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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gorgonen; Gorgonzola; Gori; Gorilla

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Gorgonen - Gorilla.

mauern, Amulette etc. Die spätere Kunst formt es zu einer im Todeskampf erstarrten, doch wunderbar schönen Frauenmaske um (Medusa Rondanini in der Münchener Glyptothek [Fig. 2], Reliefkopf der Ludovisischen Medusa), wobei an Stelle der das Haar durchzüngelnden Schlangen schließlich das wirr flatternde Haar selber tritt. Vgl. Levezow, Über die Entwickelung des Gorgonenideals in der Poesie und bildenden Kunst der Alten (Berl. 1833).

Gorgonen, Wesen der griech. Mythologie, die verschieden geschildert werden. Homer kennt nur eine Gorgo, die er als ein Ungetüm der Unterwelt darstellt, und deren schrecklich blickendes Haupt sich in der Ägis des Zeus befand. Hesiod dagegen erzählt von drei G.: Stheino oder Stheno, Euryale und Medusa, als Töchtern des Meergreises Phorkys und der Keto. Es sind furchtbare geflügelte Jungfrauen mit versteinerndem Blick, statt der Haare Schlangen tragend und mit Schlangen gegürtet; auch mit ehernen Klauen und Eberzähnen waren sie abgebildet, wie z. B. aus dem Kasten des Kypselos. In späterer, zuerst bei Pindar hervortretender Auffassung erscheint jedoch Medusa als schöne Jungfrau. Der Aufenthaltsort der G. wurde an den äußersten Westrand der Erde, in die Nachbarschaft der Nacht und der Hesperiden, verlegt. Mit Medusa verbindet sich Poseidon und zeugt mit ihr den Chrysaor und den Pegasos, die, als ihr von Perseus (s. d.) das Haupt abgeschlagen wurde, aus dem hervorquellenden Blut entsprangen. Das abgeschlagene Haupt (s. Gorgoneion) erhielt später Athene von Perseus und setzte es in ihren Brustpanzer oder in ihren Schild. Nach andern wurde es auf dem Markt zu Athen unter einem Erdhügel begraben. Schwestern der G. sind die Gräen (s. d.). Schon die Alten haben verschiedene Versuche gemacht, um diesen Gorgonenmythus zu deuten. Eine neuere unhaltbare Ansicht ging dahin, daß mit G. die öde, pflanzenleere Wüste Libyens gemeint sei, deren Unfruchtbarkeit Perseus dadurch aufhob, daß er den Nil in das ägyptische Libyen leitete. G. Hermann nimmt die G. für Personifikation der Meereswellen; ihre Namen: Stheino-Valeria (die Mächtige), Euryale-Lativola (die sich weit Wälzende), Medusa-Guberna (die durch Winde und Jahreszeiten veränderliche Strömung, welche daher als sterblich erscheint) bedeuten nach ihm nur verschiedene Seiten der Natur des Meers. Perseus-Penetrius ist ihm ein Seefahrer, der kühn durch die entgegenströmende Flut dringt, Chrysaor-Auripetus ein gewinnsüchtiger Handelsmann. Auch diese Deutung kann unmöglich richtig sein. Medusa ist ohne Zweifel das grauenvolle Dunkel des Gewitters und Perseus ein Sonnenheld. Vgl. Roscher, Die Gorgonen und Verwandtes (Leipz. 1879).

Gorgonzola, Flecken in der ital. Provinz Mailand, am Kanal Martesana und an dem Dampftramway Mailand-Bergamo gelegen, mit schöner Kirche, lebhaftem Verkehr und (1881) 3398 Einw., welche vortrefflichen Käse (Stracchino) bereiten.

Gori, Kreishauptstadt im Gouvernement Tiflis der russ. Statthalterschaft Kaukasien, links an der Kura in 612 m Höhe und an der Poti-Tiflis-Eisenbahn gelegen, mit großer, verfallener Citadelle, Lehrerseminar und (1879) 5219 Einw., war einst Hauptsitz der Fürsten von Karthli. Der Kreis G. ist der dichtest bevölkerte des Gouvernements.

