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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Großalmerode - Groß-Bittesch.

lien reichen Stoff boten. Bekannter wurde sein Name, als er 1877 bei der vom Berliner Litterarischen Zentralbüreau ausgeschriebenen Konkurrenz für das beste Feuilleton mit seiner Arbeit "Litterarische Zukunftsmusik" den ersten Preis errang. Im J. 1879 ging er als Redakteur des Feuilletons der "Frankfurter Zeitung" nach Frankfurt a. M., kehrte aber 1881 nach Wien zurück, um die Redaktion der "Wiener Allgemeinen Zeitung" zu übernehmen. Seine kleinen Skizzen und Studien vereinigte er in den Sammlungen: "Kleine Münze" (Bresl. 1878), "Nichtig und flüchtig" (Leipz. 1880), "Oberammergauer Passionsbriefe" (das. 1880), "Mit dem Bleistift" (das 1881), denen sich später "Aus der Bücherei" (Vorträge und Studien, Wien 1883), "Heute und gestern" (das. 1883), "Blätter im Winde" (das. 1884) und "Aus meinem Wiener Winkel, Bilder" (Leipz. 1885) anschlossen. Wie in diesen Schriften, liebt er auch in seinen "Gedichten" (Leipz. 1880) stimmungsvolle Genremalerei. Als Dramatiker veröffentlichte er die einaktige Plauderei "Geheimnisse" (Wien 1877) und die Lustspiele: "Die neuen Journalisten" (mit Max Nordau, Leipz. 1880) und "Der erste Brief" (Wien 1883).

Großalmerode, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen, 361 m ü. M., in einem tiefen Thal zwischen dem Hirschberg und Bilstein, an der Gelster und an der Linie Walburg-G. der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, Braunkohlenbergwerke, eine Ultramarinfabrik, sehr bedeutende Thongruben und Schamottesteinfabrikation (ausgedehnter Export von Glashäfenthon und Schamotte), Schmelztiegel-, Thonwaren- und Thonröhrenfabrikation und (1885) 2422 evang. Einwohner.

Großalmosenier, s. Almosenier.

Groß-Alsleben, Stadt im Herzogtum Anhalt, Kreis Ballenstedt, in einer Exklave, hat eine Zuckerfabrik und (1885) 1736 meist evang. Einwohner.

Groß-Auheim, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hanau, am Main und an der Linie Frankfurt-Aschaffenburg der Hessischen Ludwigsbahn, hat eine Eisengießerei, Zigarrenfabrikation, Fischerei, starken Gemüsebau und (1885) 2772 meist kath. Einw.

Großaventurei, s. Bodmerei.

Großaventurhandel, diejenige Art von Handel, zu welchem jemand ein Kapital unter der Bedingung erborgt, daß dasselbe, wenn das Unternehmen mißglückt, nicht zurückgezahlt zu werden braucht. Die Sache geschieht so, daß der Unternehmer (Aventurier) dafür Waren kauft, damit ein Schiff beladet und mit dieser Ladung selbst reist, um solche an überseeischen Plätzen den Konsumenten zu verkaufen. Obgleich wegen des Risikos für das geliehene Kapital hohe Zinsen zu zahlen sind, so kann doch der Unternehmer niedrigere Preise stellen, als wenn der Verkehr durch viele Zwischenpersonen geht, die alle dabei gewinnen wollen. Übrigens beschränkt sich der G. auf solche Länder, in denen der Verkehr in kleinen Partien an die Verbraucher besondere Vorteile gewährt, wie in manchen Teilen Ostindiens und der Levante, China etc. Derselbe hat heute nur noch wenig Bedeutung. Großaventurkontrakt, s. v. w. Bodmereivertrag, s. Bodmerei.

