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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Guerrázzi; Guerre; Guerrero; Guerrier de Dumast

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Guerrazzi - Guerrier de Dumast.

Guerrázzi (spr. gue-), Francesco Domenico, ital. Politiker und Schriftsteller, geb. 12. Aug. 1804 zu Livorno, studierte die Rechte in Pisa, schon damals seiner politischen Gesinnung halber vielfach verfolgt, und lebte dann als Sachwalter in Livorno, immer im Kampf mit den Machthabern, ein Freund Mazzinis. Im J. 1828 erschien zu Florenz sein origineller, kraftgenialischer Roman "La battaglia di Benevento" (Flor. 1828), Guerrazzis bestes Werk, in zahlreichen Auflagen verbreitet. 1830 und wiederum 1834 auf die Insel Elba verbannt, schrieb er dort einen zweiten, ebenfalls sehr beifällig aufgenommenen Roman: "L'assedio di Firenze" (unter dem Pseudonym Anselmo Gualandi, Par. 1836, 5 Bde.; deutsch von Fink, Stuttg. 1850), der seinen Namen auch in Deutschland bekannt machte. Seit der Thronbesteigung Pius' IX. wuchs sein politischer Einfluß in Toscana. Sein offener Brief an Mazzini zog ihm 1847 eine neue Verbannung nach Porto Ferrajo zu. In die durch Leopold II. mit einer Verfassung beschenkte Heimat zurückgekehrt, gab er zu Florenz ein republikanisches Blatt: "L'Inflessibile", heraus, wurde zum Deputierten gewählt und dann ins Ministerium berufen als Kabinettspräsident mit dem Portefeuille des Innern. Nach der Flucht des Großherzogs ward G. von der Nationalversammlung mit Montanelli und Mazzoni in das leitende Triumvirat gewählt, und das Übergewicht seiner energischen Natur war so groß, daß man ihn als Diktator bezeichnete. Er suchte der hereinbrechenden Anarchie entgegenzuarbeiten und widersetzte sich der Proklamation der Republik und dem Anschluß Toscanas an die römische Republik Mazzinis. Als darauf nach der Niederlage der Italiener bei Novara eine Gegenrevolution in Florenz ausbrach und die großherzogliche Regierung wieder ans Ruder kam, wurde G. festgenommen und in das Staatsgefängnis nach Volterra gebracht. Hier schrieb er die bekannte "Apologia della vita politica di G." (Flor. 1851). Nach dreijähriger Haft zu 15jährigem Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt, aber vom Großherzog zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt, lebte er zunächst auf Corsica, seit 1855 in Savona und Genua, bis die politischen Verhältnisse 1859 ihm die Rückkehr in seine Vaterstadt gestatteten. Er vermochte sich indessen, obgleich mehrmals ins Parlament gewählt, mit der neuen Ordnung der Dinge nicht zu befreunden und nahm an dem öffentlichen Leben keinen thätigen Anteil mehr. Er verbrachte den Rest seiner Tage meist auf seinem Landhaus in der Nähe von Livorno, wo er 23. Sept. 1873 starb. Von Guerrazzis Schriften sind außer den bereits genannten besonders noch hervorzuheben: "Orazioni funebri d'illustri Italiani" (1835; 8. Aufl., Palermo 1861); ein historisches Drama: "I Bianchi ed i Neri" (Flor. 1847); eine Reihe historischer Erzählungen, die alle zahlreiche Auflagen erlebten: "Veronica Cybo, duchessa di San Giuliano" (Livorno 1837), "Isabella Orsini" (das. 1844), "Beatrice Cenci" (Flor. 1854, 2 Bde., deutsch, Hamb. 1858), ein Roman, der außerordentlichen Beifall fand, jedoch den wirklichen Sachverhalt schief darstellt; ferner: "Pasquale Sottocorno" (Turin 1857), "La torre di Nonza" (1857), "Pasquale Paoli" (Mail. 1860), die in ihrer Einfachheit anziehende Erzählung "Il buco nel muro" (das. 1862), "Paolo Peliccioni" (das. 1864) u. a. Ein seltener genanntes, aber merkwürdiges Buch von G. ist: "L'asino, un sogno" (6. Aufl., Mail. 1863), worin mit staunenswerter Gelehrsamkeit das, was die Litteratur und die Geschichte der Völker über den Esel darbietet, zu einer großartigen Satire verarbeitet ist. Noch sind seine "Memorie" (Livorno 1848) und "Vita di Andrea Doria" (Mail. 1863, 3. Aufl. 1874) zu erwähnen. Aus seinem Nachlaß gab Guerrini den Roman "Il secolo che muore" (Rom 1885, 4 Bde.) heraus. Origineller, von Schwulst nicht freier Stil, rege, zu Ungeheuerlichkeiten geneigte Phantasie kennzeichnen G. namentlich als Romanschriftsteller, dem jedoch die ungewöhnliche Begabung nur als Mittel galt, freiheitlichen und nationalen Gedanken einen packenden Ausdruck für die Massen zu geben. Seine Briefe sammelte Carducci (Livorno 1880-82, 2 Bde.). Vgl. Bosio, G. e le sue opere (Livorno 1865); Fenini, Manzoni und G., kritische Studien (a. d. Ital. von Kitt, Mail. 1875).

