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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Grundteilung; Grundton; Grundtvig

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Grundteilung - Grundtvig.

knüpft den Eigentumsübergang an Immobilien an die Ab- und Zuschrift in den Grundbüchern (s. d.). Die wichtigste Einteilung der Grundstücke ist diejenige in ländliche (Praedia rustica) und städtische (Praedia urbana), indem unter erstern die zur Fruchtziehung bestimmten, unter letztern die Gebäude, gleichviel, ob sie in einer städtischen oder ländlichen Gemeinde gelegen, verstanden werden. Nach der Kulturart ist die Bezeichnung der Grundstücke eine sehr verschiedene, z. B. Wald-, Holz-, Wies-, Feldgrundstück etc. Vgl. Grundeigentum.

Grundteilung (Erbteilung, Dateylung, Thatteilung), im deutschen Lehnrecht diejenige Teilung, welche die Mitbelehnten oder Gesamthänder in Ansehung des gemeinsamen Lehnsgutes vornehmen. Es wird hierdurch zugleich das zwischen den Mitbelehnten bestehende gegenseitige Erbrecht beseitigt und jedem derselben seine Quote als ein selbständiges Lehen zugewiesen, während bei einer sogen. Lehnsmutschierung nur die Nutzungen der gemeinsamen Sache geteilt werden. Auch die Teilung des gesamten Vermögens beider Ehegatten nach dem Ableben des einen derselben wird G. genannt im Gegensatz zu der Teilung bestimmter Teile dieser Vermögensmasse. Bei Bauerngütern wird mit G. auch die Teilung bezeichnet, welche die Erben des verstorbenen Hofbesitzers in Ansehung des Bauernguts und der damit verbundenen Wirtschaft vornehmen. Die hierüber aufgenommenen Verträge bedürfen regelmäßig der richterlichen Bestätigung.

Grundton, derjenige Ton, welcher beim terzenweisen Aufbau des Akkords der tiefste ist, z. B. c in c e g oder g in g h d f. Liegt der G. im Basse, so erscheint der Akkord in Grundlage, liegt er in einer andern Stimme, so hat man eine Umkehrung vor sich (s. Lage). Auch nennt man wohl den Hauptton einer Tonart, den Anfangs- und Schlußton der Tonleiter G. Vgl. Hauptton.