Großbeeren, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, 19 km südlich von Berlin, an der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn, mit (1885) 1200 Einw., denkwürdig durch den Sieg der Alliierten über die Franzosen 23. Aug. 1813. Nach Ablauf des Waffenstillstandes (s. Deutscher Befreiungskrieg, S. 770) beschloß Napoleon, Berlin durch eine aus den drei Korps Bertrand, Reynier und Oudinot bestehende Armee unter dem Oberbefehl des Marschalls Oudinot erobern zu lassen, um die Erhebung des preußischen Volkes in ihrem Mittelpunkt zu ersticken. Die Armee, 70,000 Mann stark, zum guten Teil aus Rheinbundstruppen bestehend, überschritt die preußische Grenze bei Luckau und war 21. Aug. bereits bis 22 km von Berlin vorgerückt. Die preußische Hauptstadt wurde durch die Nordarmee geschützt: die Schweden standen bei Charlottenburg, die Russen bei Spandau, die Preußen teils in, teils südlich von Berlin. Als Oudinot 22. Aug. nach heftigem Gefecht mit ein paar Kompanien der Brigade Thümen Trebbin besetzt und den Übergang über die Nuthe forciert hatte, wollte Bernadotte, der Oberbefehlshaber der Nordarmee, das linke Spreeufer räumen und nördlich von Berlin Stellung nehmen. Als aber Bülow sich weigerte, Berlin preiszugeben, erklärte sich Bernadotte bereit, eine Schlacht zu liefern, gab aber die ungeduldig erwarteten Dispositionen zu derselben nicht aus. So traf der Feind bei seinem Vormarsch auf Berlin die preußischen Abteilungen in verzettelter Stellung. Den ersten Angriff hatte Tauenzien in Blankenfelde auszuhalten und that dies trotz feindlicher Übermacht mit Erfolg, da Bertrand das Korps von Reynier vergeblich erwartete. Dies brach erst 3 Uhr nachmittags aus dem Wald gegen Groß- und Kleinbeeren vor und vertrieb Bülows Vorhut aus diesen Dörfern. Bülow ging nun mit seinen vier Brigaden trotz Bernadottes Befehl, sich auf die Tempelhofer Höhen zurückzuziehen, von Heinersdorf unter strömendem Regen gegen G. vor. Im Sturmschritt griffen die preußischen Bataillone gegen 6 Uhr abends das Dorf an und eroberten es mit Bajonett und Kolben trotz tapferer Gegenwehr der sächsischen Truppen. Die zu Hilfe eilende Division Durutte wurde unter großen Verlusten in den Wald zurückgeworfen. Auch die Reiterei konnte den Rückzug der Franzosen nicht aufhalten, der durch die einbrechende Nacht gedeckt wurde. Die Franzosen hatten 3-4000 Mann, darunter 1500 Gefangene, verloren; 14 Kanonen und 2000 Gewehre fielen in die Hände der Sieger, die ihren Verlust auf 150 Tote und 900 Verwundete berechneten. Bei G. bestand die Landwehr ihre erste Probe und zwar glänzend. Die Rettung von Berlin war der kostbare Preis des Siegs, des ersten in dem Freiheitskampf. Zum Andenken an die Schlacht ließ Friedrich Wilhelm III. bei G. einen 6 m hohen eisernen Obelisken errichten. Vgl. Pallmann, Die Schlacht bei G. (Berl. 1873).

Großbetrieb nennt man, im Gegensatz zum Kleinbetrieb, denjenigen wirtschaftlichen Betrieb, welcher über eine große Menge von Kräften und Mitteln verfügt, Roh- und Hilfsstoffe in großen Massen zu beschaffen, zur Produktion kostspielige und ergiebige Hilfsmittel zu verwenden und ein größeres Marktgebiet zu versorgen vermag. In manchen Zweigen der Volkswirtschaft (Transportwesen, Versicherungswesen, verschiedene Banken) ist er durch die Natur der Sache geboten; in andern hat er zwar durch seine Überlegenheit den Kleinbetrieb auf verschiedenen Gebieten verdrängt, doch kann der letztere teils neben ihm bestehen, teils auch selbst leistungsfähiger sein als der G. Näheres hierüber und zwar über G. im Gewerbewesen s. unter Gewerbebetrieb, über G. in der Landwirtschaft vgl. Landgut und im Handel vgl. Handel.

Groß-Bittesch, Stadt in Mähren, Bezirkshauptmannschaft Großmeseritsch, mit alter Pfarrkirche, (1880, 1664 Einw., Eisenbergbau, Töpferei und Seilerei.