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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Grey; Greyerz; Greymouth; Greytown; Grezseide; Grezzana; Grias; Gribeauval; Griblette; Gribojédow

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Grey - Gribojedow.

Jahren 1837-39 unternahm er, unterstützt von der Regierung und der Londoner Geographischen Gesellschaft, wissenschaftliche Expeditionen nach dem westlichen und nordwestlichen Australien, deren Resultate er unter dem Titel: "Journal of two expeditions of discovery in North-West and Western Australia" (1841, 2 Bde.) veröffentlichte. Bald darauf arbeitete er eine Denkschrift über die Politik aus, nach welcher die britischen Besitzungen in der Südsee und in Südafrika am vorteilhaftesten zu verwalten seien, und in der That hat die Befolgung seiner Vorschläge den gegenwärtigen blühenden Zustand jener Kolonien wesentlich begründen helfen. Als die Kolonie Adelaide in Südaustralien 1840 ihren Bankrott erklärte, ward G. 1841 als Statthalter dahin gesandt, und es gelang ihm, binnen fünf Jahren die zerrütteten Verhältnisse zu ordnen. Mit gleichem Geschick wußte er von 1846 bis 1847 die in Neuseeland zwischen den Eingebornen, der Neuseelandkompanie und der Regierung ausgebrochenen und bereits bis zu Feindseligkeiten gesteigerten Zerwürfnisse beizulegen. 1854 auf den schwierigen Posten des Gouverneurs der Kapkolonie berufen, erwarb er sich durch Versöhnung der den Engländern feindlich gesinnten Buren und der Kaffern mit den englischen Kolonisten sowie durch die Organisation von Britisch-Kaffraria an der Ostküste namhafte Verdienste. Im Sommer 1859 wurde G. von dem Ministerium Derby wahrscheinlich wegen seiner Unterstützung der Opposition der Kolonie gegen das Mutterland nach England zurückberufen, erhielt aber schon im Oktober d. J. vom Kabinett Palmerston die Stelle als Gouverneur des Kaplandes und von Südafrika zurück. Der Bibliothek der Kapstadt schenkte er seine reiche Büchersammlung, deren Katalog Bleek herausgab ("Library of Sir George G.", Kapstadt 1858, 2 Bde.). Als 1861 der gefährliche Aufstand der Maori in Neuseeland ausbrach, wurde G., der früher bei den Maori sehr beliebt gewesen war, wieder dorthin gesandt. Die Unterhandlungen, die er anknüpfte, waren zwar erfolglos; dagegen gelang es ihm erst im Verein mit General Cameron, später, nachdem er mit diesem in Konflikt geraten war, allein, von 1863 bis 1865 die Befestigungen der Maori zu nehmen und diese 1865 zum Frieden zu zwingen. 1867 kehrte G. nach England zurück.

Grey (spr. greh), Thomas Philipp Robinson, Graf de, engl. Staatsmann, geb. 8. Dez. 1781, beteiligte sich erst in vorgerücktern Jahren an den politischen Angelegenheiten, indem er 1834 in dem kurzen Ministerium Robert Peels das Amt des ersten Lords der Admiralität erhielt. Er gehörte seitdem zu den Führern der konservativen Partei und war im zweiten Ministerium Peels 1841-44 Lord-Statthalter von Irland, wo er gegenüber der von O'Connell geleiteten Repealagitation einen schwierigen Stand hatte, aber trotzdem durch sein leutseliges Wesen Popularität gewann. Seit dem Zerfall der Torypartei 1846 zog er sich mehr und mehr vom öffentlichen Leben zurück, sich wissenschaftlichen Studien widmend. Er war Präsident des Instituts der britischen Architekten, Mitglied der Royal Society, der Society of antiquaries und andrer gelehrter Vereine. Er veröffentlichte 1853 eine biographische Skizze seines langjährigen Freundes, des Herzogs von Wellington. G. starb 14. Nov. 1859 in London kinderlos. Der Titel Graf de G. ging auf seinen Neffen George Frederick Samuel Robinson über, s. Ripon.

Greyerz, Stadt, s. Gruyères.

