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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gheel; Ghega; Ghelen; Gheluwe; Gherardesca

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Gheel - Gherardesca.

arabe (Par. 1859); Gosche, Ghazzâlis Leben und Werke (in den "Abhandlungen der Berliner Akademie" 1858).

Gheel (Geel), Gemeinde in der belg. Provinz Antwerpen, Arrondissement Turnhout, an der Eisenbahn Antwerpen-M'Gladbach, mit 2 got. Kirchen (eine der heil. Dymphna geweiht), einem Collège, Fabriken für Leder, Tuch, Wachslichte, Holzschuhe etc. und (1885) 10,916 Einw. G. ist von alters her bekannt als "Irrenkolonie", indem im Ort und den umliegenden Gehöften ca. 1600 Irre untergebracht sind, die von den Einwohnern gegen Entschädigung gepflegt werden. Nur gefährliche Kranke sind in einer Irrenanstalt im Ort selbst untergebracht. Vgl. Rüedy, G., Beitrag zur Geschichte der praktischen Psychiatrie (Bern 1874); Duval, G. ou une colonie d'aliénés (Par. 1867); Peeters, Loi et règlements sur les établissements d'aliénés de G. (Brüss. 1879).

Ghega, Karl, Ritter von, Ingenieur, geb. 13. Juni 1802 zu Venedig, bildete sich am Militärkollegium zu St. Anna in Venedig, dann auf der Universität zu Padua, ward 1819 bei der Ausführung der großen Gebirgsstraße in der Provinz Belluno verwendet, leitete 1824 die Straßen- und Wasserbauten in der Provinz Treviso und 1830-33 in der Provinz Rovigo und war bis 1836 dem hydraulischen Departement bei der Landesbaudirektion in Venedig zugeteilt. Die hydraulischen Bauten an der Oberpiave in Corneleco (Provinz Belluno), mehrere Straßen, die großen hydraulischen Werke am untern Po u. a. wurden von ihm damals ausgeführt. 1840 zum Baudirektionsadjunkten für Tirol befördert, entwarf er daselbst die Pläne für die Gebirgsstraße durch das Val Sugana, dann für die im Oberinnthal beim Finstermünzer Paß und das Projekt der Kettenbrücke über die Etsch bei More. 1848 leitete er als Generaldirektionsinspektor den Bau der Südbahn bis Laibach und arbeitete nach einer Studienreise in den Vereinigten Staaten das Riesenprojekt der Überschreitung des Semmeringgebirges mittels einer Lokomotivbahn aus. Er schrieb eine "Übersicht über die Hauptfortschritte des Eisenbahnwesens von 1840 bis 1850" (3. Aufl., Wien 1853) und erfand zwei geodätische Instrumente, eine verbesserte Nivellierplatte und einen Oktanten mit Nonius zur Aussteckung von Kurven. 1848 ward er zum Sektionsrat im Ministerium für öffentliche Bauten, 1849 zum Vorstand der Eisenbahnbausektion und 1850 zum Vorstand der Generalbaudirektion für die Staatseisenbahnbauten ernannt. G. starb 14. März 1860 in Wien.

Ghelen, van, Buchdruckerfamilie, aus Westfalen stammend, wanderte frühzeitig nach Antwerpen aus, wo zwischen 1520 und 1528 Hans van G. als Buchdrucker, dessen Sohn Johann aber auf zwei von ihm 1555 und 1560 gedruckten Werken als "geschworner Buchdrucker des Kaisers Karl V.", d. h. als Hofbuchdrucker, genannt wird. Drei Brüder desselben, Joseph, Jakob und Jeremias, waren ebenfalls Buchdrucker, und ein Sohn des letztern, Jakob, wurde Vater Johanns, des Ahnherrn des Wiener Geschlechts van G. Letzterer hatte nach Vollendung seiner Studien sich ebenfalls der Buchdruckerkunst zugewandt, war nach Deutschland gegangen und in Wien in das Geschäft Hacques, des Universitätsbuchdruckers, eingetreten, welches er nach dessen Tod käuflich erwarb. Seine großen Sprachkenntnisse (er war sieben Sprachen mächtig) und seine Tüchtigkeit als Buchdrucker verhalfen ihm 1678 zur Stelle eines Universitätsbuchdruckers, Kaiser Leopold I. ernannte ihn auch zu seinem italienischen Hofbuchdrucker und verlieh ihm ein Privilegium zur Herausgabe "der lateinischen und welschen Zeitungen"; 1703 gab G. unter dem Titel: "Wiener Diarium" die erste regelmäßig erscheinende Zeitung in Wien heraus, nachdem er schon seit 1690 in zwanglosen Heften eine Art politischen Tagebuchs herausgegeben hatte. Ersteres ist die noch heute erscheinende amtliche "Wiener Zeitung". G. starb 13. Juni 1721. Sein Geschäft wurde von seinem Sohn Johann Peter weitergeführt, dem die Kaiserin Maria Theresia den erblichen Adel verlieh. Seit dem Erlöschen des Mannesstamms beim Tod Jakobs, Edlen v. G., nahm das Geschäft die Firma "Ghelensche Erben" an, sank aber nach und nach von seiner alten Höhe herab und ging schließlich, tief verschuldet, in andre Hände über.

Gheluwe, Dorf in der belg. Provinz Westflandern, Arrondissement Ypern, mit Leinen- und Spitzenindustrie, Fabrikation von Messingwaren und (1885) 4604 Einw.

Gherardesca, berühmte toscan. Adelsfamilie, besaß die Grafschaften Gherardesca, Donoratico und Montescudaio in den Maremmen zwischen Pisa und Piombino und spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der italienischen Freistaaten des Mittelalters. Im Anfang des 13. Jahrh. schlossen sich die Grafen von G. an die Republik Pisa an, wo sie die Sache des Volkes vertraten. Da sie im Kampf der Guelfen und Ghibellinen auf seiten der letztern standen, wie denn zwei Glieder der Familie, die Grafen Gherardo und Galvano Donoratico G., Konradin auf seinem Zug nach Neapel folgten und mit ihm auf dem Blutgerüst starben, so gerieten sie mit den Visconti, den Häuptern der Guelfen, in Streit, worüber ganz Pisa in zwei Parteien sich spaltete. Um seiner Gegner Herr zu werden, faßte Ugolino G. den Plan, sich der unumschränkten Gewalt über seine Vaterstadt Pisa zu bemächtigen; er ward jedoch, als der Plan entdeckt wurde, ins Gefängnis gesetzt und sodann verbannt. Er vereinigte sich nun mit den Florentinern und Lucchesen, erfocht mehrere Siege über die Pisaner und nötigte dadurch 1276 seine Landsleute, ihn zurückzurufen. Nun nahm er seine ehrgeizigen Pläne wieder auf: in dem 1282 zwischen Pisa und Genua ausgebrochenen Krieg veranlaßte er absichtlich in der Schlacht bei der Insel Molara 6. Aug. 1284 die Vernichtung der pisanischen Flotte, damit das bedrängte Pisa, gegen welches sich nun auch viele feindliche Städte erhoben, sich genötigt sehe, ihn an seine Spitze zu stellen. Längst mit den Guelfen im Einverständnis, übernahm G. nun die Verhandlungen mit den Feinden, ließ sich zum Generalkapitän der Republik ernennen und brachte wirklich den Frieden zu stande. Nur mit Genua setzte er den Krieg fort, um die dort in Gefangenschaft befindlichen Pisaner nicht heimkehren zu lassen; zudem wurden alle persönlichen Feinde Gherardescas und alle Häupter der Ghibellinen aus der Stadt verbannt und die Häuser der erstern dem Erdboden gleich gemacht. Indessen riefen Gherardescas Gewaltthaten endlich einen Aufstand hervor, an dessen Spitze der Erzbischof Ruggiero Ubaldini stand. G. ward im Juli 1288 im Stadthaus belagert und nach hartnäckiger Gegenwehr mit zweien seiner Söhne, Gadda und Uguccione, und zweien seiner Enkel, Nino, genannt le Brigata, und Aurelio Nuncio, gefangen genommen. Ubaldini ließ sie sämtlich in dem Turm von Gualandi, seitdem Torre di fame (Hungerturm) genannt, den Hungertod erleiden. Dieses Ende Gherardescas und der Seinigen schilderte zuerst Dante in seiner "Divina Commedia" auf ergreifende Weise; nach ihm haben Gerstenberg in seinem dramatischen Gedicht "Ugolino" und andre