Grundtvig, Nikolai Frederik Severin, namhafter dän. Theolog, Historiker und Dichter, geb. 8. Sept. 1783 zu Udby auf Seeland, studierte gleichzeitig mit Öhlenschläger in Kopenhagen, machte sich schon früh durch historische, religiöse und poetische Schriften einen Namen und trat zuerst 1810 in seiner Kandidatenpredigt gegen die damals herrschende seichte Auffassung des Christentums so energisch auf, daß er sich einen Verweis vom Konsistorium zuzog. Nur mit Mühe erhielt er einige Zeit darauf die Erlaubnis, bei seinem Vater aus dem Land als Hilfsprediger fungieren zu dürfen. 1822 zum zweiten Prediger an der Erlöserkirche zu Kopenhagen ernannt, nahm er wenige Jahre später (1825) den Kampf, den er gegen den Unglauben und Rationalismus der Zeit begonnen hatte, von neuem auf, indem er eine äußerst heftige Erwiderung ("Kirkens Gjenmæle") gegen eine Schrift des Professors Clausen über Katholizismus und Protestantismus veröffentlichte. G. zog sich dadurch eine gerichtliche Anklage und Verurteilung zu, infolge deren er sein Predigtamt niederlegte und sich ausschließlich litterarischen Arbeiten widmete. Um diese Zeit begründete er mit Rudelbach die "Theologisk Maanedsskrift" (Kopenh. 1825-28, 13 Bde.). Grundtvigs Streben war darauf gerichtet, das Christentum und zugleich den nordischen Einheitsgedanken wie die Sache des Volkes als die Hauptfragen der Zeit hinzustellen und sie ihrer Lösung entgegenzuführen. Dieses sein Streben ward mit Erfolg gekrönt, und sein Einfluß erstreckte sich über den ganzen Norden. Sein eigentümlicher religiöser Standpunkt wurde von ihm zu einem förmlichen System ausgebildet, das Grundtvigianismus genannt wird; das Vaterunser und das apostolische Symbolum betrachtet er als einzige Basis des Christentums, die Sakramente sind ihm der Mittelpunkt des Gottesdienstes. Sein Ideal war die Volkskirche, in welcher jede Gemeinde unabhängig und auch die Minorität befugt sein sollte, sich ihren eignen Pfarrer zu geben. Schon früh hatte er dabei seine Aufmerksamkeit auf die Vorzeit des Nordens gerichtet und mit Energie und Ausdauer Forschungen auf diesem Gebiet angestellt. Zeugnis dessen ist namentlich sein merkwürdiges und geistvolles Buch "Nordens Mythologi" (Kopenh. 1808), das 1832 in völlig neuer Bearbeitung unter dem Titel: "Nordens Sindbilled-Sprog" ("Sinnbildliche Sprache des Nordens", 3. Aufl. 1870) erschien, und worin die alten Mythen einer originellen historisch-philosophischen Deutung unterworfen werden, die freilich mit der sonst üblichen Auffassung von Mythologie nicht in Einklang steht. Auch seine Übersetzungen des Saxo und Snorro (1818-22, 6 Bde.) sowie des angelsächsischen Heldengedichts "Beowulf" (1820) sind hier zu erwähnen. Von seinen historischen Arbeiten verdient besonders das "Haandbog i Verdenshistorien" (Kopenh. 1833-43, 3 Bde.; 2. Ausg. 1867-69), worin er einen streng kirchlichen Standpunkt behauptet, Hervorhebung. Als Dichter war er zuerst mit "Optrin af Kjæmpelivets Undergang i Nord" ("Auftritt aus dem Ende der Heldenzeit im Norden", Kopenh. 1809-11, 2 Bde.; neue Ausg., das. 1861) hervorgetreten, Schilderungen, die in dramatischen Szenen mit großer poetischer Kraft und in echt nordischem Geist vorgeführt sind. Andre Dichtungen historisch-patriotischen Charakters sind: "Roskilde Riim" (Kop. 1814) und "Roskilde Saga" (das. 1814) nebst der Sammlung "Kvædlinger" (das. 1815). Zugleich war G. ein fruchtbarer Liederdichter von seltener Kraft und Innigkeit; seine geistlichen Gesänge werden Kingos Psalmen gleichgestellt, und viele seiner Nationalgesänge gehören zu den besten und beliebtesten des dänischen Volkes. Neuere Ausgaben seiner Gedichte erschienen unter den Titeln: "Kirkelig og folkelig Digtning" (Kopenh. 1870). "Digte" (Auswahl, das. 1869), "Salmer og aandelige Sange" (das. 1873-80, 5 Bde.; Auswahl 1883) und "Poetiske Skrifter" (hrsg. von seinem Sohn, das 1880-85, 6 Bde.). Nachdem G. 1832 die Erlaubnis zum Predigen wiedererhalten hatte, wurde er 1839 Pastor am Hospital Vartov in Kopenhagen, welchen Platz er bis zu seinem Tod innehatte, seit 1861 mit dem Titel eines Bischofs. Während der Bewegungen der 40er und 50er Jahre nahm er als Mitglied des Reichstags thätigen Anteil an den Verhandlungen und beteiligte sich auch an dem Streit mit Deutschland über Schleswig-Holstein mit leidenschaftlichem Patriotismus. Großes Verdienst hat sich G. um den Volksunterricht in Dänemark erworben; er ist der eigentliche Stifter der "höhern Bauernschulen" und der "volkstümlichen Hochschulen". Er starb 2. Sept. 1872. Als bemerkenswerte Schriften aus seinen spätern Jahren verdienen noch genannt zu werden: "Kristenhedens Syvstjærne" (Kopenh. 1860, 3. Aufl. 1883) eine Darstellung des Lebenslaufs der christlichen Gemeinden, die besonders interessant ist durch den Rückblick, den der alte Prediger und Dichter auf sein eignes Leben im Dienste der Kirche wirft, und "Kirke Speil", Vorlesungen (das. 1871, 2. Aufl. 1876). Sein Briefwechsel mit Ingemann aus den Jahren 1821-1859 erschien 1882. Vgl. Hansen, Wesen und Bedeutung des Grundtvigianismus (Kiel 1863); Kaftan, G., der Prophet des Nordens (Basel 1876). - ^[GEDANKENSTRICH!]