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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Glaukos; Glaukosiderit; Glaux; Glaymore; Glazial; Gldf; Gleba; Glebae adscripti; Glebos; Glechoma; Gleditsch; Gleditschia

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Glaukos - Gleditschia.

Übersetzung glauäugig ist buchstäblich genau, da das niederdeutsche glau dasselbe ausdrückt (hell, glänzend) wie das griechische glaukos.

Glaukos, 1) (G. Pontios) ein Meergott der alten Griechen. In der Argonautensage erscheint er als Fischer in der böotischen Seestadt Anthedon, Erbauer und Steuermann der Argo, der nach der Schlacht der Argonauten mit den Tyrrhenern auf wunderbare Weise zu der Würde eines Gottes gelangte und dem Iason weissagte. Als er nämlich einst Fische, die er auf das Ufer warf, durch die Berührung der daselbst wachsenden Kräuter plötzlich so munter werden sah, als wären sie im Wasser, aß er auch von diesen Kräutern und wurde durch deren Genuß in eine solche Begeisterung versetzt, daß er in das Meer sprang, wo ihn Okeanos und Tethys in eine Meergottheit umwandelten. Andre berichten, G. habe sich aus Liebe zu dem jugendlichen Meergott Melikertes in die See gestürzt; ja, man identifizierte ihn geradezu mit demselben. Als Seegottheit hat er die Gabe der Weissagung. Sein gewöhnlicher Aufenthalt sollte auf der Insel Delos sein. Auf vielen Inseln und Küsten Griechenlands genoß er Verehrung als ein freundlicher und milder, gegen alle Schiffbrüchigen zur Hilfe bereiter Gott. Auch Gegenstand dramatischer Darstellungen ward G.; dahin gehört vor allen der G. des Äschylos. Auf Bildwerken erscheint er in tritonenartiger Gestalt; sein Äußeres ist rauh und zottig, die Brust mit Seetang und Muscheln bewachsen, Haupt- und Barthaar von üppiger Fülle. Vgl. Gädechens, G., der Meergott (Götting. 1860); Voß, Mythologische Briefe, Bd. 2 (2. Aufl., Stuttg. 1827).

2) Sohn des kretensischen Königs Minos und der Pasiphae. Als er einst als Knabe eine Maus verfolgte, fiel er in ein Honigfaß und starb. Vergebens suchte ihn sein Vater, bis endlich der Seher Polyidos ihn entdeckte. Minos verlangte zufolge eines Orakels von Polyidos, daß er den gefundenen Leichnam wieder lebendig mache, und ließ ihn zu diesem Behuf mit dem Leichnam einschließen. Da beobachtete der Seher, wie eine von ihm getötete Schlange durch ein ihr von einer andern Schlange aufgelegtes Kraut wieder lebendig ward. Durch dasselbe Kraut brachte nun Polyidos auch den Knaben wieder zum Leben und gab ihn seinem Vater zurück, worauf dieser von ihm verlangte, er solle seinem Sohn die Weissagekunst lehren. Gezwungen that er es, aber bereit abzusegeln, hieß er G. ihm in den Mund spucken; dieser that also und verlor augenblicklich seine Seherkunst wieder.

3) Sohn des Königs Sisyphos von Korinth und der Merope, Gemahl der Eurymede, Vater des Bellerophon, ward bei den Leichenspielen des Pelias in Iolkos von seinen wütenden Rossen vom Wagen geschleudert und zerfleischt und galt seitdem für einen Dämon, Taraxippos ("Rossescheucher"), der bei den Isthmischen Spielen die Rosse scheu machte.

4) Urenkel des vorigen, Enkel des Bellerophon, Sohn des Hippolochos, Fürst der Lykier, die er im Trojanischen Krieg dem Priamos zu Hilfe führte. Hier gehörte er zu den tapfersten Kriegern auf troischer Seite und erneuerte mit Diomedes den von ihren Vätern geschlossenen Freundschaftsbund durch den Tausch der Rüstung ("Ilias", VI, 119 ff.). Als die Troer die hellenischen Lagerbefestigungen stürmten, war G. mit Sarpedon der erste auf der Mauerbrüstung; später erscheint er als Beschützer des von Aias verwundeten Hektor und als Rächer des von den Hellenen getöteten Sarpedon. Er selbst wurde von Aias getötet.

