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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Glaspasten - Glasspinnerei.

welche bereitet wird, indem man eine konzentrierte Lösung von Gelatine oder Hausenblase warm auf eine schwach geölte Spiegelglastafel gießt und bis zum Erkalten mit einer zweiten solchen Glastafel bedeckt. Es dient zum Durchzeichnen.

Glaspasten, s. v. w. Glasflüsse.

Glaspech, s. Terpentin.

Glasporzellan, s. v. w. Réaumursches Porzellan, s. Glas, S. 383.

Glasraffinerie, das Schleifen, Bemalen, Vergolden des Glases, welches vielfach als eigne Industrie, z. B. in Böhmen, betrieben wird.

Glasrahmen, Rahmen für Spiegel, die aus geschnittenem, geschliffenem oder graviertem Spiegelglas zusammengesetzt sind und in Venedig schon im 17. Jahrh. angefertigt wurden. Besonders bei der Zimmerausstattung der Rokokozeit in Gebrauch, sind sie neuerdings wieder in Aufnahme gekommen. Eine andre Art von G. wird aus Glasblumen (s. d.) zusammengesetzt.

Glaßbrenner, Adolf, humoristischer und satirischer Schriftsteller, geb. 27. März 1810 zu Berlin, widmete sich dem Kaufmannsstand, beschäftigte sich aber daneben mit litterarischen Arbeiten, die bald ihren Weg in Berliner Journale fanden. Schon 1831 redigierte er eine Zeitschrift: "Don Quijote", die sehr geschätzt war, aber wegen ihres Freimuts bereits 1833 unterdrückt wurde. Nun veröffentlichte G. unter dem Namen Adolf Brennglas eine Reihe kleiner Schriften unter dem Titel: "Berlin wie es ist und - trinkt" (Berl. u. Leipz. 1832-50, 30 Hefte; teilweise vielfach aufgelegt), die mit meisterhafter Beobachtungsgabe treue Bilder aus dem Berliner Alltagsleben in typisch-festen Gestalten vorführten und in der Form des Scherzes viele Gedanken laut werden ließen, welche damals im Ernst auszusprechen die Zensur nicht gestattet haben würde. Die Heftchen fanden in ganz Deutschland die günstigste Aufnahme und wurden in fast jeder größern Stadt nachgeahmt. Ähnliche Arbeiten Glaßbrenners sind: "Leben und Treiben der feinen Welt" (Leipz. 1834) und "Berliner Volksleben" (das. 1848-51, 3 Bde.). Das Resultat eines siebenmonatlichen Aufenthalts in Wien (1835) waren die anonymen "Bilder und Träume aus Wien" (Leipz. 1836, 2 Bde.), welche vom Bundestag verboten wurden. Im J. 1840 verheiratete sich G. mit der Schauspielerin Adele Peroni, welcher er 1841 nach Neustrelitz folgte. Hier schrieb er seine "Verbotenen Lieder" (Zürich 1843), deren 2. Auflage als "Lieder eines norddeutschen Poeten", die 3., sehr vermehrte Auflage aber als "Gedichte von Adolf G." (Berl. 1851, 5. Aufl. 1870) erschien, und das komische Epos "Neuer Reineke Fuchs" (Leipz. 1846, 4. Aufl. 1870), ein Gedicht voll der schonungslosesten Satire. Außerdem lieferte er in dieser Zeit verschiedene novellistische Arbeiten. Im J. 1848 stand G. als Führer an der Spitze der demokratischen Partei in Mecklenburg-Strelitz, hielt sich jedoch von allen kommunistischen und anarchischen Bestrebungen fern. Gleichwohl 1850 dort ausgewiesen, lebte er mit seiner Gattin erst in Hamburg und kehrte 1858 nach Berlin zurück, wo er die Redaktion der "Berliner Montagszeitung" führte und 25. Sept. 1876 starb. Von Glaßbrenners spätern Schriften sind noch zu erwähnen: der "Komische Volkskalender" (1845-67, 23 Jahrg.); die "Xenien der Gegenwart" (mit D. Sanders, Hamb. 1850); die politisch-aristophanische Posse "Kaspar der Mensch" (das. 1850); die "Komische Tausendundeine Nacht" (das. 1852); das komische Epos "Die verkehrte Welt" (Berl. 1857, 6. Aufl. 1874) u. a. In den spätern Jahren verfaßte er auch Jugendschriften, unter denen "Lachende Kinder", "Sprechende Tiere", "Insel Marzipan" besonders freundlich aufgenommen wurden und sehr viele Auflagen erlebten. Eine seltene Fülle, Schärfe und Schlagfertigkeit des in G. verkörperten Berliner Volkswitzes bei höchst gewandter Darstellung machten G. zu einem der beliebtesten Schriftsteller, wenn schon viele seiner Schriften weniger ästhetischen als politischen Wert haben. Als Dichter im engern Sinn zeigt er sich am reinsten in "Kaspar der Mensch" und im "Neuen Reineke Fuchs", welch letzteres wohl sein bleibendstes Werk sein dürfte. Seine Erfolge als "Vater des Berliner Witzes" haben unzählige Nachahmer geweckt und an der spätern Entstehung der Berliner Lokalposse (deren "höhern Blödsinn" aber G. verachtete) einen wesentlichen Anteil. Vgl. Schmidt-Cabanis, Adolf G. (Berl. 1881).

