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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Goum; Gounod; Gour; Gourcouff; Gourde; Gourdon; Gourgaud

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Goum - Gourgaud.

10,649 mit bloßem Auge sichtbare Sterne des südlichen Himmels bis herab zur siebenten Größe enthält. Auch schrieb er: "Report of the discovery of the planet Neptune" (Washingt. 1850); "Discussions of observations made by the United States astronomical expedition to Chili, to determine the solar parallax" (das. 1856).

3) Jay, berüchtigter nordamerikan. Geldmann, geboren als Sohn eines unbemittelten Farmers zu Roxbury im Staat New York, wandte sich nach einem abenteuerlichen Jugendleben 1859 dem Eisenbahnwesen zu und machte sich dadurch, daß er mehrere im bankrotten Zustand befindliche Zweigbahnen wieder zur Blüte brachte, einen Namen. In New York ansässig, stürzte sich G. mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in den Strudel der Spekulation. Zunächst beutete er die Erie-Eisenbahngesellschaft dermaßen aus, daß er, als diese 1872 einen Kriminalprozeß gegen ihn anstrengte, sich ohne weiteres zu einer Restitution von 9 Mill. Doll. verstehen konnte. Als seine berüchtigtste That wird die große Goldhausse Ende der 60er Jahre hingestellt, die bei ihrem Zusammenbruch Millionen schwer schädigte oder gänzlich ruinierte, während G. selbst reichen Gewinn daraus erntete. Nun wandte er sich wieder dem Eisenbahnwesen zu und machte besonders mit den nach der Krisis von 1873 bis auf 14 gefallenen Aktien der Union-Pacificbahn einen unerhörten Gewinn. Die Länge der von G. gebauten oder von ihm beherrschten Bahnen wird auf über 20,000 km und die Höhe des Kapitals derselben an Aktien und Bons auf 650 Mill. Dollars angegeben. G. ist auch nach Greeleys Tod Haupteigentümer der "New York Tribune".

4) Sabine, s. Baring-Gould.

Goum, s. Gum.

Gounod (spr. guno), Charles François, Komponist, geb. 17. Juni 1818 zu Paris, studierte am dortigen Konservatorium unter Halévy, Le Sueur und Paer die Komposition und errang 1839 mit der Kantate "Fernand" den sogen. römischen Preis. Während seines Aufenthalts in Rom bildete die italienische Kirchenmusik sein Hauptstudium; eine bei seiner Rückkehr in Wien 1843 aufgeführte Messe im Palestrina-Stil war die erste Frucht desselben. Wieder in Paris angelangt, übernahm er die Leitung der Musik in der Kirche der Missions étrangères, ließ aber im übrigen nichts von sich hören bis zum April 1851, wo seine erste Oper, "Sappho", in der Großen Oper zur Aufführung gelangte, welcher 1852 die Chöre zu der Ponsardschen Tragödie "Ulysse" und 1854 die fünfaktige Oper "La nonne sanglante" folgten. Gounods fernere dramatische Arbeiten waren die nach Molières gleichnamigem Lustspiel bearbeitete komische Oper "Le médecin malgré lui" (1858) und die große Oper "Faust et Marguerite" (1859), welch letztere einen durchgreifenden Erfolg hatte und auch auf allen größern Bühnen des Auslandes Beifall fand. Selbst in Deutschland, wo die Zurichtung der Goetheschen Faustdichtung durch die Verfasser des Libretto, Barbier und Carré, gerechten Unwillen hervorrief, vermochten die Originalität und der Melodienreichtum der Gounodschen Musik sowie ihre durch geschickte Behandlung des Orchesters noch erhöhte dramatische Wirksamkeit alle litterarischen Bedenken so weit zu überwinden, daß der "Faust" ein Liebling des Publikums wurde. Spätere Opern sind: "Philémon et Baucis" (1860), die sich nicht zu halten vermochte; "La reine de Saba" (1862), die nur in Paris und Darmstadt zur Aufführung kam; "Mireille" (1864), die wieder bedeutenden Erfolg hatte; "Romeo et Juliette" (1867), welche auch die Runde über die deutschen Opernbühnen machte; "Polyeucte" (nach Corneille, 1878), die nur in Paris und zwar ohne Erfolg aufgeführt wurde; endlich die ebenfalls auf Paris beschränkt gebliebene komische Oper "Cinq-Mars" und als letzte große Oper: "Le tribut de Zamora" (1881), die wieder beifälligere Aufnahme fand. Außerdem schrieb G. wertvolle Kirchenkompositionen, mehrere Oratorien ("Redemption", 1882 in England, später auch in Deutschland aufgeführt; "Mors et vita", 1885 in England aufgeführt), Kantaten etc., ferner Symphonien, Klavierstücke und eine große Anzahl von Liedern. Zu seiner Popularität hat nicht wenig seine Bearbeitung des ersten Präludiums aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Bach beigetragen, so wenig künstlerische Bedeutung dieser Einfall auch beansprucht. G., der 1870-75 in England verweilte, war schon 1866 an Clapissons Stelle zum Mitglied der Pariser Akademie der Künste erwählt worden und wurde 1877 durch die Ernennung zum Kommandeur der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Gour (spr. gaur), Stadt in Bengalen, s. Gaur.

