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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gondel; Gondi; Gondinet; Gondókoro; Gondola; Gondoliera; Gondwana; Gonesse; Gonfalóne; Gonfaloniere; Gong

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Gondel - Gong.

auf 40,000 Seelen schätzte, die jetzt aber kaum 4000 beträgt. Viele derselben zeigen in ihren schlichten Haaren die Abstammung von den hier ehemals vorzugsweise lebenden Portugiesen. Die mohammedanische Stadt (Islambed) am Fuß des Hügels, ausgezeichnet durch ihre hübschen Gebäude und ihre Sauberkeit, ist ganz verlassen, seitdem die gewaltsame Taufe aller Mohammedaner angeordnet wurde; dagegen wohnen die Juden, Falascha (s. d.), noch immer in ihrem alten Quartier (Falaschabed). Die Einwohner von G. zeichnen sich durch ihre prächtigen Gold- und Silberarbeiten, musikalischen Instrumente, Kirchengefäße und kunstvollen Sättel aus; die Geistlichen der 40 Kirchen sind Meister in der Kalligraphie, malen Kirchenbilder und verfertigen Andachtskrücken, originelle Lesepulte u. a. G. ist auch Sitz für Wissenschaft und Gelehrsamkeit, wo die meisten Geistlichen ihre Ausbildung erhalten. Derart wurde um die Mitte des 17. Jahrh. unter Kaiser Fasilides (Alem Saged) gegründet und in den Bürgerkriegen wiederholt verwüstet, so noch 1867 unter Theodoros II. Vgl. Rohlfs, Meine Mission nach Abessinien (Leipz. 1883).

Gondel (ital. góndola, Verkleinerung von gónda), ein für die Fahrt auf Lagunen und Kanälen berechnetes, spezifisch venezianisches Boot, lang; schmal, scharf gebaut, in der Mitte oft von einem gewölbten Dach, im Vorderteil und Hinterteil von einem niedrigern leichten Deck überdeckt, auf welchem die Ruderer (gondolieri) stehen. Der Kiel steigt in seinem vordern Teil ein wenig aufwärts, so daß er schließlich etwas über Wasser kommt. Der Vorsteven und der Hintersteven steigen steil auf, ersterer von horizontalen Eisenstäben als Zierat durchbohrt und oben in eine nach außen gewandte Axtschneide endigend, welcher Schmuck der G. ihr charakteristisches Aussehen verleiht. Bei der Schlankheit ihrer Form unter Wasser fahren die Gondeln, indem einer oder zwei Leute stehend rudern, wobei sie den Griff des in eine Gabel eingelegten Ruders nicht ziehen, sondern stoßen, außerordentlich schnell. In Venedig vertreten die Gondeln völlig die Stelle des Fuhrwerks andrer Städte. Früher, namentlich zur Blütezeit Venedigs, wurde in Ausschmückung der Gondeln mit kostbaren Stoffen, Vergoldung etc. großer Luxus getrieben; jetzt sind sie in der Regel ganz schwarz angestrichen.

Gondi, Jean G., Kardinal de Retz, Haupt der Fronde; s. Retz.

Gondinet (spr. gongdina), Edmond, franz. Bühnendichter, geb. 7. März 1829 zu Laurières (Haute-Vienne), widmete sich anfangs dem Verwaltungsfach, ging aber, nachdem er im Théâtre français und im Gymnase mit den Lustspielen: "Trop curieux" (1863), "Les victimes de l'argent" (1865) und "Révoltées" (1867) entschiedene Erfolge errungen, ganz zur Bühnendichtung über. Er brachte zunächst die Stücke: "La cravate blanche" (1867), "Comte Jacques" (1868), "Les grandes demoiselles" (1868) und "Gauvaud, Minard et C^{ie}" (1869) mit mehr oder minder Erfolg zur Aufführung, um sich endlich mit dem Lustspiel "Christiane" (1872), das sich durch künstlerische Abrundung, feine Charakteristik und unverwüstliche Heiterkeit gleich sehr auszeichnet, den hervorragendsten Dramendichtern Frankreichs an die Seite zu stellen. Dieselben Vorzüge finden sich in den folgenden Stücken, dem patriotischen Drama "Libres!" und dem Lustspiel "Gilberte" (beide 1874); weniger entsprachen "Les grands enfants", ein Plaidoyer gegen die Ehescheidung vom Standpunkt der Kinder, und "Les braves gens" (1880) den gehegten Erwartungen. Die Erfolge Gondinets im rein komischen Genre sind kaum zu zählen; zu den vollendetsten und ergötzlichsten Stücken dieser Art gehören: "Panazol", "Le homard" (1874), "Le panache" (1875), "Les convictions de papa" und "Le professeur pour dames" (1877), "Vieilles couches" (1878), u. a. Auch in Gemeinschaft mit andern hat G. verschiedenes geschrieben, z. B. "Le plus heureux des trois" mit Labiche, "L'alouette" mit Alb. Wolff (1881) u. a., ferner die Operntexte "Le roi l'a dit", "Lakmé" u. a.