Greymouth (spr. gréhmöth), Stadt an der Westküste der Südinsel von Neuseeland, in der Provinz Westland, an der Mündung des De Grey-Flusses, mit Hospital, Gasanstalt und (1881) 2544 Einw. In der Nähe ergiebige Goldfelder, an denen 1884-85: 580 Europäer und Chinesen beschäftigt waren, sowie Kohlengruben.

Greytown (spr. grehtaun), Stadt, s. San Juan.

Grezseide, s. Grège.

Grezzana, Dorf in der ital. Provinz Verona, mit (1881) 523 Einw. und reichen Marmorbrüchen, Fundort merkwürdiger Versteinerungen. Dabei der Ponte di Veja, eine malerische, kolossale Naturbrücke mit einem Bogen von 47 m Spannung und einer Breite der obern Fläche von 6 m. Ein Bergbach ergießt sich als kleiner Wasserfall unter dem Bogen durch; Höhlen mit Stalaktiten flankieren die Brücke.

Grias L., Gattung aus der Familie der Myrtaceen. G. cauliflora L. (Anschovisbirne), in Jamaica, ein schlanker, nicht verzweigter Baum mit einer großen Krone hängender, glänzend grüner, abwechselnd stehender, lanzettlicher Blätter, welche oft über 1 m lang sind, großen, weißen, in Büscheln aus dem alten Holz herausbrechenden Blüten und nußbraunen Beeren, welche eingemacht genossen werden; wird bei uns in Gewächshäusern kultiviert.

Gribeauval (spr. gribowall), Jean Baptiste Vaquette de, Ingenieur und Artilleriegeneral, geb. 15. Sept. 1715 zu Amiens, trat 1732 in die Artillerie, ward 1752 Hauptmann bei dem Mineurkorps, 1757 Oberstleutnant. Bald darauf trat er als General und Kommandant des Artillerie- und Mineurkorps in österreichische Dienste. Vor Glatz 1760 leitete er die Belagerungsarbeiten unter dem General Harsch. 1762 verteidigte er unter dem Feldzeugmeister Guasco Schweidnitz gegen Friedrich d. Gr., wobei er Gelegenheit fand, sein System der Minierkunst in Anwendung zu bringen. Maria Theresia ernannte G. dafür zum Feldmarschallleutnant. Nach geschlossenem Frieden kehrte G. als Maréchal de Camp der Artillerie nach Frankreich zurück, wurde Generalinspekteur der Artillerie, 1765 Generalleutnant, nach Ludwigs XVI. Thronbesteigung Gouverneur des großen Arsenals. G. starb 9. Mai 1789. Er machte sich um die Artillerie und das Befestigungswesen vielfach verdient; eine Art Lafetten führt seinen Namen. Vgl. Passac, Précis sur M. de G. (Par. 1816).

Griblette (franz.), mit Speck umwickeltes Fleisch, welches auf dem Rost gebraten wird.

Gribojédow, Alexander Ssergejewitsch, bedeutender russ. Dichter und Staatsmann, geb. 4. Jan. 1793 zu Moskau, erhielt eine sehr gute Erziehung und schloß sich auf der Universität seiner Vaterstadt innig an den aus Göttingen dahin berufenen Professor der Geschichte und Ästhetik, Johann Buhle, an, welcher ein begeisterter Verehrer der dramatischen Poesie war und seinem jungen Freund in gleicher Weise diese Begeisterung einzuimpfen wußte. Im J. 1812 trat G. in die Armee, blieb jedoch in derselben nur ein paar Jahre und ging 1817 ins Ministerium des Auswärtigen über, von wo er in demselben Jahr als Sekretär der russischen Gesandtschaft nach Persien geschickt wurde. In dieser Stellung verblieb er drei Jahre und wurde danach auf seine Bitte als Sekretär für auswärtige Korrespondenz bei Jermolow, dem damaligen Oberkommandierenden in Grusien und im Kaukasus, angestellt. Die Verdienste, welche er sich im russisch-persischen Krieg erwarb (er leitete die Friedensverhandlungen), bewogen Kaiser Nikolaus, G. 1828 als bevollmächtigten Minister nach Persien zu