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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Guanin; Guanit; Guano

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Guanin - Guano.

Guanin C5H5N5O^[C_{5}H_{5}N_{5}O] findet sich im Peru-Guano, in den Exkrementen der Kreuzspinne, in der Pankreasdrüse und Leber der Säugetiere, auf den irisierenden Schuppen oder Schwimmblasen von Fischen etc. Zur Darstellung kocht man Guano mit Kalkmilch, bis sich diese nicht mehr färbt, kocht dann den Rückstand wiederholt mit kohlensaurem Natron, fällt aus diesen Abkochungen mit essigsaurem Natron und Salzsäure ein Gemenge von G. und Harnsäure, löst aus letzterm das G. durch Salzsäure und fällt es mit Ammoniak. Es ist amorph, farb-, geruch- und geschmacklos, unlöslich in Wasser, Alkohol und Äther und bildet mit Säuren, Basen und Salzen kristallisierbare Verbindungen. Die auf den Fischschuppen vorkommende Verbindung von G. mit Kalk dient zur Darstellung künstlicher Perlen.

Guanit, s. Struvit.

Guano, eine im wesentlichen aus Exkrementen von Seevögeln bestehende, aber durch Fäulnis und atmosphärische Einflüsse in ihrer Beschaffenheit vielfach modifizierte Masse. Der wertvollste G. findet sich auf den Chinchainseln an der peruanischen Küste und bildet hier Schichten von 7-30 m Mächtigkeit. Dieser G. besteht fast nur aus den Exkrementen von Vögeln, welche den Ordnungen der Ruderfüßler (Pelecanus thajus Mol., Carbo Gaimardi Less., C. albigula Brandt, Sula variegata Tschudi, Plotus anhinga L.), der Langflügler (Rhynchops nigra L., Larus modestus Tschudi, Puffinuria Garnotii Less., Sterna inca Less.) und der Taucher (Spheniscus Humboldtii Meyen) angehören. Die untersten Schichten der Guanolager bestehen meist aus Exkrementen und Knochen von Seehunden, Seelöwen; auch sind im G. zahllose meerbewohnende Diatomeen etc., versteinerte Eier, Federn und in Mumien verwandelte Vögel aufgefunden worden. Der G. erscheint als heller oder dunkler gelbbraune, erdige oder feste Masse, riecht stark eigentümlich und deutlich ammoniakalisch, löst sich unter Brausen nicht vollständig in Salzsäure, entwickelt mit Kalilauge viel Ammoniak, beim Erhitzen brenzlige Dämpfe und hinterläßt eine weiße Asche, welche in 100 Teilen etwa 1,56-2,03 Kali, 34-37 Kalk, 2,56-2 Magnesia und 41-40 Phosphorsäure enthält. Der Peru-G., der aus noch ganz frischen Tierresten bestehende Angamos-G. und der G. von den benachbarten Lobosinseln enthalten im Durchschnitt:

Peru-Guano Angamos-Guano Lobos-Guano

Wasser 14,8 7,4-22,3 16,8

Organisches u. Ammoniaksalze 52,4 56,0-64,8 46,1

Stickstoff 14,4 17,4-19,3 9,8

Phosphorsäure 13,5 7,1 9,0

Alkalisalze 7,4 (Kali) 2,5-3,3 11,5

Asche 32,8 21,7-27,8 37,1

Die nähern Bestandteile des Peru-Guanos sind:

^[Liste]

