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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Grétry; Gretsch; Greußen; Greuter; Greux; Greuze

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Grétry - Greuze.

der Prinz von Capua, Bruder Ferdinands II. von Neapel (mit Miß Penelope Smith), etc. Als 1848 in England auf alle heimlichen Verehelichungen die Strafe der Verbannung gesetzt wurde, minderten sich die Trauungen zu G. allerdings, hörten jedoch keineswegs auf. Seit 1857 müssen Braut und Bräutigam, die in Schottland getraut sein wollen, wenigstens drei Wochen vor der Trauung daselbst gewohnt haben.

Grétry, André Ernest Modeste, Komponist, geb. 8. Febr. 1741 zu Lüttich, bildete sich in Rom unter Casali und begab sich dann nach Paris, wo er mit seinen komischen Opern: "Le Huron" (1768) und "Lucile" (1769) große Erfolge erzielte. Später ließ er deren noch mehr als 40 folgen, darunter: "Le tableau parlant", "Zémire et Azor", "L'ami de la maison", "Raoul" (Blaubart) und "Richard Cœur-de-Lion", von denen die letztere noch bis zur Gegenwart beliebt geblieben ist. 1795 wurde G. zum Inspektor des Konservatoriums und das Jahr darauf zum Mitglied des Institut de France ernannt; später erhielt er auch von Napoleon I. eine Pension, welche ihn in den Stand setzte, sich aufs Land nach Ermenonville bei Paris zurückzuziehen, und hier, in dem von ihm erworbenen Landhaus J. J. Rousseaus, der sogen. Eremitage, starb er 24. Sept. 1813. Seine Vaterstadt errichtete ihm 1842 eine Statue, und bereits 1785 hatte ihn die Stadt Paris dadurch geehrt, eine beim Italienischen Theater belegene Straße nach seinem Namen zu benennen. Grétrys meist für die Opéra-Comique geschriebenen Kompositionen zeichnen sich durch Wahrheit des musikalischen Ausdrucks und Melodienreichtum vorteilhaft aus und haben auf die Bildung des musikalischen Geschmacks großen Einfluß geübt. Auch als Schriftsteller hat er sich durch seine "Mémoires, ou essais sur la musique" (neue Aufl., Par. 1796, 4 Bde.; deutsch, Leipz. 1800) vorteilhaft bekannt gemacht. Eine Gesamtausgabe seiner Opern, herausgegeben von der Kommission zur Veröffentlichung von Werken älterer belgischer Komponisten, erscheint seit 1883. Grétrys Biographie schrieben E. Gregoir (Brüssel 1883) und Brenet (das. 1884).

Gretsch, Nikolai Iwanowitsch, russ. Schriftsteller, geb. 2. Aug. (a. St.) 1787 zu Petersburg aus einer ursprünglich böhmischen Familie, war 1809-13 Oberlehrer der russischen Litteratur an der deutschen Hauptschule zu St. Petri, dann bis 1816 am Petersburger russischen Gymnasium, bereiste darauf Deutschland und Frankreich und wurde 1830 im Ministerium des Innern angestellt, dessen "Journal" er gründete. Im J. 1836 trat er in das Finanzministerium über, machte neue Reisen in England, Frankreich und Deutschland, um die Real- und Gewerbeschulen dieser Länder kennen zu lernen, und wurde 1838 Wirklicher Staatsrat. Schon 1812 hatte er die Wochenschrift "Ssyn otétschestwa" ("Sohn des Vaterlandes") gegründet, die er bis 1838 redigierte; seit 1825 gab er (anfangs mit Bulgarin) die "Sséwernaja Ptschelà" ("Nordische Biene") heraus, von deren Redaktion er 1860 zurücktrat. Er starb 12. Jan. (a. St.) 1867. Unter seinen zahlreichen Werken verdienen besondere Hervorhebung: "Handbuch der russ. Litteratur" (Petersb. 1819-22, 4 Bde.), das neben Proben aus den besten russischen Autoren eine Rhetorik und Poetik und eine kurze Geschichte der russischen Litteratur (übersetzt von Otto: "Lehrbuch der russischen Litteratur", Riga 1837) enthält; ferner "Ausführliche russische Sprachlehre" (Petersb. 1827, 2. Aufl. 1830; franz. von Reiff, das. 1828, 2 Bde.) und "Praktische russische Grammatik" (das. 1827), aus der er einen Auszug unter dem Titel: "Grundregeln der russischen Sprachlehre" (deutsch von Oldecop, 1830) veranstaltete. Als Belletrist trat er auf mit den Romanen: "Ausflucht eines Russen nach Deutschland", in Briefen (1831; deutsch, Leipz. 1831) und "Die schwarze Frau" (1834; deutsch, Leipz. 1837, 4 Bde.), beides mißlungene Produkte. Seine Reiseerfahrungen veröffentlichte er in den "Reisebriefen aus England, Frankreich und Deutschland" (Petersb. 1838, 3 Bde.) und in den "Briefen von einer Reise nach Deutschland und Italien" (das. 1843, 3 Bde.). Seine in Petersburg gehaltenen "Vorlesungen über die russische Litteratur" erschienen daselbst 1841 in 2 Bänden. Das "Russische Konversationslexikon", dessen Redaktion er 1834 übernahm, führte er bis zur Hälfte des 7. Bandes; mit dem General Baron v. Seddeler redigierte er später das "Militärlexikon". Interessante Memoiren von G.: "Aufzeichnungen über mein Leben" (russisch), gab Ssuworin (Petersb. 1886) heraus.