Gorilla (Troglodytes Gorilla Sav., Gorilla gina Geoffr.), Affe aus der Familie der schmalnasigen Affen (Catarrhini) und der Unterfamilie der Anthropomorphen, der größte der menschenähnlichen Affen, wird 2 m hoch, besitzt einen mächtigen Kopf mit hohem Scheitel- und Hinterhauptskamm, mächtigen Nackenmuskeln, mit starker Prognathie nach vorn hervorragendem Gesichtsteil, nicht großen Ohren und Augen, letztere überdacht von mächtigen Wülsten, breiter, sehr flacher, stumpfspitziger Nase mit breiten Nasenflügeln, ziemlich niedriger Oberlippe und wulstigen Hautpartien, welche das einen wild tierischen Ausdruck zeigende Gesicht einrahmen. Am Rumpf und an den Gliedern tritt die herkulisch entwickelte Muskulatur hervor, der Hals erscheint, von vorn gesehen, wie eingegraben zwischen den starken, gewölbten Schultern, die Brust ist breit und gewölbt, der ganze Rumpf sehr lang; die mächtigen Vorderextremitäten, in allen Teilen gleichmäßig stark, sind verhältnismäßig nicht viel länger als beim Menschen, die Hände groß und breit mit kurzem Daumen. Die Oberschenkel sind abgeflacht, aber doch stark und muskelreich, an den Unterschenkeln zeigt sich mehr Wadenbildung als beim Schimpansen und Orang-Utan. An dem langen, breiten Fuß ist die große Zehe ungemein entwickelt und wie ein Daumen beweglich. Das erwachsene Weibchen ist viel kleiner als das Männchen und schmächtiger gebaut, auch fehlen die Kämme am Kopf, und die Wülste über den Augen sind weniger stark entwickelt. Bei den Jungen ist der Kopf mehr gerundet und die Kiefergegend weniger prognath, so daß der Kopf etwas unverkennbar Menschenähnliches besitzt; die Gliedmaßen sind bereits robust, aber weniger mächtig, Hände und Füße kürzer und schmäler als beim alten Tier. Die Haut des Gorillas ist runzelig, tief schwarz, die Behaarung nicht sehr dicht, besonders spärlich an Brust und Bauch, an der Innenseite der Gliedmaßen, auf Fuß- u. Handrücken. Gesicht, Handteller und Fußsohlen sind kahl. Gewölbte, breite Nägel decken Finger- und Zehenspitzen. Die Behaarung ist auf dem Scheitel braunrot, sonst fahlgrau bräunlich und schwarzbraun meliert, an den Unterarmen und Unterschenkeln schwärzlichbraun. Der G. findet sich in den dichten, feuchten Küstenwäldern der westafrikanischen Tropenwelt auf ziemlich beschränktem Gebiet, etwa zwischen dem Äquator und dem 5.° südl. Br. Hier führt er hauptsächlich ein Baumleben. Er klettert geschickt, nährt sich von den roten Früchten einer Anonacee, wildem Zuckerrohr, verwildertem Ananas und bestiehlt auch die Yams-, Maniok-, Zuckerrohr- und Sorghumfelder der Eingebornen. Er bildet Gemeinschaften von 1-3 Familien und wechselt öfters den Aufenthalt. Etwa 2 m über der Erde baut er sich ein Nachtlager auf starken Ästen aus Knüppeln, Laub und Moos, welches er aber höchstens drei- bis viermal benutzt. Auf der Erde läuft er gewöhnlich auf allen vieren. Die Eingebornen schildern den G. als ein gar fürchterliches Tier, und der Reisende Du Chaillu erzählte von ihm haarsträubende Geschichten, die aber durch andre auf ein bescheidenes Maß zurückgebracht worden sind. Danach erscheint der G. im ganzen als ein feiges Tier, welches beim geringsten Geräusch flieht. Angeschossen und in die Enge getrieben, verteidigt er sich aber mit großer Energie und bringt den Jäger durch sein furchtbares Gebiß und seine riesige Muskelkraft in große Gefahr. Junge Gorillas sind bis jetzt nur selten lebend nach Europa gebracht worden, das Berliner Exemplar erwies sich als höchst intelligent und freundlicher Behandlung überaus zugänglich. Der G. ist uns erst seit dem 16. Jahrh. bekannt geworden, wo Battel, ein englischer Abenteurer, die ersten Nachrichten gab. Genauere Nachrichten lieferten nach 1840 Wilson, Savage und Ford. Die Nachricht des