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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Griespfeiler - Grignan.

Griespfeiler (Griessäulen), bei Schleusenwehren die Zwischenstützen, welche oft durch Griesholme verbunden werden.

Grieß, ein Mühlenprodukt, feiner als die feinsten Graupen, aber viel gröber als Mehl, wird bei der heutigen Müllerei stets erhalten, aber größtenteils weiter auf Mehl (Grießmehl) verarbeitet. Soll der G. als solcher in den Handel kommen, so wird er sehr sorgfältig auf Siebwerken behandelt. Weizen-, Reis- und Maisgrieß sind die gangbarsten Sorten, welche in der Küche und feinern Bäckerei viel verbraucht werden. Aus Maisgrieß bereitet man in Italien die Polenta. Gefärbte Grießkörner benutzt man in der Blumenmacherei zur Herstellung der Staubgefäße.

Grießmüllerei (Hochmüllerei), s. Mühlen.

Grieswurzel, s. Cissampelos.

Griethhausen, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Kleve, an einem alten Rheinarm, mit (1885) 802 kath. Einwohnern, ist durch die Aufopferung der Johanna Sebus (1809) bekannt.

Griffbrett, bei den Streichinstrumenten, Lauten, Guitarren etc. das auf den oben abgeplatteten Teil des Halses aufgeleimte, schwarz gebeizte oder aus Ebenholz gefertigte Brett, auf welches der Spieler beim Verkürzen der Saiten diese mit dem Finger fest andrückt. Bei den Instrumenten, deren Saiten gerissen werden, sowie bei den ältern Violen (Gamben etc.) ist das G. (der Kragen) in Bünde (s. d.) eingeteilt, welche das Treffen der rechten Tonhöhe erleichtern. An den Instrumenten mit gewölbtem Stege (Geigen) ist auch das G. etwas gewölbt, bei den andern (Guitarre, Mandoline etc.) flach.

Griffe zur Handhabung der Waffen sind nicht nur ein Mittel zur Erziehung der Truppen in disziplinarer Hinsicht, sie dienen auch wesentlich zur Erhaltung der taktischen Ordnung; in diesem Sinn wurde schon von den Griechen und Römern der Waffengebrauch geübt. Im Mittelalter blieb das Lehren der G. den zünftigen Lehrmeistern überlassen, Moritz von Oranien war der erste Kriegsherr, der Ende des 16. Jahrh. hierfür eine Vorschrift gab, die bereits die einzelnen G. in Tempos teilte. Die G. erreichten ihren höchsten Grad der Ausbildung im vorigen Jahrhundert, weil sie ein wesentliches Hilfsmittel der Lineartaktik waren; 16 G. gehörten allein zum Laden des Gewehrs, zu welchen noch die beim Exerzieren und der Parade hinzukamen. Ihre Ausführung geschah nach dem vor die Fronte getretenen Flügelmann; erst die Franzosen haben Kommandos für dieselben eingeführt. Diese Ausartung der G. wurde durch die nach und nach seit Ende vorigen Jahrhunderts immer mehr zur Geltung gekommene Fechtweise in zerstreuter Ordnung vermindert. Die Neuzeit legt auf die Vereinfachung der G. großen Wert, und der Waffentechnik ist es gelungen, in den Repetiergewehren die Ladegriffe auf zwei zu beschränken und hiermit die Feuerthätigkeit, auf die es im Kampf ankommt, entsprechend zu steigern.

Griffel, bei den Alten ein Werkzeug zum Zeichnen und Schreiben in weichen Massen (Thon, Wachs etc.), jetzt besonders s. v. w. Schieferstift; in der Botanik der auf den Fruchtknoten folgende obere Teil des Stempels, welcher keine Samenknospen enthält und an seinem Ende die Narbe trägt (s. Blüte, S. 68).

Griffelfortsatz des Schläfenbeins, s. Schädel.