Guerre (franz., spr. ghär, vom deutschen Werra), Krieg; g. à outrance, g. à mort, Krieg bis aufs Messer.

Guerrero (spr. ghe-), Staat der Bundesrepublik Mexiko, erst 1849 aus Teilen der Staaten Puebla und Mexiko gebildet und nach dem ehemaligen Präsidenten der Föderalrepublik, Vincente de Guerrero, benannt, grenzt an Oajaca, Puebla, Moretos, Mexiko, Michoacan und an den Stillen Ozean und umfaßt 59,231 qkm (1075,7 QM.). Das Land gehört größtenteils dem untern allmählichen Abfall des mexikanischen Hochlandes an und bildet ein vielfach gegliedertes Bergland mit angenehmem Klima, das nur in den tief eingeschnittenen Thälern und an der Küste heiß ist. Hier finden sich noch ausgedehnte, kaum je betretene Urwälder. An Bewässerung fehlt es nicht. Der bedeutendste Fluß ist der Rio de las Balsas oder Mexcala, der den Staat von O. nach W. durchschneidet und die Küstenkordillere von dem Abfall des Plateaus von Anahuac trennt. Die Bevölkerung (1882: 353,193 Seelen) besteht größtenteils aus Indianern. Die Produkte des Landes sind reich und mannigfaltig. Angebaut werden namentlich Mais (1878: 170 Mill. kg), Baumwolle (1,980,000 kg), Zuckerrohr, Tabak, Kaffee, Kakao, Anis und Indigo; Weizen nur in den höhern Lagen. Die Wälder liefern gutes Bauholz. Ungemein reich ist das Land an Gold, Silber, Quecksilber und andern Metallen sowie an Kohlen; aber der Bergbau beschäftigte 1880 nur 747 Menschen mit einer Ausbeute von 218,000 Pesos. Hauptstadt ist Tixtla, Haupthafen Acapulco. S. Karte "Mexiko".

Guerrero (spr. ghe-), Städtchen im mexikan. Staat Tamaulipas, am Rio Salado, der unterhalb in den Rio Grande del Norte mündet, mit (1880) 5000 Einw. im Munizipium. In der Nähe Steinkohlen- und Kupfergruben sowie Lager von Mennige und Roteisenocker.

Guerrier de Dumast (spr. gherrje dö düma), Prosper, franz. Schriftsteller, geb. 1796 zu Nancy, ergriff erst die Advokatenlaufbahn, nahm dann Militärdienste und widmete sich schließlich der Litteratur. Er wurde ständiger Sekretär der Gesellschaft für lothringische Altertumskunde, half die Pariser Asiatische Gesellschaft gründen und wurde 1863 zum Korrespondenten der Akademie der Inschriften ernannt. Seine Hauptschriften sind: "La maçonnerie" (Gedicht in 3 Gesängen, 1820); "Appel aux Grecs" (1821); "Chios, la Grèce et l'Europe" (1822); "Le Pour et le Contre sur la résurrection des provinces" (1835); "La Navarre et l'Espagne" (1836); "Paris fortifié" (1841); "Foi et lumières" (1838 u. 1845); "Le duc Antoine et les rustauds" (1849); "Philosophie de l'histoire de Lorraine" (1850); "Fleurs de l'Inde" (1857); "Les psaumes traduits en vers français" (1858); "Sur l'enseignement supérieur" (1865);