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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Grandville; Granella; Granen; Granet; Grangemouth; Granier de Cassagnac

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Grandville - Granier de Cassagnac.

2633 m durch einen Berg bei Harecastle. Mittels des Oxforder und des Grand Junction-Kanals steht er auch mit der Themse in Verbindung.

Grandville (spr. grangwil), Jean Ignace Isidore Gérard, genannt G., franz. Zeichner und Karikaturist, geb. 3. Sept. 1803 zu Nancy, trat 1828 mit einer Reihenfolge von humoristischen Sittenbildern: "Les métamorphoses du jour" (70 Blätter, hrsg. von Ch. Blanc, mit Text von Beaulieu, 1853), wo Menschen mit Tierköpfen abgebildet sind, unter großem Beifall an die Öffentlichkeit. Eine ähnliche Folge von satirischen Blättern sind die "Animaux parlants" (1840-42, neue Ausg. 1852), eine originelle, echt komische Persiflage menschlicher geselliger Zustände. Nach der Julirevolution wurde G. mit Decamps und Daumier die Seele der "Caricature". Sein "Convoi de la liberté", seine "Basse cour", sein "Mât de cocagne" und viele andre Blätter, die er für dieselbe lieferte, sind als treffende Darstellungen der damaligen politischen und Kulturgeschichte von hohem Interesse. Die Zeichnungen sind stets geistvoll und kaustisch. Als die Septembergesetze der politischen Karikatur ein Ende machten, wandte sich G. wieder zu satirischen Darstellungen, welche ohne bittern Hohn die kleinern Gebrechen und Thorheiten des Lebens geißeln. Er lieferte nach und nach die Zeichnungen zu Prachtausgaben von Bérangers Gedichten, Lafontaines und Florians Fabeln, Robinsons Abenteuern, Gullivers Reisen, Hugos "Leben Napoléons", Reybauds "Jérôme Paturot" sowie zu mehreren illustrierten Werken, als: "Un autre monde" (1843), "Les petites misères de la vie humaine" (50 Blätter, 1841-42), "Les cent proverbes" (50 Blätter, 1844), "Les fieurs animées" (52 Bl., 1846; 3. Aufl. 1859) etc. G. starb 17. März 1847. Seine zahlreichen Zeichnungen sind Meisterstücke ihres Genres.

Granella, Viktor, Pseudonym, s. Tangermann.

Granen, s. Haken.

Granet (spr. -nä), François Marius, franz. Maler, geb. 17. Dez. 1775 zu Aix, war zuerst Schüler des Landschaftsmalers Constantin und dann Davids, bei welchem er sich der Architektur- und Interieurmalerei widmete. Im J. 1802 ging er nach Rom, wo er sich für längere Zeit niederließ und eine große Zahl von Innenansichten von Klöstern und Kirchen ausführte, welche er durch historische oder genrehafte Staffage belebte. Darunter ist ein Chor des Kapuzinerklosters auf der Piazza Barberini hervorzuheben, welchen er 15mal wiederholen mußte. Im J. 1819 kehrte er nach Paris zurück, wurde 1826 zum Konservator der Gemälde im Louvre ernannt und 1830 zum Mitglied des Instituts gewählt, nahm aber häufig einen längern Aufenthalt in Rom. Nach der Revolution von 1848 zog er sich nach Aix zurück und starb 21. Nov. 1849 daselbst. Seine Gemälde machen einen fesselnden Eindruck, namentlich durch das Helldunkel, das er mit dem wärmsten Kolorit zu verbinden wußte. Seine Staffage ist einfach, aber durch meisterhafte physiognomische Charakteristik fesselnd. Das Louvre besitzt einige seiner Hauptbilder: das Innere des Kolosseums, den Maler Soddoma im Hospital, Inneres der Unterkirche in Assisi und Loskaufung von Gefangenen in Algier durch Redemptoristen.

