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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ghisi; Ghislanzoni; Ghizeh; Ghomel; Ghor; Ghûl; Ghuria; Ghyczy

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Ghisi - Ghyczy.

2) Ridolfo, ital. Maler, Sohn des vorigen, geb. 4. Febr. 1483 zu Florenz, war anfangs Schüler seines Vaters, dann seines Oheims Davide G. und wahrscheinlich von Francesco Granacci. Die Reife seines Stils erreichte er jedoch erst unter der Leitung des Fra Bartolommeo, wozu später noch der Einfluß Raffaels kam, mit welchem er befreundet war. Diejenigen Gemälde, welche den Charakter dieser beiden Meister tragen, sind seine besten. Es sind unter andern: die Verehrung des Christkindes (Berlin, Museum), die Anbetung der Hirten (1510, Pest, Landesgalerie), Himmelfahrt Mariä (Prato, Dom), zwei Vorgänge aus dem Leben des heil. Zenobius (Florenz, Uffizien). Früher entstanden: der Zug Christi mit den Marien nach Golgatha (Florenz, Pal. Antinori) und die Krönung der Maria (1504, Paris, Louvre). Unter den Arbeiten seiner spätern Zeit sind eine Pietà (1521, Colle di Val d'Elsa) und ein Abendmahl in Fresko (1543, Florenz, Angelikloster) hervorzuheben. Er starb 6. Juni 1561 in Florenz.

Ghisi, 1) Giorgio, ital. Kupferstecher, geb. 1520 zu Mantua, bildete sich wahrscheinlich bei Agostino Veneziano, ging im Alter von 20 Jahren nach Rom, stach dort die Propheten, Sibyllen und das Jüngste Gericht nach Michelangelo und beschäftigte sich nebenbei auch mit Tauschierarbeiten und Damaszierungen. Verschiedene Arbeiten letzterer Art gehen unter seinem Namen, unter andern ein Schild von 1554, welcher auf der Versteigerung der Sammlung Donato mit 160,000 Frank bezahlt wurde. Später ging er nach Frankreich, wo er hauptsächlich nach Primaticcios Malereien in Fontainebleau stach, und von da um 1550 nach den Niederlanden. Im J. 1556 erscheint er wieder in Frankreich, dann in Italien und starb 15. Dez. 1582 zu Mantua. G. war einer der ersten Stecher Italiens; seine ersten Blätter sind noch frei, die spätern aber mit der größten Sorgsamkeit behandelt. Seine Zeichnung ist überaus trefflich. Er stach auch nach Raffael, Giulio Romano, Perino del Vaga und Correggio sowie Blätter nach eignen Erfindungen.

2) Giovanni Battista, Adamo und Diana, s. Sculptore.

Ghislanzoni, Antonio, ital. Schriftsteller, geb. 1824 zu Lecco, studierte Medizin, gab aber sein Studium auf, um Bühnensänger zu werden, redigierte 1848 in Mailand mehrere radikale Zeitungen, mußte infolgedessen nach der Rückkehr der Österreicher entweichen, fiel darauf den Rom belagernden Franzosen in die Hände und wurde nach Corsica gebracht, von wo er sich nach seiner Freilassung nach Paris begab, um 1851 am Théâtre des Italiens seine Bühnenthätigkeit wieder aufzunehmen. Da er jedoch nach drei Jahren seine Stimme verlor, kehrte er nach Italien zurück; wo er seitdem als Schriftsteller lebt. Er war 1857 Mitbegründer der humoristischen Zeitschrift "L'uomo di pietra", redigierte auch lange Zeit die "Rivista minima", die er fast allein schrieb, und gab später in Lecco das "Giornale capriccio" heraus. Von seinen zahlreichen Schriften nennen wir: "Gli artisti da teatro", Roman (Mail. 1865); "Giovanni di Napoli", lyrisches Drama (das. 1869); "Scritti piacevoli" (das. 1869-72, 13 Bde.); "Capricci letterari" (das. 1870); "Le donne brutte", komischer Roman (2. Aufl., das. 1870, 2 Bde.); "Gli artisti alla fiera" (Tur. 1872); "Libro proibito" (5. Aufl., Mail. 1879); "Libro allegro" und "Libro serio" (das. 1879); "La moda nell' arte", Lustspiel (das. 1881); "Melodie per canto" (das. 1881); "Libro bizzarro" (das. 1882); "Nuovi racconti da ridere" (das. 1882); "Abrakadabra" (neue Ausg., das. 1884) etc.

