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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gordon; Gordyäa; Gordyäer; Gore; Gorecki

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Gordon - Gorecki.

sandtschaft in Persien, später Legationssekretär im Haag und in Wien und 1826 Gesandter in Brasilien, ging 1828 als Botschafter nach Konstantinopel, ward aber durch das Whigministerium abgerufen und außer Thätigkeit gesetzt, bis ihn Sir Robert Peel im Oktober 1841 zum Botschafter in Wien ernannte. Nach seines Bruders Rücktritt 1846 durch Lord Ponsonby ersetzt, starb er 8. Okt. 1847 in Balmoral bei Aberdeen.

Gordon, 1) Johann, kaiserlicher Oberst, Schotte von Geburt und Calvinist, trat auf dem Kontinent in Kriegsdienst und stieg unter Wallenstein vom gemeinen Soldaten zum Oberstleutnant in einem Terzkyschen Regiment auf. 1634 war er Kommandant von Eger und ließ zwar Wallenstein in die Festung ein, beschloß aber mit dem Befehlshaber der Truppen in Eger, Leslie, als sie von Wallensteins Absicht, zu den Schweden überzugehen, hörten, sich mit Butler zu vereinigen, und G. übernahm es, Wallensteins Vertraute, Ilow, Terzky, Kinsky und Neumann, zu ermorden (25. Febr.). Er erhielt 120,000 Gulden zur Belohnung. Über sein späteres Leben ist nichts bekannt.

2) Sir John Watson, engl. Maler, geb. 1790 zu Edinburg, Neffe des Bildnismalers George Watson, ward für den Militärdienst erzogen und kam nur, als zu jung zur Aufnahme in die Militärakademie zu Woolwich, zufällig in J. Grahams Schule zu Edinburg. Nach vierjährigem Aufenthalt daselbst widmete er sich erst der Historie, bald aber in richtiger Erkenntnis seiner Begabung dem Porträt. Von 1823 bis an seinen Tod (Juni 1864) in seiner Vaterstadt lebend, war er als deren hervorragendster Bildnismaler thätig. G. war kein bedeutender Kolorist, Schwarze und graue Töne herrschten in seinen Bildnissen vor; aber das Harmonische derselben ließ die Farbe nicht vermissen. 1850 wurde er Präsident der schottischen Akademie, 1851 Mitglied der Akademie zu London.

3) Charles George (G. Pascha), brit. Offizier, geb. 28. Jan. 1833, trat 1852 als Leutnant in das Ingenieurkorps, diente 1855-56 in der Krim und ward in den Laufgräben vor Sebastopol verwundet. Er wurde darauf bei der Kommission angestellt, welche die Grenze zwischen Rußland und der Türkei in Armenien festzustellen hatte, nahm 1860 an der chinesischen Expedition teil und trat nach Abschluß des Friedens zwischen China und England in chinesische Dienste. Nachdem er 1861-62 eine große Reise in das Innere unternommen, ward er 1863 an die Spitze der chinesischen Armee gestellt und unterdrückte die Taipingrebellion (vgl. Andrew Wilson, The ever victorious army; a history of the Chinese campaign under Lieut.-Colonel C. G. G. and of the suppression of the Taiping rebellion, 1868). In der englischen Armee war G. inzwischen 1864 zum Oberstleutnant befördert worden und wurde nach seiner Rückkehr aus China 1865 zum Kommandanten der Befestigungen in Gravesend, 1871 zum englischen Konsul im Donaudelta ernannt. 1873 trat er in ägyptische Dienste, befehligte zuerst eine Expedition in das obere Nilgebiet und ward 1877 zum Pascha und Gouverneur des ägyptischen Sudân befördert. Er erwarb sich große Verdienste um die Unterdrückung des Sklavenhandels und leitete die Verhandlungen mit Abessinien. 1879 verließ er den ägyptischen Dienst und begab sich wieder nach China, wo man ihn für den drohenden Krieg mit Rußland zu gewinnen suchte. Doch nahm er den angetragenen Oberbefehl nicht an, riet vielmehr den Chinesen zum Frieden und zog sich, nachdem er, zum General befördert, kurze Zeit Gouverneur des Kaplandes gewesen, nach Palästina zurück, wo er in Einsamkeit frommen Werken, besonders der Missionsthätigkeit, lebte. 1883 erhielt er vom König der Belgier den Auftrag, die Führung der von diesem ausgerüsteten Congoexpedition zu übernehmen, ward aber, noch ehe er dies gethan, im Januar 1884 von der englischen Regierung nach Chartum geschickt, um den aufrührerischen Sudân zu beschwichtigen. G. hoffte dies mit Geld und durch sein Ansehen zu erreichen, täuschte sich aber und erhielt von England auch lange keine Unterstützung. Als endlich die englischen Truppen bis in die Nähe Chartums vordrangen, um G. zu befreien, war dies 26. Jan. 1885 bereits durch Verrat genommen und G. ermordet. Vgl. "Der Held von Chartum, Charles G. G." (2. Aufl., Frankf. a. M. 1886); H. W. Gordon, Events in the life of Ch. G. G. (Lond. 1886), und die kleinern Biographien von Forbes (das. 1884) und Barnes (deutsch, Gotha 1885); "Journals of Major-General Charles G. G." (hrsg. von Blake, Lond. 1885).