Grangemouth (spr. gréhndsch-mauth), Seestadt in Stirlingshire (Schottland), oberhalb der Mündung des Carron in den Firth of Forth, mit Docks, Schiffswerfte, Ausfuhr von Eisen und Steinkohlen und (1881) 4560 Einw. Zum Hafen gehörten 1885: 70 Seeschiffe von 13,088 Ton. Gehalt. Wert der Einfuhr vom Ausland (1885) 1,618,189 Pfd. Sterl., der Ausfuhr dahin 520,831 Pfd. Sterl. G. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Granier de Cassagnac (spr. granie dö kassanjáck), 1) Adolphe de, franz. Publizist, geb. 12. Aug. 1806 zu Avéron Bergelle (Gers), kam 1832 nach Paris, wo er sich als Journalist in Zeitungen verschiedenster Richtung durch die zügellose Dreistigkeit seiner Sprache bemerklich machte und sich viele Streitigkeiten und Prozesse zuzog. Während er vor 1848 eifriger und wohlbezahlter Verteidiger der Orléansschen Dynastie gewesen war, schloß er sich nach dem Sturz derselben dem aufgehenden Gestirn Napoleons an und wurde ein leidenschaftlicher Bonapartist, forderte die Rettung Frankreichs durch einen Staatsstreich und überhäufte die Orléans mit Schmähungen. Von 1852 bis 1870 war er Vertreter seines heimatlichen Departements im Gesetzgebenden Körper, in dem er der Gruppe der sogen. Arkadier angehörte, und Redakteur verschiedener Zeitungen, namentlich des "Pays". Gehässige Polemik, ultrakonservative und absolutistische Grundsätze, Prozesse und Duelle machten seinen Namen bekannt, wenn auch nicht geachtet. Nach Napoleons Sturz 1870 lebte er in dessen Nähe in Wilhelmshöhe und dann in Brüssel und kehrte nach dem Frieden 1871 nach Paris zurück, wo er erst das "Pays" wieder herausgab, dann "L'Ordre" gründete und an den bonapartistischen Intrigen hervorragenden Anteil nahm. 1876 wurde er zum Mitglied der Deputiertenkammer gewählt und starb 31. Jan. 1880 auf seinem Schloß Coulomé (Departement Gers). Außer seinen journalistischen Arbeiten hat G. auch mehrere größere geschichtliche Werke veröffentlicht, von denen wir folgende nennen: "Histoire des classes ouvrières et des classes bourgeoises" (1837), "Histoire des classes nobles et des classes anoblies" (1840), "Histoire des causes de la Révolution française" (1850, 4 Bde.; 2. Aufl. 1856), "Histoire du Directoire" (zuerst im Feuilleton des "Constitutionnel"; 1851-63, 3 Bde., besonders herausgegeben), "Histoire de la chute du roi Louis-Philippe, etc." (1857, 2 Bde.), "Histoire des Girondins et des massacres de septembre" (1860, 2 Bde.; 2. Aufl. 1862), "Histoire des origines de la langue française" (1872) u. "Histoire populaire de l'empereur Napoléon III" (1875), lauter gut geschriebene Improvisationen, bei denen die Lebhaftigkeit der Darstellung über die öfters mangelhafte Quellenforschung und die Parteilichkeit der Auffassung wegsehen läßt. Auch zwei Romane hat G. geliefert: "Danaé" (1840) und "La reine des prairies" (1845, 2. Aufl. 1859), sowie eine Beschreibung seiner "Voyage aux Antilles françaises" (1844, 2 Bde.) und "Souvenirs du second Empire" (1879-1883, 3 Bde.). Eine Sammlung seiner litterarischen Kritiken erschien unter dem Titel: "Portraits littéraires" (Par. 1852).

2) Paul Adolphe Marie Prosper de, Sohn des vorigen, welcher sich gewöhnlich bloß Cassagnac nennt, geb. 2. Dez. 1843, ein des Vaters würdiger Politiker; als Redakteur des von demselben 1866 gegründeten "Pays" hatte er mehrere skandalöse Duelle mit den spätern Kommunisten Rochefort, Flourens und Ranc und wurde von Lullier thätlich mißhandelt. 1870 geriet er als Freiwilliger in einem Zuavenregiment der Division Douay bei Sedan in Gefangenschaft und wurde in Kosel interniert. Nach Frankreich zurückgekehrt, wirkte er seit 1872 als Redakteur des "Pays" mit großer Kühnheit für die Thronerhebung des kaiserlichen