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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: G moll; Gmelinsches Salz; Gmünd; Gmunden

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Gmelinsches Salz - Gmunden.

Südküste des Kaspischen Meers und die Ostseite des letztern, ward aber auf der Rückreise 1774 von dem Chan der Chaitaken gefangen und starb 27. Juli d. J. zu Achmetkend im Kaukasus. Seine Hauptschriften sind: "Historia fucorum" (Petersb. 1768) und "Reisen durch Rußland" (das. 1770-84, 4 Bde.).

3) Johann Friedrich, Reisender und Botaniker, Neffe von G. 1), geb. 8. Aug. 1748 zu Tübingen, ward 1772 Professor der Naturgeschichte und Botanik daselbst und 1775 der Medizin in Göttingen, wo er 1. Nov. 1804 starb. Er war einer der vielseitigsten und fruchtbarsten Naturforscher des 18. Jahrh.; sein Hauptwerk ist die "Onomatologia botanica completa, oder vollständiges botanisches Wörterbuch, nach der Lehrart des Ritters v. Linné abgefaßt" (Ulm 1771-77, 9 Bde.).

4) Ferdinand Gottlieb von, geb. 10. März 1782 zu Tübingen, studierte daselbst, wurde 1805 Professor der Naturgeschichte und Medizin daselbst und starb 21. Dez. 1848. Er schrieb: "Allgemeine Pathologie des menschlichen Körpers" (2. Aufl., Stuttg. 1821); "Allgemeine Therapie" (Tübing. 1830); "Kritik der Prinzipien der Homöopathie" (das. 1835).

5) Leopold, Chemiker, Sohn von G. 3), geb. 2. Aug. 1788 zu Göttingen, studierte daselbst, in Tübingen und Wien Medizin und Chemie, habilitierte sich 1813 zu Heidelberg und ward 1817 Professor der Medizin und Chemie. 1851 nahm er seine Entlassung und starb 13. April 1853. Sein "Handbuch der theoretischen Chemie" (Frankf. a. M. 1817-1819, 3 Tle.) war epochemachend und ist noch gegenwärtig, in neuer Auflage von andern besorgt und fortgeführt, das vollständigste chemische Handbuch. Außerdem schrieb er: "Lehrbuch der Chemie" (Heidelb. 1844); mit Tiedemann: "Versuche über die Wege, auf welchen Substanzen aus dem Magen und Darmkanal ins Blut gelangen, über die Verrichtung der Milz und die geheimen Harnwege" (das. 1820); "Die Verdauung" (mit Tiedemann, das. 1826-27, 2 Bde.).

6) Christian Gottlob, Chemiker, Neffe von G. 2), geb. 12. Okt. 1792 zu Tübingen, machte seit 1814 große Reisen in Frankreich, Norddeutschland, Schweden, Norwegen und England und wurde 1817 Professor der Pharmazie und Chemie zu Tübingen, wo er 13. Mai. 1860 starb. Er zählte zu den bedeutendsten Chemikern seiner Zeit und schrieb: "Einleitung in die Chemie" (Tübing. 1833-37, 2 Bde.). Vgl. "Stammbaum der Familie G." (Karlsr. 1877).

Gmelinsches Salz, s. v. w. rotes Blutlaugensalz, Ferricyankalium (s. d.).

G moll (ital. Sol minore; franz. Sol mineur; engl. G minor), s. v. w. G mit kleiner (weicher) Terz. Der G moll-Akkord = g b d. Über die G moll-Tonart, zwei ^ vorgezeichnet, s. Tonart.

