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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Glossema - Gloucester.

sein Werk in den Gerichten fast gesetzliches Ansehen erhielt. Jetzt versteht man daher unter der G. schlechthin die des Accursius und nennt sie zum Unterschied von den größtenteils ungedruckten frühern Glossen einzelner Juristen Glossa ordinaria. Sie erstreckt sich auf alle Rechtsbücher Justinians, aber natürlich nur auf die Stücke derselben, welche damals in ihnen enthalten waren, daher nicht auf mehrere Stellen in den Pandekten und im Kodex, welche erst von den Herausgebern im 16. Jahrh. aus den Basiliken restitutiert wurden, sowie auch nicht auf diejenigen Novellen, welche die Glossatoren regelmäßig nicht in die neun Kollationen aufnahmen. Die Glossatoren zeichneten sich zwar durch außerordentliche Belesenheit in den Rechtsbüchern Justinians und höchst sorgfältige und scharfsinnige Interpretation derselben aus; doch fehlte ihnen alle tiefere Einsicht in den geschichtlichen Zusammenhang des römischen Rechts, wodurch ihre Interpretationen einseitig und mangelhaft werden mußten. Gleich dem römischen Recht wurden auch andre Rechtsbücher des Mittelalters, wie das Corpus juris canonici, die langobardische Lehnrechtssammlung, in Deutschland der Sachsenspiegel, das sächsische Weichbildrecht, glossiert und erst durch diese Glossen in die Praxis eingeführt. Über die Sachsenspiegelglosse vgl. E. Steffenhagen, Die Entwickelung der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels (Wien 1881 bis 1886, 6 Hefte). - In der Umgangssprache sind Glossen s. v. w. spöttische, tadelnde Bemerkungen (daher Glossen machen).

Glossema (griech.), s. Glosse.

Glossieren, Glossen oder Erklärungen zu etwas machen; eine poetische Glosse (s. d.) machen.

Glossina, Tsetsefliege.

Glossitis (griech.), s. v. w. Zungenentzündung.

Glossocele (griech., Zungenvorfall, Prolapsus linguae), s. v. w. Makroglossie, s. Zunge.

Glossolalie (griech., "Zungenreden"), ein 1. Kor. 12-14 geschildertes ekstatisches Reden, welches besonders in den Gemeindeversammlungen zu Korinth vorkam. Paulus suchte es zu gunsten einer den Zuhörern verständlichen Verkündigung möglichst zurückzudrängen. Der spätere Verfasser der Apostelgeschichte, welcher der Sache ferner stand, hat daraus ein philologisches Wunder gemacht, indem er erzählt, die Apostel hätten am ersten Pfingstfest in fremden, nicht zuvor erlernten Sprachen geredet. Vgl. Hilgenfeld, Die G. in der alten Kirche (Leipz. 1850).

Glossolog (griech.), ein Sprachkundiger.

Glossomanie (griech.), die Schwärmerei für fremde Sprachen.

Glossop, Fabrikstadt im nordwestlichen Derbyshire (England), 16 km von Manchester, mit Baumwollfabriken, Kalikodruckereien etc. und (1881) 19,574 Einw.

Glossopharyngeus (Nervus g.), Zungenschlundkopfnerv, Geschmacksnerv.

Glossoplegie (griech.), Zungenlähmung.

Glottik (griech.), Sprachwissenschaft.

Glottis (griech.), die Stimmritze. Ansatz mit Glottisschluß (Glottisschlag), beim Gesang die Art des Ansatzes, welche den Ton ohne vorausgehenden Hauch (spiritus lenis) bringt, so daß der einem leichten Knacken ähnliche Gutturallaut hörbar wird, den die Hebräer mit א (Aleph) bezeichneten.

Glottiskrampf, s. Stimmritzenkrampf.

Glottisödem, wassersüchtige Anschwellung der Schleimhautfalten beiderseits vom Kehlkopf, welche teils bei Entzündung der Nachbarschaft (besonders Tuberkulose und Diphtheritis), teils bei allgemeiner Wassersucht und Erstickungstod vorkommt. G. macht zuweilen die Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) notwendig. (Vgl. Tafel "Halskrankheiten".)

