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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Giuliāri; Giulio Romano

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Giuliari - Giulio Romano.

Revolutionsjahre nahm er lebhaften Anteil: Seit 1860 als Professor der Litteratur und Erklärer der Werke Dantes am Istituto degli studj superiori zu Florenz angestellt, starb er im Januar 1884 daselbst. Von seinen meist der Erklärung der Werke Dantes gewidmeten Schriften sind hervorzuheben: "Saggio di un nuovo commento della Commedia di Dante" (Genua 1845); "Alcune prose" (Savona 1851); "Le norme di commentare la Divina Commedia" (1856); "Metodo di commentare la Divina Commedia" (2. Aufl., Flor. 1861); "Delle benemerenze di Dante verso l'Italia e la civiltà" (das. 1860); "La Vita nuova e il Canzoniere di Dante" (3. Aufl., das. 1883); "Il Convito di Dante reintegrato nel testo con nuovi commenti" (das. 1874, 2 Bde.); "Opere latine di Dante reintegrate nel testo con nuovi commenti" (das. 1878-82, 2 Bde.); "La Commedia di Dante raffermata nel testo giusta la razione critica e l'arte dell' autore" (das. 1879). Von seinem Hauptwerk, dem Kommentar zu Dantes "Commedia", sind bis jetzt nur Proben in Zeitschriften (auch im "Jahrbuch der Deutschen Dantegesellschaft") erschienen. Noch sind seine berühmten "Lettere sul vivente linguaggio della Toscana" (Turin 1858; 3. Aufl., Flor. 1865) und das derselben Richtung angehörige Werk "Moralità e poesia del vivente linguaggio toscano" (Bologna 1869; 3. Aufl., Flor. 1873), das einen außerordentlichen Erfolg hatte, sowie "Arte, patria e religione" (das. 1870) zu erwähnen.

Giuliāri (spr. dschu-), Giambattista Carlo, Graf, ital. Gelehrter, geb. 24. April 1810 zu Verona, studierte von 1830 an in Rom, sodann aus dem Seminar seiner Vaterstadt Theologie und ist seit 1856 Kanonikus an der Kathedrale daselbst; 1867 wurde er zum Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften ernannt. Von seinen zahlreichen Schriften, die sich vorwiegend auf Verona und dessen Geschichte beziehen, nennen wir: "La biblioteca veronese" (Verona 1858); "Memoria bibliografica Dantesca" (das. 1865); "Sopra un codice di rime stimate inedite dell' Alighieri" (Flor. 1865); "Cinque discorsi dell' Alighieri dalla sua statua in Verona" (Verona 1865-68); "Degli studii di filologia comparata" (das. 1866); "Colpo d'occhio sulle biblioteche in Italia" (Flor. 1867); "Trattato di ritmi volgari di Gidino da Sommacampagna" (Bologna 1870); "Il libro di Theodolo" (das. 1870); "Delle emigrazioni letterarie italiane" (Genf 1871); "Verona e la sua provincia" (das. 1871); "Bibliografia del dialetto veronese" (Bolog. 1872); "Storia della musica sacra in Verona" (Flor. 1874-79, 2 Tle.); "Della letteratura veronese etc." (Bolog. 1876); "Francesco Petrarca e la sua scoperta dell' epistole di M. T. Cicerone in Verona" (Flor. 1876); "Diplomi imperiali recentemente scoperti" (Vened. 1879); "Monumenti per la storia veronese" (Verona 1880); "La conversione di San Paolo ed il suo apostolato" (das. 1881); "Istoria monumentale, letteraria, paleografica della biblioteca capitolare di Verona" (Vened. 1882) etc.

