Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Giunta; Giura; Giurgewo; Giusti

370

Giunta - Giusti.

mit den Liebesgeschichten der Götter, in welchen Darstellungen G. seiner kühnen Phantasie den freiesten Spielraum gelassen und die barocksten Ausschweifungen und Geschmacklosigkeiten begangen hat. Diese Kompositionen übten auf spätere Künstler einen großen, aber verderblichen Einfluß aus. G. hat auch mehrere Kirchen teils hergestellt, teils verschönert. Hierher gehört die große Benediktinerkirche am Po, welche er auf den alten Mauern wieder erstehen und nach seinen Kartons mit Gemälden ausschmücken ließ, sowie die Restauration des Doms in Mantua. Für den Herzog von Ferrara entwarf er Zeichnungen zu Tapeten. Im Hause seines Freundes, des Domorganisten Girolamo, malte er über dem Kamin den Vulkan in Fresko, wie er in der einen Hand den Blasebalg, in der andern eine Zange mit dem Eisen zu einem der Pfeile des Amor hält, deren Venus einige in dessen Köcher steckt (zerstört, Karton in Paris). Nach seiner Zeichnung und unter seiner Beihilfe entstand auch das Grabmal des B. Castiglione und seiner Gemahlin in Santa Maria delle Grazie zu Mailand. Im Begriff, einem Ruf nach Rom als Architekt der Peterskirche zu folgen, starb G. 1. Nov. 1546 in Mantua. Er wurde in der Kirche des heil. Barnabas begraben; auf seinem Grabstein liest man:

^[Liste]

Romanus moriens secum tres Julius artes

Abstulit (haud mirum!). Quatuor unus erat.

Von seinen Schülern sind besonders Primaticcio, Rinaldo Mantovano, Raffaello dal Colle und Giulio Clovio zu nennen. G. verband den Idealismus Raffaels mit realistischen Tendenzen, bereitete aber auch den Manierismus vor, welcher bald nach seinem Tode die italienische Malerei zum Verfall brachte. Vgl. C. d'Arco, Istoria della vita e delle opere di Giulio Pippi Romano (Mantua 1842).

Giunta (spr. dschúnnta, Giunti, span. Junti, Junta oder Juncta, auch Zonta genannt), Buchdruckerfamilie aus Florenz, welche seit dem Ende des 15. Jahrh. zu Venedig, Florenz, Lyon, Burgos, Salamanca und Madrid Buchdruckereien errichtete. Die älteste derselben in Venedig wurde von Luca Antonio G. um 1480 errichtet, ging 1537 nach des Gründers Tod unter der Firma Haeredes L. A. de G. an seinen Sohn Tommaso G. über, brannte 1557 ab, ward aber wieder aufgebaut und lieferte 1657 ihren letzten Druck. Da sie lediglich zum Zweck des Erwerbs betrieben wurde, so stehen ihre Drucke hinter denen der Manucci weit zurück. Ihr einziger bedeutender Druck ist die Ausgabe des Cicero von Victorius (1534). Filippo G., des Luca Antonio Bruder, begründete in Florenz eine Druckerei, aus der als erster Druck "Zenobii procerbia" (1497) mit der Schrift des 1488 erschienenen Florentiner Homer hervorgingen. Nach Filippos Tod (1517) setzten dessen Söhne, Benedetto und Bernardo G., und dann deren Erben die Offizin bis 1623 fort. Die Produkte dieser letztern stehen hinsichtlich der Lettern und des Papiers denen der Manucci wenig nach und werden als "Juntinen" von den Bibliophilen geschätzt. Auch lieferten sie mehrere schöne Pergamentdrucke. Geringere Erzeugnisse gingen aus der durch Jacopo de' G. aus Florenz 1520 gegründeten Lyoner Offizin (bis 1592) hervor. Zu Burgos druckte Juan Junta 1526, 1528 und 1551 und Filippo Junta, vielleicht identisch mit dem Florentiner Filippo dem jüngern, von 1582 bis 1593; zu Salamanca Juan Junta von 1534 bis 1552, wahrscheinlich identisch mit dem eben genannten Junta von Burgos, und 1582 Luca Junta; zu Madrid 1595 Giulio G., der 1618 starb, und nach ihm Thomas Junta oder Junti 1594-1624, der seit 1621 königlicher Buchdrucker war.