Glasschlange, s. v. w. Blindschleiche.

Glasschmalz, s. Salicornia.

Glasschwärmer, s. v. w. Glasflügler.

Glasseide, s. Glasspinnerei.

Glasspinnerei, die Kunst, Glas in sehr feine Fäden zu verwandeln, welche nach Art der gewöhnlichen Gespinstfasern benutzt werden können. Glasfaden wurden schon in ägyptischen Glashütten, später auch in Venedig erzeugt; an letzterm Ort erfand man das Verfahren, das Ende des auszuziehenden Glasrohrs an dem Umfang eines schnell rotierenden Rades zu befestigen, und bald darauf zog man Glasstäbe vor der Lampe zu dünnen Fäden aus und verarbeitete diese in der Hitze zu den sogen. gewickelten Perlen. Dünnere Fäden wurden zu Reiherbüschen und allerlei Flechtarbeiten verwendet. Die venezianischen Glasspinner fanden in Paris, Brüssel, Wien etc. vielfache Nachahmung, und namentlich die böhmischen Glaskunstbläser fertigten aus Glasfäden allerlei Nippsachen. In Paris, Lyon und Mailand versuchte man nach 1830 Glasfäden in fertige Seidenstoffe einzuführen und fertigte glasdurchstickte Wandtapeten, Ornate etc. Nach 1850 gewann Brunfaut aus einem Glas von besonderer Zusammensetzung (68,93 Kieselsäure, 1,96 Thonerde und Eisenoxyd, 9,82 Kalk, 0,49 Magnesia, 14,13 Natron, 3,92 Kali) Fäden von 0,010-0,006 mm Durchmesser, die sich, ohne zu brechen, flechten, weben, filzen, sogar strangweise knoten lassen und so weich sind, daß hierbei etwa abbrechende Teilchen in die Haut nicht mehr eindringen. Zur Gewinnung derselben zieht man von dem vor der Glasbläserlampe erweichten Ende eines Glasstäbchens von ca. 4 qmm einen Faden ab und befestigt das freie Ende desselben auf einer schmalen Trommel von ca. 1 m Durchmesser, welche in einer Minute 6-700 Umdrehungen macht. Der auf der Trommel gesammelte Strang wird an einer Stelle aufgeschnitten (nicht abgehaspelt), und man erhält also Fäden von etwa 3 m Länge. Diese Glasseide ist von außerordentlicher Schönheit, sehr glänzend und kann zu allerlei Flechtwerk und Weberarbeit (Krawatten, Manschetten, Fransen, Damenhüte, Garnituren, Uhrketten etc.) benutzt werden. Ein Glas von besonderer Zusammensetzung liefert Glasseide, welche sich nach dem Aufschneiden auf der Trommel zu einer Spirale von 1/5 der Länge des Fadens kraust. Diese Glaswolle ist schneeig weiß, von blendendem Schimmer und sehr geringem Wärmeleitungsvermögen; sie erzeugt auf der Haut sofort ein Gefühl von Wärme und ist deshalb als Gicht- und Rheumatismuswatte mit Erfolg gebraucht worden; man benutzt sie ferner zu Muffen, Kappen, Hüten, als Plüschbesatz, zu Straußfedern, Pleureusen und besonders