Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gianibelli; Gianni; Giannōne; Giannūtri; Giant's Causeway; Giant's Dance; Giarre; Giarretta; Giaur; Giavēno; Gibbar

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Gianibelli - Gibbar.

veri dell' uomo e del cittadino" (das. 1863); "Iscrizioni" (das. 1868); "La Marchesa Marianna Florenzi Waddington" (Perugia 1870); "Francesco Petrarca precursore e iniziatore de rinascimento" (das. 1874); "I martiri della libertà a Perugia" (Bolog. 1875); "Il concetto dell' unità politica nei poeti italiani" (Perugia 1876); "Raffaello" (das. 1878) u. a.

Gianibelli (spr. dscha-, Giambelli), Federigo, Kriegsbaumeister, geboren zu Mantua, diente als Kriegsbaumeister in Italien und bot später dem König Philipp II. von Spanien seine Dienste an; unter leeren Versprechungen hingehalten, ließ er sich als Physiker und Mechaniker zu Antwerpen nieder. Als 1584 der Herzog von Parma Antwerpen mit einer Belagerung bedrohte, wurde sein Plan einer Verproviantierung der Stadt verworfen. Seine Versuche zur Sprengung der 1585 vom Herzog von Parma über die Scheide geschlagenen Brücke erreichten nur teilweise ihren Zweck, da nur eins der mit einer Höllenmaschine versehenen Schiffe die Brücke in der Nacht vom 4. zum 5. April erreichte und teilweise zerstörte. Als man 17. Aug. wegen Übergabe der Stadt zu unterhandeln begann, ging G. nach England, wo er bis 1588 die Küste von Greenwich und einige andre Punkte befestigte. Gegen die große Armada rüstete er acht Brander aus, die in der Nacht vom 7. zum 8. Aug. gegen die feindliche Flotte auf der Höhe von Dünkirchen losgelassen wurden. Als die Spanier sie erblickten, riefen sie verzweifelnd: "Antwerpener Feuer!" und flohen. Gianibellis ferneres Schicksal ist unbekannt. Er starb in London, nach andern beim Kampf in Antwerpen.

Gianni (spr. dschanni), Francesco, ital. Improvisator, geb. 1760 zu Rom, war ursprünglich seines Zeichens ein Schneider, verriet aber frühzeitig ein bedeutendes Talent zum Versemachen und trat, nachdem er dasselbe hinlänglich ausgebildet, zuerst in Genua und Mailand öffentlich als Improvisator auf. Bald verbreitete sich sein Ruf über die ganze Halbinsel, und Napoleon I., dessen Siege in Italien G. enthusiastisch feierte, ernannte ihn zum Mitglied des Gesetzgebenden Rats der Cisalpinischen Republik sowie später zu seinem Hofimprovisator mit einem Gehalt von 6000 Frank. G. lebte seitdem in Paris, wo er durch seine Improvisationen ebenfalls großes Aufsehen erregte und 17. Nov. 1822 starb. Sammlungen seiner "Poesie" erschienen zu Mailand (1807, 5 Bde.) und Florenz (1827, 3 Bde.).