Harnsaures Ammoniak 3,2 Proz., 9,0 Proz

Oxalsaures Ammoniak 13,3 Proz., 10,6 Proz

Oxalsaurer Kalk 16,3 Proz., 7,0 Proz

Phosphorsaures Ammoniak 6,4 Proz., 6,0 Proz

Phosphorsaure Ammoniakmagnesia 4,2 Proz., 2,6 Proz

Phosphorsaures Natron 5,3 Proz., - Proz

Schwefelsaures Kali 4,2 Proz., 5,5 Proz

Schwefelsaures Natron 1,1 Proz., 3,8 Proz

Chlorammonium 6,5 Proz., 4,2 Proz

Phosphorsaurer Kalk 9,9 Proz., 14,3 Proz

Thon und Sand - Proz., 4,7 Proz

Organische Materie und Wasser - Proz., 32,3 Proz

Außerdem finden sich im G. geringe Mengen von Guanin, Xanthin und Fett, an zufälligen Bestandteilen Gesteinstrümmer und Konkretionen aus konzentrischen Lagen einer weißen kristallinischen Substanz, die im wesentlichen schwefelsaures Kali und schwefelsaures Ammoniak enthalten. Wie sich aus den Analysen ergibt, enthält der G. vorwiegend in Wasser lösliche Salze; mithin kann er sich in einer Beschaffenheit wie die des Guanos der Chinchainseln nur in Gegenden bilden, in denen die Luft einen sehr geringen Wassergehalt besitzt und Regen fast nie eintritt. Wo dagegen massenhaft abgelagerte Exkremente der Einwirkung von Wasser ausgesetzt sind, müssen wesentlich andre Produkte entstehen (s. unten). Übergießt man G. mit Wasser und filtriert, so erhält man eine Lösung von oxalsaurem, schwefelsaurem und wenig phosphorsaurem Ammoniak; läßt man ihn aber angefeuchtet einige Zeit liegen, so verschwindet die lösliche Oxalsäure, und an ihre Stelle tritt infolge der Zersetzung von phosphorsaurem Kalk lösliche Phosphorsäure. Hieraus ergibt sich die ungleiche Wirkung des Guanos bei anhaltendem starken Regen u. bei mäßiger Feuchtigkeit nach dem Ausstreuen. Die äußere Beschaffenheit des Guanos, besonders das Vorkommen der Konkretionen, macht eine Zubereitung durch Sieben und Zerkleinern vor dem Gebrauch erforderlich. Der Guanoimport wird gegenwärtig durch die Firmen der Anglo-Kontinentalen (vormals Ohlendorffschen) Guanowerke in Hamburg, London, Antwerpen und Emmerich a. Rh. und M. H. Salomonson in Rotterdam und Düsseldorf betrieben, welche den gemahlenen und gesiebten Peru-G. mit einem feststehenden Gehalt an Stickstoff (7 Proz.), Phosphorsäure (14 Proz.) und Kali (2 Proz.) in den Handel bringen. Die größte Menge des Guanos wird aber zunächst mit Schwefelsäure behandelt, um die Phosphorsäure löslich zu machen, und kommt als aufgeschlossener G. in den Handel. Diese Ware enthält in zwei Sorten: Stickstoff 7 und 5 Proz., wasserlösliche Phosphorsäure 9,5 und 10,5 Proz., Kali je 2 Proz., außerdem im wesentlichen schwefelsaures Ammoniak.

Die nicht in regenlosen Gegenden gebildeten Guanosorten sind durch Wasser ihrer löslichen Salze, zum Teil auch ihrer organischen Substanz beraubt worden (Guanophosphate). Als G. kommen aber auch rein mineralische, wesentlich aus phosphorsaurem Kalk bestehende Substanzen in den Handel, welche wahrscheinlich durch Einwirkung von Exkrementen auf Kalkstein entstanden sind. Zu der ersten Klasse gehören der pulverige, von Wurzeln durchsetzte Baker-G. von der Bakerinsel im Stillen Ozean, der etwa 78 Proz. phosphorsauren Kalk, 6 Proz. phosphorsaure Magnesia enthält; der ebenfalls pulverige Mejillones-G. aus der Bucht von Mejillones in Bolivia, der ganz überwiegend aus phosphorsaurem Kalk besteht und fast farblose Knollen von phosphorsaurer Magnesia enthält, sowie der Jarvis-G. Zur zweiten Gruppe gehören dagegen der Sombrero-G. (Sombrerit, metamorphosierter westindischer G., G. von den Mönchsinseln) von der Sombreroinsel, wahrscheinlich ein Zersetzungsprodukt des Korallenkalks, aus welchem die kleinen westindischen Inseln gebildet sind. Er enthält 75-90 Proz. Phosphate (34-42 Proz. Phosphorsäure), 4-10 Proz. kohlensauren Kalk und nicht unbeträchtliche Mengen von Eisenoxyd und Thonerde. Sehr ähnlich ist der von der benachbarten Navassainsel stammende Navassa-G. (Navassit); er ist, wie der vorige, dicht und fest, enthält 70-75 Proz. phosphorsauren Kalk und sehr bedeutende Mengen Eisenoxyd und Thonerde. Am reichsten an phosphorsaurem Kalk ist das Curassaophosphat (s. d.). Diese