Griffelschiefer, feinerdige Abänderung des Thonschiefers, welche sich in regelmäßige prismatische Stücke zerspalten und wegen ihrer Milde in noch feuchtem Zustand zu den Schiefergriffeln zurichten läßt, mit denen man auf Schiefertafeln (aus der Abänderung des Thonschiefers, den man Tafelschiefer nennt, und zwischen welchem der G. Lagen bildet) schreiben kann. Die Teilbarkeit ist Folge stengeliger Absonderung des Gesteins (durch gleichzeitiges Auftreten der sogen. wahren und falschen Schieferung, s. d., bedingt), daher dasselbe auch beim Liegen an der Luft in lange, prismatische Stengel zerfällt. Das silurische System des südöstlichen Thüringer Waldes liefert das zur Verarbeitung geeignetste Gestein. Die Hauptbrüche finden sich am Brand und Langenberg im Hasenthaler und am Fellberg im Steinacher Forst im Meiningischen. Außerdem kommt der G. (zur Verarbeitung weniger tauglich) am Bohlen bei Saalfeld, bei Garnsdorf, bei Wittmannsgereuth und am Eisenberg vor. Der frisch gebrochene Stein muß bis zur Verarbeitung feucht erhalten werden und wird daher in Kellern aufbewahrt. Früher wurde das Gestein zuerst gespalten, dann mit dem Schabmeißel geschabt und abgeschliffen. In neuerer Zeit benutzt man aber eine Maschine, bei welcher die Griffel, nachdem die Prismenkanten zuerst mit dem Schabmeißel bestoßen sind, durch eine Scheibe mit Löchern zwei- bis viermal hindurchgetrieben werden, wodurch sie eine vollkommnere Abrundung und Glätte erhalten. Ein härtere, eisengraue und nur in einer Richtung spaltbare Varietät (Grobstein) blieb früher unbenutzt, wird jetzt aber gesägt (Sägstein) und als Deckstein auf die Rasiersteine und als Decknägelstein für die Uhrmacher verwendet. Vgl. Thonschiefer.

Griffenfeldt, Graf, dänischer Minister, s. Schuhmacher.

Griffiths Weiß (Zinkolith), weiße Farbe, welche durch Fällen einer Lösung von Zinkvitriol mit Schwefelbaryum erhalten wird. Der aus schwefelsaurem Baryt und Schwefelzink bestehende Niederschlag wird geglüht und dient dann als Bleiweißsurrogat. Röstet man das Präparat unter Anwendung von überhitztem Wasserdampf, so erhält man eine schwefelfreie Farbe (Meißners Weiß). Ähnlich ist das Lithopon, welches aber nur 10-15 Proz. Schwefelzink enthält. Diese Farben werden als Malerfarben benutzt und zeichnen sich durch große Beständigkeit aus.

Griffonnieren (franz.), schmieren, sudeln; Griffonnage (spr. -ahsch), Sudelei; Griffonneur (spr. -öhr), auch Griffon (spr. -óng), Sudler von Schriftsteller.

Griffth., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für den Botaniker William Griffith, geb. 1810 zu Ham Common, gest. 1845 als Arzt in Malakka. Asiatische Pflanzen.

Grifo (Gripho), Sohn Karl Martells von der bayrischen Prinzessin Swanahild, wurde bei der Teilung des fränkischen Reichs 741 nicht berücksichtigt und empörte sich, aufgereizt durch seine Mutter, gegen seine begünstigten Halbbrüder Karlmann und Pippin den Kurzen, wurde indes von diesen in Laon gezwungen, sich zu ergeben, und nach Neufchâteau in Lothringen in Haft gebracht. Nach Karlmanns Abdankung (747) freigelassen, floh G. zu den Sachsen und nach deren Unterwerfung nach Bayern, wo er den minderjährigen Thassilo II. vom Herzogtum verdrängte. Pippin setzte jedoch diesen wieder ein und führte den gefangenen G. nach Frankreich, wo er ihm Le Mans nebst zwölf Grafschaften als Herzogtum übergab. G., damit nicht zufrieden, entwich nach Aquitanien und wurde endlich 753 auf der Flucht nach Italien erschlagen.

Grignan (spr. grinjang), Dorf im franz. Departement Drôme, Arrondissement Montélimar, mit (1876) 945 Einw. Dabei das 1793 teilweise zerstörte Schloß der Frau v. Sévigné (mit bemerkenswerter Gemäldegalerie). G. liefert sehr geschätzte Trüffeln.