Ghizeh, s. Gizeh.

Ghomel, Fluß, s. Ghazir.

Ghor (arab., "Senkung"), das Jordanthal vom See Genezareth bis zum Toten Meer, bildet die tiefste Depression (am Toten Meer 394 m unter dem Meeresspiegel), die man auf der Erde kennt. Es ist 7-15 km breit, wird nur stellenweise von Beduinen und Fellahs bebaut, ist infolge seiner tiefen Lage sehr heiß und besitzt darum eine der indischen sehr ähnliche Vegetation. Vgl. Jordan.

Ghor (Paropamisus bei den Alten, Ghur bei den mohammedan. Geographen, Gharschistan im Mittelalter), der gebirgige Landstrich im S. von Herat, an den Südabhängen des Sija Koh. In der Geschichte der Afghanen nimmt dieses Gebiet eine hervorragende Stellung ein. Auf Anregung von Schahab eddin Mohammed (auch Muiz oder Mocz eddin, 1193-1206) wanderten die in G. angesiedelten Afghanen nach Ghasni aus, stürzten die Ghasnawiden (s. d.) und wandten sich nun gegen die indischen Reiche. In den sieben ersten Treffen gegen Prithviradscha, König von Dehli, besiegt, überwanden sie ihn 1193 in der achten Schlacht und herrschten geraume Zeit über Afghanistan, Lahor, Sind und Chorasan. Erst die Mogulkaiser machten am Ausgang des 15. Jahrh. der Dynastie der Ghorsultane ein Ende. Seit 1845 gehört G. zum Gebiet von Herat.

Ghûl (Ghôl), bei den alten Iraniern ein böser Geist, der in den Einöden haust und unter verschiedenen Gestalten Menschen und Tiere überfällt und verschlingt; erinnert an den Werwolf der Germanen etc.

Ghuria (Ghuriel), s. Gurien.

Ghyczy (spr. ghitzi), Koloman von, ungar. Minister, geb. 2. Febr. 1808 zu Komorn, studierte die Rechtswissenschaft, wurde 1830 zum Herrschaftsadvokaten an der königlichen Besitzung Ráczkeve (im Pester Komitat), 1833 zum ersten Vizenotar des Komorner Komitats mit dem Titel eines Obernotars, 1839 zum Komitatsobernotar ernannt. 1843 zum Mitglied des Reichstags gewählt, zeigte er große Geschäftsgewandtheit. Zugleich wurde er zum ersten Vizegespan seines Komitats gewählt, 1847 zum Protonotar an der königlichen Tafel und darauf zum Protonotar (ordentlichen Richter) an der Septemviraltafel, dem obersten Gerichtshof des Landes, befördert. 1848 ward er Unterstaatssekretär des Justizministers Deák. Auch wurde er vom Komorner Komitat zum Mitglied des Reichstags von 1848 wieder gewählt. Nach dem Rücktritt Deáks (September) stand G. an der Spitze des Justizministeriums. Als der Reichstag im Dezember den Krieg mit Österreich aufnahm, zog er sich ins Privatleben zurück. 1861 vom Komorner Komitat wieder ins Abgeordnetenhaus gewählt, wurde er Präsident desselben und Führer der Linken. Bei den Ausgleichsverhandlungen mit Österreich verfocht er die reine Personalunion, suchte 1867 als Mitglied der Delegation die Quote Ungarns für das gemeinsame Budget so niedrig wie möglich festzustellen, hielt sich aber seit dem Ausgleich selbst zur Opposition und von den Delegationen fern. Erst 1873, als die Deáksche Partei sich auflöste, bildete er eine Mittelpartei, die sich auf den Standpunkt des Ausgleichs stellte. Als im März 1874 das Ministerium Szlávy seine Entlassung nahm und der Präsident des Unterhauses, Bitto; mit Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt wurde, übertrug er G. das Finanzministerium. Am 28. Okt. legte G. dem Unterhaus das Budget für 1875 vor und verlangte zur Deckung des 28 Mill. Gulden betragenden Defizits einen Zuschlag von 25 Proz. zu sämtlichen Steuern