Greußen, Stadt in der Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, in fruchtbarer Gegend an der Helbe und an der Eisenbahn Erfurt-Nordhausen, hat ein Amtsgericht, lebhaften Produktenhandel, eine Konserven- und eine Zuckerfabrik, Tuffsteingräberei, Bierbrauerei und (1885) 3489 evang. Einwohner.

Greuter, Joseph, österreich. klerikaler Abgeordneter, geb. 1817 zu Tarrenz im Oberinnthal, ward 1850 zum Priester geweiht und als Professor am Gymnasium zu Innsbruck angestellt. 1861 in den Tiroler Landtag gewählt, erlangte er bald die Führung der ultramontanen Majorität in demselben, welche ihn 1864 als ihren Vertreter in das Abgeordnetenhaus des Wiener Reichsrats schickte. Demselben hat er seitdem ununterbrochen angehört und sich durch seine grobkörnige, kapuzinerhafte Beredsamkeit einen Namen gemacht. Er hält sich zum äußersten rechten Flügel der ultramontanen Partei, welche sich mit dem Föderalismus verbündet hat. Von ihm erschienen im Innsbrucker Gymnasialprogramm 1856: "Ursachen und Entwickelung des Bauernaufstandes im Jahr 1525, mit besonderer Rücksicht auf Tirol".

Greux (spr. gröh), Gustave Marie, franz. Kupferstecher und Radierer, geb. 1838 zu Paris, besuchte anfangs das Atelier des Malers Gleyre, betrieb aber des Broterwerbs wegen fast nur die Dekorationsmalerei, in der er sich eine große Fertigkeit und Leichtigkeit in der Zeichnung von Ornamenten aller Art erwarb. Seit 1860 widmete er sich der Radier- und Kupferstecherkunst. Seine Pariser Ansichten, sein Inneres von Notre Dame (1869) und namentlich der Lettner der Kirche St.-Etienne du Mont in Paris begründeten seinen Ruf. Von seinen übrigen Arbeiten sind die Stiche für Lièvres "Collections célèbres d'œuvres d'art" und mehrere seit 1873 entstandene Radierungen nach Memlinc, Ruisdael, van de Velde, Snyders, Delacroix, Diaz und andern Meistern zu nennen.

Greuze (spr. gröhs'), Jean Baptiste, franz. Maler, geb. 21. Aug. 1725 zu Tournus bei Mâcon, erhielt den ersten Unterricht von dem Lyoner Maler Gromdon und bildete sich dann auf der Pariser Akademie nach dem Modell. Sein erstes größeres Bild, ein Familienvater, seinen Kindern die Bibel auslegend, fand lebhaften Beifall. Im J. 1755 begab er sich nach Rom, ohne jedoch durch diese Reise seine auf andre Ziele gerichtete Kunst zu fördern. Erst auf Andringen der Akademie, welche ihn als "aggrégé" angenommen hatte und auf seine Probearbeit wartete, trat er 1768 mit einem Bild aus dem historischen