Giannōne (spr. dschan-), 1) Pietro, ital. Schriftsteller, geb. 7. Mai 1676 zu Ischitella in der Provinz Capitanata, erhielt zu Neapel im Haus des Rechtsgelehrten Gaetano Argento seine Bildung und faßte hier den Plan zu seiner berühmten "Storia civile del regno di Napoli" (Neap. 1723, 4 Bde., und 1770, 7 Bde.; neue Ausg., Mail. 1823 f., 14 Bde.), an der er 20 Jahre arbeitete. Die Schärfe, mit welcher er in diesem Werk das Strebendes römischen Hofs und das Treibender Geistlichkeit überhaupt beleuchtete, zogen ihm Verfolgungen von seiten des Klerus zu. Vom Erzbischof exkommuniziert, sah er sich 1723 genötigt, Neapel zu verlassen und in Wien eine Zufluchtsstätte zu suchen, wo er von Kaiser Karl VI. eine Pension erhielt. 1734 verlor er seine Pension und mußte auch Wien verlassen. Er begab sich nach Venedig; bald aber faßte auch die dortige Regierung Verdacht gegen seine politischen Ansichten, den selbst seine zu gunsten der Seeherrschaft Venedigs über das Adriatische Meer herausgegebene "Lettera intorno al dominio del mare adriatico etc." nicht zu zerstreuen vermochte. In der Nacht des 23. Sept. 1735 wurde er von Sbirren über die Grenze gebracht, nahm nun den Namen Antonio Rinaldo an und begab sich nach Genf, wo er ausgezeichnete Aufnahme fand und seine Schrift "Il triregno, ossia del regno del cielo, della terra e del papa" vollendete. Durch einen falschen Freund nach einem savoyischen Dorf gelockt, ward er hier verhaftet und erst auf das Schloß Miolan, von da in das Fort von Ceva und endlich auf die Citadelle von Turin gebracht, wo er 7. März 1748 starb. Nach seinem Tod erschienen von ihm: "Opere postume" (Laus. 1760; vermehrt, Vened. 1768, 2. Bde.), aus denen die schärfsten Stellen gegen die römische Geistlichkeit schon vorher als "Anecdotes ecclésiastiques" (Haag 1738) erschienen waren, und neuerdings "Opere inedite" (hrsg. von Mancini, Tur. 1859, 2 Bde.), enthaltend: "Discorsi storici e politici sopra gli Annali di Tito Livio" und "La chiesa sotto il pontificato di Gregorio il grande".

2) Pietro, ital. Dichter, geb. 1790 zu Campo Santo bei Modena, diente seit 1809 im Heer Napoleons I., trat nach dessen Sturz in Rom mit Erfolg als Improvisator auf, zog sich aber durch seine politischen Ansichten Verfolgungen und längere Haft zu. Später lebte er in Paris, seit 1848 in Florenz, wo er 24. Dez. 1873 starb. Unter seinen durch glühenden Patriotismus ausgezeichneten Dichtungen verdienen "L'esule" (Par. 1829) und "La visione" (das. 1833) besondere Erwähnung.

Giannūtri (spr. dschan-), kleiner, unbewohnter Inselfelsen im Tyrrhenischen Meer, südlich vom Monte Argentario, zum Toscanischen Archipel und zur italienischen Provinz Grosseto gehörig.

Giant's Causeway (spr. dschēī-ents káhs'wē, Riesendamm), bemerkenswerte Basaltbildung an der malerischen Nordküste der irischen Grafschaft Antrim, bestehend aus etwa 40,000 Basaltsäulen, welche einen 90 m breiten, etwa 260 m weit sich ins Meer erstreckenden Damm bilden. Die Säulen haben 10-60 cm im Durchmesser, sind meist fünf- und sechseckig und zerfallen durch Querklüfte, deren Flächen bald eben, bald kugelig gewölbt oder ausgehöhlt sind, in größere und kleinere Abschnitte oder Glieder (20-60 cm hoch), welche die Täuschung eines künstlichen Baues noch vermehren.

Giant's Dance (engl., spr. dschēī-ents dänns, Riesentanz, auch Riesenreise), Volksbezeichnung für eine Steinsäule in der Ebene von Kildare in der Nähe des Schlosses Raas auf Irland, welche von Riesen aus einer fernen Gegend Afrikas nach Irland gebracht und dort aufgetürmt sein sollte. Auch Stonehenge (s. d.) wurde vom Volk so genannt.

Giarre (spr. dscha-), Stadt in der ital. Provinz Catania (Sizilien), Kreis Aci reale, an der Eisenbahn Messina-Syrakus, hat vortrefflichen Weinbau und (1881) 7819 Einw. Westlich von G. im Walde del Carpineto, am Hang des Ätna, berühmte tausendjährige Kastanienbäume von riesigem Umfang.

Giarretta (spr. dscha-, Simeto), der größte Fluß auf der Insel Sizilien, entspringt im Madoniagebirge, fließt in südöstlicher Richtung, den Ätna im W. und S, begrenzend, empfängt links die Gabella, rechts den Salso, Dittaino und die Garalonga und mündet nach einem Laufe von 148 km südlich von Catania ins Ionische Meer.

Giaur, s. Gjaur.

Giavēno (spr. dschaw-), Flecken in der ital. Provinz Turin, Kreis Susa, am Sangone, hat ein altes Kastell, (1881) 5692 Einw., Seidenspinnerei, Töpferei, Weinbau, Handel und ein Gymnasium.

Gibbar, s. Finnfisch.