Gordyäa, Landschaft, s. Korduene.

Gordyäer, Volk, s. Kurden.

Gore (spr. gohr), Catherine Grace, engl. Romanschriftstellerin, geb. 1799 als Tochter des Weinhändlers Moody zu East-Retford in der Grafschaft Nottingham, vermählte sich 1823 mit dem Kapitän Arthur G. und starb, gegen Ende ihres Lebens erblindet, 27. Jan. 1861 zu Linwood in Hampshire. Mit Erfindungsgabe und ungewöhnlichem Darstellungstalent ausgestattet und durch die Familienverbindungen ihres Gatten in das Treiben der aristokratischen Zirkel eingeweiht, war sie besonders befähigt, das Genre des sogen. fashionabeln Romans zu pflegen, und entwickelte darin eine außerordentliche Fruchtbarkeit. Zwischen ihrem ersten Roman: "Theresa Marchmont" (1823), und ihrem letzten: "The two aristocracies" (1859), liegen nicht weniger als 70 Werke, welche etwa 200 Bände füllen. Diese Romane geben ein treues und keineswegs geschmeicheltes Bild von dem Leben und Treiben der höhern Klassen in England und sind daher für kulturhistorische Forschungen von Interesse. Als die vorzüglichern sind hervorzuheben: "Women as they are" (1830); "Mothers and daughters" (1831); "Mrs. Armytage" (1835); "Cecil" (1845) und "Mammon" (1855). Auch schrieb sie Dramen, wie: "The bond" (1824) und "The school of coquettes" (1831), sowie ein anziehendes Werk über Blumenkultur: "The book of the roses" (1838), und komponierte Lieder, die vom Volk gesungen werden.

Gorecki (spr. -étzki), Anton, poln. Dichter, geb. 1787 in der Woiwodschaft Wilna, studierte zu Wilna, machte 1812 unter Napoleon I. den Feldzug nach Rußland mit, unternahm dann größere Reisen und ließ sich nach seiner Heimkehr in Litauen nieder, wo er sich der Landwirtschaft widmete. Beim Ausbruch der Revolution 1830 begab er sich als litauischer Agent nach der Schweiz und nach England, zuletzt nach Paris, wo er am 13. Sept. 1861 starb. G. hat durch seine an Sarkasmen reichen, aber zugleich von ritterlich-patriotischem Geist getragenen Poesien: "Gedichte eines Litauers" (1834), "Fabeln und neue Gedichte" (1839) etc., die er in Paris veröffentlichte, große Beliebtheit unter seinen Landsleuten erlangt; namentlich lebt sein Gedicht "Der Tod des Vaterlandsverräters" in aller Mund. Seine spätern Produktionen: "Mannigfaltiges" (1857), "Noch ein Bändchen" (1859), stehen den frühern nach.