Gondókoro (Ismailia), Handelsposten und ehemalige Militär- und Missionsstation am Nil (Bahr el Abiad) unter 4° 54' nördl. Br., im Gebiet der Bari, auf hohem Ufer an der rechten Seite des Stroms, in fruchtbarer, waldreicher Gegend. Der Provikar Knoblecher gründete hier 1853 die "katholische Mission am obern Nil" zur Bekehrung der Neger und Verhinderung des Sklavenhandels. Allein die durch das ungesunde Klima herbeigeführte Sterblichkeit, verbunden mit den Feindseligkeiten und Intrigen der Sklavenjäger, brachten die Mission wiederholt dem Untergang nahe, bis sie nach Knoblechers schon 1858 erfolgtem Tod nebst den übrigen mehr stromabwärts gelegenen Stationen von der österreichischen Regierung 1868 aufgelöst wurde. Die Ruinen eines aus gebrannten Ziegeln erbauten Hauses und einer Kirche sind heute die einzigen Überreste. Seitdem ist G. den größten Teil des Jahrs verlassen; nur im Dezember und Januar, wo die Händler herbeikommen, etabliert sich daselbst ein Elfenbeinmarkt, auf welchem aber Sklavenhandel früher das Hauptgeschäft war. Um denselben zu unterdrücken, machte Baker G. 1871 zu einem starken militärischen Posten mit großen Magazinen, den er zu Ehren des Chedive Ismailia nannte; allein die Verlegung des Nilbettes nach W. umgab den Ort mit so ungesunden Sümpfen, daß Gordon 1875 die Station nach Ladó verlegte. Vgl. Baker, Ismailia (Lond. 1874, 2 Bde.).

Gondola, Giovanni, s. Gundulić.

Gondoliera (ital.), Gondellied, wie die Barkarole (s. d.) ein Gesang oder eine Melodie, wie sie die Gondelführer in Venedig, Neapel etc. singen oder singen könnten. Die gewöhnliche Taktart ist 6/8, charakteristisch ferner eine Begleitungsfigur in Akkordbrechung, die aber nicht in gleichen Noten fortläuft, sondern zur Versinnlichung des taktmäßigen Ruderns regelmäßige Unterbrechungen erleidet.

Gondwana, Land, s. Gond.

Gonesse, Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Pontoise, 18 km nordöstlich von Paris, mit alter Kirche und (1876) 2817 Einw.; während der Belagerung von Paris 1870/71 Standquartier des Stabes der preußischen Garde, Der Bahnhof in der Nähe (Villiers le Bel) war Evakuationsstation für Kranke und Verwundete. G. ist Geburtsort des Königs Philipp II. August.

Gonfalóne (ital., vom althochd. gundfano), Kriegsfahne, Banner. Compagnia del G., eine 1264 zu Rom gegründete Brüderschaft, welche die Leidensgeschichte Christi in der Karwoche dramatisch darstellte. Der Schauplatz war das Kolosseum; die Vorstellungen wurden 1549 von Papst Paul III. verboten.

Gonfaloniere (ital.), Bannerherr, in den italienischen Republiken des Mittelalters das aus den angesehensten Bürgern gewählte Oberhaupt, dessen Befugnisse sich nach den verschiedenen Verfassungen der betreffenden Staaten richteten. G. des päpstlichen Stuhls war sonst ein Titel der Herzöge von Parma aus dem Haus Farnese.

Gong (Gong-Gong, Tschung, Lu), chines. Schlaginstrument, s. v. w. Tamtam (s. d.).