Lederarbeiten, Felle, aus Kauar Salz, aus Aïr Negerhirse, Sorghum, Weizen, von N. billige europäische Waren. Die Einwohner, ca. 4000, gehören vier Stämmen der Maschachen an, bekennen sich zum Islam, sind aber dabei strikte Monogamisten; die Frauen nehmen eine hervorragende Stellung ein. In G. starb E. v. Bary 1877.

Ghats ("Treppe"), die parallel der Ost- und Westküste Vorderindiens hinziehenden Gebirgswälle (daher Ost- und Westghats), die das innere Hochland umschließen und im S. in den Nilgiris ihre größte Höhe (2546 m) erreichen. Die Abhänge sind reich an wertvollem Nutzholz, und in den Thälern des Kurg- und Maissurlandes wurden die lohnendsten Kaffeepflanzungen angelegt; Eisenbahnen überschreiten das Gebirge von Bombay nach Madras einerseits und nach Allahabad anderseits in 545 m (Bhor Ghat) bis 560 m (Tal Ghat) Höhe. Die Westghats heißen bei den Anwohnern Sahyadri.

Ghawasi (Einzahl: Ghasieh), die im Orient herumziehenden Zigeuner, welche auf den öffentlichen Plätzen und in den Straßen größerer Städte ihre Tänze aufführen.

Ghazi (arab.), in den mohammedan. Ländern s. v. w. Glaubenskämpe, Krieger für die Sache des Islam. Diesen Titel pflegt jeder gegen die Ungläubigen kämpfende Sultan anzunehmen, derselbe wird auch verdienten Generalen (so Osman Pascha bei Plewna) verliehen. Ghaza, s. v. w. Krieg gegen Ungläubige, und von diesem das italienische Ghazzia; bei den Abendländern (da gh ein schnarrender Gurgellaut, ähnlich unserm r, ist) in Razzia (s. d.) übergegangen.

Ghazipur, Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts der Division Benares in den Nordwestprovinzen des britisch-ind. Reichs, am linken Ufer des Ganges, 102 km nordöstlich von Benares, mit schönem Palast aus dem 16. Jahrh., einem Denkmal des Lord Cornwallis und (1881) 32,885 Einw. Die Stadt ist ein Hauptplatz für die Darstellung von und den Handel mit Rosenwasser. - Der Distrikt G. ist 3815 qkm (62 QM.) groß mit (1881) 1,014,099 Einw., liefert reiche Ernten an Getreide, Opium u. a. und weist in zahlreichen kunstvoll gearbeiteten und mit Inschriften versehenen Monolithen merkwürdige Denkmäler einer vorchristlichen Hinduarchitektur auf.

Ghazir (Ghomel), Fluß im asiatisch-türk. Liwa Mosul, mündet in den Zab'ala (Nebenfluß des Tigris); er ist der durch die Schlacht von Gaugamela bekannte Fluß Bumados der Alten.

Ghazzâli (Alghazzâli), Abu Hâmid Mohammed ibn Mohammed, berühmter Theolog, Ethiker und skeptischer Philosoph der Araber, aus der Sekte der Schafiiten, geb. 1058 bei Tus in Chorasan, studierte erst hier, dann in Nischapur, erhielt schon mit 33 Jahren die Direktion der hohen Schule zu Bagdad, der Nizamijjah, unternahm die Pilgerfahrt nach Mekka und lehrte hintereinander zu Damaskus, Jerusalem und Alexandria. Nach Tus zurückgekehrt, widmete er sich ganz dem beschaulichen Leben der Sufi und schrieb eine Reihe von Werken über den Vorzug des Islam vor andern Religionen sowohl als vor der philosophischen Spekulation, unter denen das bekannteste: "Ihjâ-ulûm-addîn" ("Belebung der Religionswissenschaften"), 1861-62 in 4 Foliobänden zu Bulak gedruckt und mehrfach kommentiert ist. Später gründete er in Tus ein Kloster für Sufi, in dem er fortan, mystischen Betrachtungen geweiht, lebte. Er starb 1111. Am bedeutendsten unter seinen Schriften sind neben der genannten: der moralische Traktat "Ajjuha'l walad" (von Hammer-Purgstall herausgegeben und übersetzt, Wien 1838); "Al-munkidh", über den wahren Zustand der Dinge (Text mit französischer Übersetzung von Schmölders in dessen "Essai sur les écoles philosophiques chez les Arabes", Par. 1842), interessant durch das Bekenntnis des Verfassers, daß er nach dem Studium aller religiösen und philosophischen Systeme zum Skeptizismus gekommen sei; "Makâsid-alfalâsifa" ("Tendenzen der Philosophen") und "Tahâfut-alfalâsifa" ("Umsturz der Philosophen"), beide in hebräischen Übersetzungen auf der Pariser Bibliothek, ersteres in lateinischer Übersetzung publiziert unter dem Titel: "Logica et philosophia Algazelis Arabis" (Vened. 1504); ein andrer Moraltraktat: "Mîzân-alamal" (in der hebräischen Übersetzung des Rabbi Abraham ben Hasdai durch Goldenthal veröffentlicht als "Compendium doctrinae ethicae", Leipz. 1839); "Alwa sît", ein juristisches Werk; "Gute Lehren für Könige", ein ethisches, und "Anfang der rechten Leitung", ein paränetisches Werk, zunächst für Studierende geschrieben, denen der Verfasser die Vorzüge und den Nutzen der Wissenschaft darlegt; endlich "Ad-durrat al-fâchirat" ("Die kostbare Perle"), eine Darstellung der mohammedanischen Eschatologie (mit französischer Übersetzung hrsg. von Gautier, Genf 1878). Vgl. Munk, Mélanges de philosophie juive et