Gourcouff (spr. gurkuf), Graf von, aus einer alten Adelsfamilie in der Bretagne stammend, geb. 11. Nov. 1780, hat sich durch eine fast 50jährige Leitung der Compagnie des assurances générales, deren vier Zweige er nach und nach ins Leben rief, ein großes Verdienst um das Versicherungswesen in Frankreich erworben. Er starb 19. Mai 1866 in Paris.

Gourde (franz., spr. gurd'), s. Gurde.

Gourdon (spr. gurdóng), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Lot, am Bleu, mit Resten alter Mauern (jetzt in einen Boulevard umgewandelt), schöner Hauptkirche (14. Jahrh.), Segeltuch- und Wollzeugfabrikation, Handel mit Wein, Öl, Trüffeln und Nüssen und (1881) 2798 Einw.

Gourgaud (spr. gurgoh), Gaspard, Baron de, franz. General, geb. 14. Sept. 1783 zu Versailles, erhielt seine Ausbildung in der polytechnischen Schule, wurde 1802 Leutnant der Artillerie und zeichnete sich bei der Einnahme der Donaubrücke in Wien 1805, bei Austerlitz, bei Jena und namentlich bei Wagram aus. 1812 begleitete er als Ordonnanzoffizier den Kaiser auf dem Feldzug nach Rußland und auf denen in Deutschland und Frankreich 1813 und 1814. In der Schlacht von Brienne rettete er dem Kaiser das von Kosaken bedrohte Leben und ward zum Obersten ernannt. Nach der ersten Restauration wurde er Chef des Generalstabs der 1. Militärdivision, trat aber nach Napoleons Rückkehr zu diesem über und focht als dessen Generaladjutant bei Waterloo. Er begleitete darauf den Kaiser nach Rochefort und überbrachte dessen Brief an den Prinz-Regenten nach England. Dann war er unter der kleinen Zahl treuer Gefährten, die Napoleon in sein Exil nach St. Helena folgten. Streitigkeiten mit einem der übrigen Begleiter bewogen ihn, 1818 nach Europa zurückzukehren. Von England aus verwendete er sich vergeblich bei der Kaiserin Marie Luise und den zu Aachen versammelten Monarchen für die Freilassung Napoleons. Die Darstellung der Schlacht bei Waterloo in seinem "Récit de la campagne de 1815" (Par. 1818), durch die sich der Herzog von Wellington beleidigt fühlte, veranlaßte seine Verweisung aus Frankreich, und erst 1821 erhielt er die Erlaubnis zur Rückkehr. Das "Examen critique" von Ségurs "Histoire de la grande armée" (Par. 1825, 4. Aufl. 1826; deutsch, Quedlinb. 1828) hatte ein Duell mit diesem zur Folge; auch begann er mit Walter Scott einen litterarischen Streit wegen des-^[folgende Seite]