Glottolalie (griech.), s. v. w. Glossolalie.

Glotzauge, s. Exophthalmus und Basedowsche Krankheit.

Glotzblume, s. v. w. Trollius.

Gloucester (spr. glósster), 1) Hauptstadt von Gloucestershire (England), auf einem Hügel am Severn. Unter ihren Gebäuden zeichnen sich aus die Kathedrale, wesentlich normännischen Stils, aus dem Ende des 11. und dem 12. Jahrh., mit 68 m hohem Turm u. großer Fensterrose (vor ihr Denkmal des Märtyrers Bischof Hooper); die Gildhalle, das Museum mit Kunstschule und die Blaurockschule. Hübsche Anlagen umgeben eine Mineralquelle. G. hat (1881) 36,552 Einw.; abgesehen von einer Glockengießerei (seit 1500) ist die Industrie jetzt unbedeutend, doch blüht der Handel, und die Docks der Stadt stehen durch den 25 km langen Gloucester-Berkeleykanal mit Sharpneß am Kanal von Bristol in Verbindung, so daß Schiffe von 400 Ton. Gehalt bis G. gelangen können. Zum Hafen gehörten 1885: 204 Seeschiffe von 10,408 T. Gehalt, und es liefen 5280 Schiffe von 471,013 T. ein. Die Einfuhr vom Ausland belief sich auf 1,680,000 Pfd. Sterl., die Ausfuhr auf 77,124 Pfd. Sterl. Die Stadt ist Sitz eines deutschen Konsuls. - G. ist die Colonia Glevum der Römer, 44 n. Chr. von Claudius gegründet. Seiner wichtigen strategischen Lage entsprechend spielte es in allen Bürgerkriegen, namentlich im 17. Jahrh., eine hervorragende Rolle. -

2) Stadt im nordamerikan. Staat Massachusetts, Grafschaft Essex, nordöstlich von Boston, mit vorzüglichem Hafen und (1885) 21,713 Einw., die Fischfang, Handel, Schiffbau und Branntweinbrennerei treiben. Zum Hafen gehörten 1884: 21 Seeschiffe von 2381 Ton. Die Einfuhr betrug 1883-84: 159,877 Doll., die Ausfuhr nur 274 Doll.

Gloucester (spr. glósster), Grafen und Herzöge von, Titel von jüngern Prinzen oder den Adoptivkindern des königlichen Hauses von England. Die namhaftesten Träger desselben sind: 1) Robert, Graf von, natürlicher Sohn Heinrichs I., trat in den Bürgerkriegen nach dessen Tod auf die Seite seiner Schwester Mathilde und ihres Sohns Heinrich II., besiegte 2. Febr. 1141 den König Stephan von Blois und nahm ihn gefangen, ward aber im Herbst d. J. ebenfalls gefangen und gegen Stephan ausgetauscht. Er starb 31. Okt. 1147.

2) Gilbert de Clare, Graf von G. und Hertford, focht 1264 in der Schlacht bei Lewes auf der Seite des gegen Heinrich III. empörten Simon Montfort, Grafen von Leicester, entzweite sich aber 1265 mit diesem, schloß sich der königlichen Partei an und erfocht 1265 mit dem Prinzen Eduard den Sieg bei Evesham über Leicester. Auch in der spätern Zeit Heinrichs III. und unter Eduard I. spielte er eine bedeutende Rolle. Er starb 1295.

3) Humfred, Herzog von, jüngster Sohn König Heinrichs IV., geb. 1391, trat nach seines Bruders Heinrich V. Tod 1422 an die Spitze der Regentschaft für dessen Sohn Heinrich VI., vermählte sich mit Jakobäa von Bayern, Gräfin von Holland, und geriet deshalb in Verwickelungen mit dem Herzog von Burgund, löste aber schon nach einigen Jahren diese Ehe wieder. Nach Heinrichs VI. Vermählung mit Margareta von Anjou wurde er auf Anstiften des Günstlings der letztern, des Grafen von Suffolk, 18. Febr. 1447 auf Grund einer Hochverratsanklage verhaftet, 23. Febr. fand man ihn tot im Bett. Vgl. Pauli, Bilder aus Altengland (2. Aufl., Gotha 1875).