Giura (das alte Gyaros), eine der Kykladen, südwestlich von Andros, 17 qkm (0,31 QM.) groß, ist bergig, aber kahl, öde und unbewohnt. Zur römischen Kaiserzeit war sie als Verbannungsort gefürchtet.

Giurgewo (Dschurdschewo, rumän. Giurgiu), Hauptstadt des Kreises Wlaska in Rumänien, an der Donau, der bulgarischen Stadt Rustschuk gegenüber, Endstation der von Bukarest kommenden Eisenbahn, hat mehrere Kirchen, einen Gerichtshof, ein Gymnasium und 20,866 Einw. und ist Sitz eines deutschen Konsuls. Nächst Galatz und Braila ist G. der wichtigste Handelsplatz Rumäniens an der Donau, doch ist der Handelsumsatz seit 1883 auf die Hälfte der frühern Werte gesunken. 1885 belief sich der Wert der Einfuhr (Eisenwaren, Gewebe, Kohlen, Spiritus) auf 12 2/3 Mill., der der Ausfuhr (Getreide, Salz, Petroleum) auf 3¾ Mill. Frank. Den Hauptanteil am Handel haben Frankreich (30 Proz.), England und Österreich-Ungarn (je 20 Proz.), Deutschland (15 Proz.). Der Schiffsverkehr umfaßte 1885: 243 Dampfer (mit 487 Schleppschiffen) und 851 Segelschiffe. Eine Donaubrücke nach Rustschuk, dem Endpunkt der Eisenbahn Rustschuk-Warna, wird geplant. - G. wurde im 14. Jahrh. von den Genuesen unter dem Namen San Zorzo (Giorgio) gegründet, 1426 vom Kaiser Siegmund genommen, der eine Festung daselbst erbaute, dann von den Walachen zurückerobert und fiel im 16. Jahrh. in die Gewalt der Türken, die den Ort von neuem befestigten. Im 18. Jahrh. war derselbe der Haupthandelsplatz der Walachei. Als strategischer Punkt spielte G. in allen Kriegen zwischen den Russen und Türken eine wichtige Rolle, namentlich 1771, 1790, 1811, 1822 und 1828; doch erst durch den Frieden von Adrianopel (1829) kam die Stadt, nach Zerstörung der türkischen Festung, an die Walachei zurück. 1853 und 1877 besetzten die Russen die Stadt.

Giusti (spr. dschústi), Giuseppe, einer der bedeutendsten unter den neuern Dichtern Italiens und unbedingt dessen größter politischer Satiriker, geb. 13. Mai 1809 zu Monsummano, zwischen Florenz und Pescia, erhielt seine erste wissenschaftliche Bildung auf den Schulen von Pistoja und Lucca, studierte hierauf gegen seine Neigung zu Pisa die Rechte und bereitete sich dann eine Zeitlang in Florenz auf die Advokatur vor. Da diese Beschäftigung ihm aber die Jurisprudenz vollends verleidete und zugleich eine unglückliche Liebe seine ohnehin schwache Gesundheit erschütterte, so entsagte er dem praktischen Leben, um sich ganz seiner Lieblingsneigung, der Dichtkunst, zu widmen. Schon 1835 machte ein handschriftlich ohne seinen Namen zirkulierendes Gedicht von ihm auf den Tod Kaiser Franz' I. unter dem Titel: "Il Dies Irae" durch den unerhörten Freimut der Sprache großes Aufsehen. Diesem folgte in den nächsten Jahren eine Reihe andrer, welche in wahrhaft patriotischem Geist, aber in ebenso kühner wie scharfer Weise die herrschenden politischen und sozialen Mißbräuche und Thorheiten geißelten, und an welchen man ebensosehr die Kraft und Kühnheit der Gedanken wie die Neuheit der Form bewunderte. In der Politik gemäßigt liberalen Grundsätzen huldigend, bekämpfte G. ohne Unterschied alle extremen Parteien, und obwohl selbst begeistert für die nationale Unabhängigkeit seines Vaterlandes, verschonte er doch die sogen. Italianissimi und die Utopisten ebensowenig wie die Anhänger des alten Regierungssystems. Unter seinen hierher gehörigen Gedichten sind besonders bemerkenswert: