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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gouda; Goudchaux; Gouden Willem; Goudimel; Goudulin; Gough; Gouin

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Gouda - Gouin.

Gouda (auch Ter-Gouwe), Stadt in der niederländ. Provinz Südholland, nordöstlich von Rotterdam, an der Holländischen Yssel und der Gouwe und an den Eisenbahnen Utrecht-Rotterdam und G.-Haag, altertümlich gebaut, mit breiten Kanalstraßen, hat 5 Kirchen (darunter die große St. Janskirche mit 45 farbenprächtigen Glasfenstern, von denen die 12 besten 1555-77 von den Brüdern Dirk und Wouter Crabeth gemalt sind), eine städtische Bibliothek, ein schönes Rathaus (von 1449), Gymnasium, eine höhere Bürgerschule, große Kaserne, ein Hospital und (1885) 19,160 Einw. In industrieller Hinsicht ist die Fabrikation von Klinkern (aus dem Schlamm der Yssel) am wichtigsten, früher auch die von Thonpfeifen. Außerdem hat G. eine große Stearinkerzenfabrik und betreibt ansehnlichen Käsehandel. Der Kanal von G. verbindet Amsterdam mit dem Leck. 1572 schloß sich G. der Erhebung gegen Spanien an und gehörte zu den sechs Städten, welche zu den Versammlungen der Generalstaaten Abgeordnete sandten.

Goudchaux (spr. gudscho), Michel, franz. Journalist und Staatsmann, geb. 1797 zu Paris, ward 1821 nach seines Vaters Tod Chef eines bedeutenden Handelshauses und 1826 in die Deputiertenkammer gewählt, wo er zur Opposition gehörte. Bald nach der Julirevolution ward er Mitglied des Generalrats der Seine und später Kriegszahlmeister in Straßburg, doch wegen seiner Opposition gegen die Regierung 1834 dieser Stelle wieder enthoben. Später nahm er thätigen Anteil an der Redaktion des "National", in dem er mit Talent und großer Sachkenntnis die Finanzfragen behandelte. Die Februarrevolution von 1848 brachte ihn als Finanzminister in die provisorische Regierung, welcher er aber nur elf Tage angehörte. Vom 28. Juni bis 25. Okt. 1848 war er abermals Finanzminister, und nochmals bekleidete er diese Stelle, nachdem Ludwig Napoleon im Dezember 1848 Präsident geworden war, bis 1851. Im J. 1857 in die Gesetzgebende Versammlung gewählt, verweigerte er den Eid auf die Verfassung und trat daher nicht ein. Er starb 27. Dez. 1862 in Paris.

Gouden Willem, s. Wilhelmsdor.

Goudimel (spr. gudimell, oft unrichtig Gaudimel), Claude, Komponist, geboren um 1500 zu Vaison bei Avignon, war wahrscheinlich Schüler des Niederländers Josquin des Prés, errichtete um 1540 zu Rom eine Musikschule, aus der neben Animuccia und Nanini auch Palestrina hervorging, und fiel als Opfer der Bartholomäusnacht 24. Aug. 1572 in Lyon. G. hat sich besonderes Verdienst erworben als Verfasser von Tonsätzen zu den Melodien des Marot-Bezaschen Psalters der französischen Calvinisten (1565), welche acht Jahre später mit deutscher Textübersetzung von Lobwasser in Leipzig erschienen und in Deutschland den gleichen Beifall fanden wie in Frankreich. Daß die Melodien derselben nicht von Goudimels Erfindung sind, geht aus dessen Vorrede zum genannten Werk hervor, wo er sagt: "Nous avons adjousté au chant des pseaumes en ce petit volume trois parties, etc." Außerdem veröffentlichte er Messen, Motetten, Tonsätze zu Horazischen Oden und Chansons, von welch letztern ein Teil nebst gleichartigen Arbeiten des Orlando Lasso in einer 1574 zu Lyon unter dem Titel: "La fleur des chansons etc." herausgegebenen Sammlung erschien.

Goudulin (spr. gudüläng, Godolin, Goudelin, Goudouli), Pierre de, der beste der spätern provençalischen Dichter, geb. 1579 zu Toulouse, widmete sich der Rechtswissenschaft und ward Advokat, wendete sich aber dann ganz der Poesie zu. Er hatte seinen Geist durch die Lektüre der klassischen Dichter genährt und wählte für seine Dichtungen die weiche, bildsame und wohlklingende provençalische Sprache. Sein Ruf verbreitete sich bald durch ganz Südfrankreich, in den Schlössern der Großen wurden seine Verse gesungen oder vorgetragen. Der liebenswürdigste Gesellschafter, war er überall willkommener Gast, und nur seinem Dichtergenius folgend, kümmerte er sich nicht um Geld und Gut. Infolge dieser Sorglosigkeit sah er allmählich sein kleines väterliches Besitztum schwinden und wäre in die drückendste Lage geraten, wenn der Gemeinderat von Toulouse ihm nicht eine Pension von 300 Livres bewilligt hätte, von welcher er fortan lebte. Sein Ende nahe fühlend, ging er in das dortige Karmeliterkloster, wo er 10. Sept. 1649 starb. Seine Gedichte, die aus Chants royaux, Balladen, Stanzen, Elegien und Epigrammen bestehen, zeichnen sich weniger durch Gedanken- und Gefühlstiefe als durch Anmut und durch den Reiz der melodischen Sprache aus, deren er sich bediente. Für das schönste derselben gilt mit Recht die Ode auf den Tod Heinrichs IV. Ein in nordfranzösischer Sprache abgefaßter Chant royal trug bei den Jeux floraux den Preis davon. Seine Werke erschienen gesammelt unter dem Titel: "Las obras de P. G." (Toulouse 1648 und 1693; Amsterd. 1700, 2 Bde.), am besten herausgegeben von Cayla und Paul ("Œuvres complètes et poésies inédites", Toulouse 1843, 2 Bde.). Auch wurden sie in das Italienische, Spanische und Lateinische übersetzt.

Gough (spr. ghöff), Hugh, Viscount, engl. Feldherr, geb. 3. Nov. 1779 zu Woodstown in der Grafschaft Limerick, trat 1794 in die Armee und diente zunächst im Kapland und in Westindien sowie seit 1809 auf der Pyrenäischen Halbinsel. 1841 kommandierte er als Generalmajor die zum Opiumkrieg gegen China bestimmten Truppen. Im Dezember 1842 zum Baronet und Generalleutnant erhoben, erhielt er das Oberkommando in Indien. Seine erste Waffenthat hier war sein Sieg über die Marathen bei Maharadschpur 29. Dez. 1843. Noch glänzendere Lorbeeren erwarb er sich in dem Krieg mit den Sikh, denen er bei Mudki (18. Dez. 1845) und Sobraon (10. Febr. 1846) zwei entscheidende Niederlagen beibrachte, deren Folge die Abtretung des ganzen Landes zwischen dem Satledsch und dem Bias an England war. G. erhielt den Dank des Parlaments und wurde 7. April 1846 zum Baron G. erhoben. Als im Herbst 1848 die Sikh den Krieg erneuerten, ging G. sofort über den Tschenab und lieferte dem Feind 13. Jan. 1849 die Schlacht von Chillianwallah, in der die Engländer nur mit Mühe nach ansehnlichem Verlust das Schlachtfeld behaupteten. Die Direktion der Ostindischen Kompanie gedachte ihm bereits das Kommando abzunehmen; allein schon 21. Febr. hatte G. die Sikh bei Gudscharat wieder angegriffen und sie trotz hartnäckiger Gegenwehr fast aufgerieben. Die Frucht dieser Siege war die Einverleibung des Pandschab in das britische Reich. G. ward 14. Juni 1849 zum Viscount G. von Gudscharat und Limerick erhoben und kehrte nach England zurück; er trat ins Oberhaus ein, wo er der liberalen Partei angehörte, wurde 1862 zum Feldmarschall befördert und starb 2. März 1869 in London.

Gouin (spr. gu-äng), Alexandre, franz. Finanzmann, geb. 26. Jan. 1792 zu Tours, ward Bankier und Mitglied des Pariser Handelsrats und trat 1831 als Deputierter des Departements Indre-et-Loire in die Kammer, wo er stets für die Regierung stimmte.