Glaukosiderit, s. Vivianit.

Glaux Tourn. (Milchkraut, Salzkraut, Mutterkraut), Gattung aus der Familie der Primulaceen mit der einzigen Art G. maritima L., am Strande des Meers und bei Salinen ziemlich häufig in Mitteleuropa, mit 15-30 cm langem, krautartigem, etwas fleischigem, ausdauerndem Stengel, sitzenden, lineal-lanzettförmigen, fleischigen, ganzrandigen Blättern und blattwinkelständigen, einzelnen, kleinen, weißen oder rötlichen Blüten, kann sowohl als Salat wie auch als Gemüse gegessen werden und soll bei Säugenden auf die Vermehrung der Milch wirken.

Glaymore (engl., spr. glehmor), langes, zweischneidiges Schwert, im späten Mittelalter in Schottland im Gebrauch.

Glazial (lat.), das Eis betreffend; glaziale Periode, s. v. w. Eiszeit (s. d. und Diluvium).

Gldf., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Georg Aug. Goldfuß (s. d.).

Gleba (lat., "Erdscholle", allgemein "Klümpchen, Knöllchen"), die gekammerte, fruktifizierende Gewebemasse im Innern der Fruchtkörper bei den Bauchpilzen (s. Pilze).

Glebae adscripti (lat., "zur Scholle Gehörige"), s. v. w. Leibeigne oder Hörige. Sie durften den ihnen anvertrauten Hof und Wohnort nicht verlassen, und ihr Herr konnte sie zurückfordern (Besatzungsrecht, Vindikationsrecht), wenn sie sich in ein Verhältnis begeben hatten, das sie unfähig machte, ihre Pflichten gegen ihren Herrn zu erfüllen (s. Leibeigenschaft). Der Ausdruck wird auch zur Bezeichnung der durch ihren Beruf und sonstige Verhältnisse "an die Scholle Gefesselten" gebraucht.

Glebos (lat.), voller Schollen, klumpig.

Glechoma L. (Gundelrebe, Gundermann), Gattung aus der Familie der Labiaten, von welcher G. hederacea L. (Donnerrebe), mit langen, kriechenden Zweigen, nierenförmigen, gekerbten Blättern und lilafarbigen, in Quirlen stehenden Blüten, in denen die Antheren ein weißes Kreuz bilden, durch ganz Europa verbreitet ist. Die Pflanze riecht und schmeckt aromatisch und dient noch oft als Volksmittel gegen allerlei Leiden.

Gleditsch, Johann Gottlieb, Botaniker, geb. 5. Febr. 1714 zu Leipzig, studierte daselbst Medizin und Botanik, wurde 1740 Physikus, hielt seit 1742 in Frankfurt a. O. Vorlesungen über Physiologie, Botanik und Materia medica, wurde 1746 Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens in Berlin und lehrte seit 1770 an der dortigen Forstlehranstalt Forstbotanik. Er starb 5. Okt. 1786. G. erwarb sich große Verdienste als Lehrer und zählt zu den ersten, welche dem Forstwesen eine naturwissenschaftliche Grundlage gegeben haben. Sein Hauptwerk ist die "Systematische Einleitung in die neuere, aus ihren eigentümlichen physikalisch-ökonomischen Gründen hergeleitete Forstwissenschaft" (Berl. 1774 bis 1775, 2 Bde.).

Gleditschia L., Gattung aus der Familie der Cäsalpiniaceen, schöne Bäume mit einfach oder doppelt gefiederten Blättern, welche meist büschelförmig an nicht zur Entwickelung gekommenen Zweigen stehen, kurzen Blütenähren mit kleinen, grünlichen oder weißlichen, polygamen Blüten und großen, gestielten, meist flachen, vielsamigen Hülsen. 4-5 im gemäßigten oder subtropischen Asien und in Nordamerika heimische Arten. G. triacanthos L. (Zuckerschotenbaum, Schotendorn), in Nordamerika, besonders auf der Westseite, mit einfach gefiederten, 16-18 cm langen Blättern, braunroten, am obern