Giulio Romano (spr. dschu-), eigentlich Giulio Pippi, ital. Maler und Architekt, geb. 1492 zu Rom, der hervorragendste von Raffaels Schülern, dem jedoch die Grazie und Keuschheit seines Lehrers fehlte. Er war derber angelegt und fühlte sich deshalb später mehr zu Michelangelo hingezogen. Seine Zeichnung ist durchaus korrekt, die Komposition jedoch häufig übertrieben und ohne Haltung. Für religiöse Gegenstände mangelte es ihm an Begeisterung; viel besser gelangen ihm Gegenstände aus der Antike. Sein Kolorit ist nicht ohne eine gewisse Härte in dem rötlichen Fleischton und in den Schatten. Giulios erste Thätigkeit in Rom fällt mit der Raffaels zusammen. So malte er in der Stanza dell' Incendio, in der Farnesina und der Sala di Costantino nach Raffaels Karton die Schlacht des Konstantin bei der Milvischen Brücke. Auch führte er die Oberaufsicht bei der Ausführung der biblischen Szenen in den vatikanischen Loggien, wozu Raffael die Zeichnungen gefertigt hatte. Von G. selbst ist die Erschaffung der Welt, die Geschichte des ersten Menschen, die Geschichte Noahs und Josephs gemalt. Auch führte er mehrere der bei Raffael bestellten Tafelbilder, namentlich für das Ausland, nach des Meisters Entwürfen aus und vollendete dessen Verklärung Christi. Ölbilder aus dieser Periode sind von ihm die Madonna col divino amore und die Madonna della gatta (mit der Katze), beide im Museum zu Neapel. Nach Raffaels Tod lebte G. noch einige Jahre zu Rom, in der Malerei und in der Baukunst beschäftigt. In diese Zeit gehören einige Freskomalereien mythologischen und historischen Inhalts, mit welchen er die von ihm erbaute Villa Lante und die Villa Madama ausschmückte. Bedeutender ist ein Altargemälde, welches G. für San Stefano in Genua ausführte, das Märtyrertum des heil. Stephan. In die erste Zeit von Giulio Romanos Selbständigkeit gehört wohl auch eine heilige Familie in der Dresdener Galerie mit dem Kind in der Badeschüssel, eine seiner liebenswürdigsten Schöpfungen. Aus früherer Zeit scheinen folgende Bilder Giulio Romanos herzurühren: in San Prassede zu Rom die Geißelung; in der Sakristei der St. Peterskirche zu Rom eine Madonna mit dem Kind; in der Kirche dell' Anima daselbst das große Altarbild und in Trinità de' Monti Christus als Gärtner; im Belvedere zu Wien eine heilige Familie mit fünf lebensgroßen Figuren und das lebensgroße Kniestück einer Madonna mit dem Buch in der Hand; in der Galerie zu Dresden Pan mit der Rohrpfeife, als junger Hirt neben dem Satyr sitzend; im Louvre zu Paris: die Anbetung der Hirten; Maria mit dem Kind und dem kleinen Johannes; der Triumph des Titus und Vespasian über Judäa; Vulkan, die Pfeile des Amor schmiedend (Karton); Giulio Romanos Selbstbildnis; in der Nationalgalerie zu London eine kleine Charitas; in der Bridgewatergalerie die erwachte Juno, wie sie den saugenden Herkules von ihrer Brust reißt; in Hamptoncourt drei Kompositionen: der kleine Jupiter, an der Ziege Amalthea saugend; Jupiter und Juno im Begriff, den Götterthron einzunehmen, und die Geburt Dianas und Apollos. In den nächsten Jahren nach Raffaels Tod galt G. als der vorzüglichste italienische Künstler. Der Herzog Federigo Gonzaga von Mantua berief ihn 1524 zu sich und ernannte ihn zum Direktor der Wasserbauten und zum Oberintendanten der Gebäude. In Mantua war G. 22 Jahre lang thätig. Er erbaute ganze Quartiere und Straßen und gab der Stadt ein völlig neues Ansehen. Das herzogliche Schloß hat er fast ganz umgebaut und mit Fresken dekoriert. In einem Saal malte er die ganze Geschichte des Trojanischen Kriegs in Fresko und in einem Vorzimmer zwölf historische Bilder in Öl. Zu Marmiriulo bei Mantua baute er auf Befehl des Herzogs einen neuen Palast und zierte ihn mit Gemälden. Sein Hauptwerk ist der Palazzo del Te, in dessen Innerm er in mythologischen und historischen Kompositionen den ganzen Reichtum seiner Kunst aufbot. Bekannt sind besonders zwei Zimmer dieses Palastes, das eine mit dem Sturz der Giganten, das andre