Gmünd, 1) (Schwäbisch-G.) Oberamtsstadt im württemberg. Jagstkreis, 319 m ü. M., an der Rems und der Remsthalbahn, ehemalige freie Reichsstadt mit Türmen und Mauern, hat 5 Kirchen, darunter die prächtige gotische Heiligekreuzkirche (1351-1510 erbaut), die romanische, neuerlich stilgemäß restaurierte St. Johanniskirche und in der Nähe die in den Felsen eingehauene Wallfahrtskirche St. Salvator. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) mit Garnison (1 Füsilier-Bat. Nr. 121) auf 15,321, darunter 4767 Evangelische. Hauptindustriezweig ist die Bijouterie- und Silberwarenfabrikation, welche etwa 80 größere und kleinere Betriebe zählt und ihr Absatzgebiet in allen Weltteilen hat. Umfangreich ist auch die Galvanoplastik, die Bronze-, Zigarren-, Wachs- und Regulatorengehäuse-Fabrikation wie der Obst- und Hopfenbau. G. hat ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt, ein Reallyceum, ein kathol. Lehrerseminar, 2 Taubstummenanstalten, eine Blindenanstalt, ein Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern, eine Irrenanstalt, ein Zuchthaus, 2 Spitäler etc. und ein Kunstgewerbemuseum. Schöne Punkte der nächsten Umgegend sind die sogen. Kleine Schweiz und der Lindenfürst mit Aussicht auf den nahen Hohenstaufen, den Rechberg und Stuifen. - G., ehemals Kaisersreuth genannt, wird zuerst 1188 genannt und gehörte zu den Besitzungen der staufischen Herzöge von Schwaben. Im 13. Jahrh. wurde es eine Reichsstadt, und seine Einwohnerzahl stieg bald auf 18,000; 1331 trat es in den Schwäbischen Städtebund und hatte mit Württemberg, an welches es 1353 verpfändet wurde, öfters blutige Fehden. Im Schmalkaldischen Krieg stand es auf seiten der Kaiserlichen. Im Dreißigjährigen Krieg ward G. von den Schweden hart mitgenommen, 1803 kam es an Württemberg. G. ist Geburtsort des Malers Hans Baldung (genannt Grien) und des Miterbauers des Mailänder Doms, Heinrich von G. Vgl. Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt G. (Gmünd 1869); Kaißer, Führer durch G. (das. 1882). - 2) Stadt im Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Bezirkshauptmannschaft Waidhofen, an der Lainsitz und der Eisenbahn Wien-Eger, von welcher hier die Linie nach Prag abzweigt, mit Schloß des Erzherzogs Siegmund nebst Park, (1880) 2439 Einw., großer Eisenbahnwerkstätte, Shawlweberei u. Steinbrüchen. Die Stadt kommt bereits zu Ende des 11. Jahrh. vor.

^[Abb.: Wappen von Schwäbisch-Gmünd.]

Gmunden, (Stadt im Erzherzogtum Österreich ob der Enns, 439 m ü. M., am Ausfluß der Traun aus dem Gmundener oder Traunsee (s. d.) angesichts des fast senkrecht aus dem See emporsteigenden, 1688 m hohen Traunstein äußerst malerisch gelegen, Endstation eines Zweigs (Lambach-G.) der westlichen Staatsbahnen, woran sich die Dampfschiffahrt auf dem Traunsee anschließt, und Station der Salzkammergutbahn. Wegen seiner schönen Lage und Umgebung sowie als Kurort ist G. im Sommer stark besucht. Die Stadt hat 5 katholische und eine protest. Kirche, ein altertümliches Rathaus am Hauptplatz, eine gewerbliche Fortbildungsschule, einen Musikverein mit Schule, See- und Solbäder, ein Kurhaus, eine Trinkhalle, neun Hotels, Bierbrauerei und (1880) 1547 Einw. G. ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts, eines Hauptsteueramts und der Forst- und Domänendirektion für Oberösterreich. In der Umgegend sind viele schöne Villen und Anlagen, unter diesen die am westlichen Ufer des Traunsees 1 km weit sich hinziehende Esplanade und die 1 km von der Stadt entfernten Satorischen Anlagen. Im See liegt das Schloß Ort, mit dem Lande durch eine Brücke verbunden. Dabei ein neues Schloß und Villa der großherzoglich toscanischen Familie. Andre schöne Punkte am Traunsee sind: Altmünster mit schöner Kirche, Ebenzweier mit Schloß und Garten, Traunkirchen, auf einer in den See vorspringenden Landzunge reizend gelegen, mit alter Pfarrkirche, u. a. An der Traun unterhalb G. befinden sich einige industrielle Etablissements, so eine Baumwollspinnerei (Theresienthal), Papierfabriken, Brettsägen,