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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Guerriēri-Gonzāga; Guerrīni; Guers.; Guesclin; Guetária; Gueule; Gueules; Gueusen; Guevāra; Guevara y Dueñas

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Guerrieri-Gonzaga - Guevara y Dueñas.

"Le redresseur" (1866); "Couronne poétique de la Lorraine" (1874); "Jacques Callot" (1875). G. starb 26. Jan. 1883 in Nancy.

Guerriēri-Gonzāga (spr. gŭerr-); Anselmo, Marchese, ital. Dichter und Politiker, geb. 19. Mai 1817 zu Mantua, gehörte einer der ältesten Familien der Stadt an und wurde frühzeitig von seinem Vater in die litterarischen Kreise eingeführt. Schon mit 20 Jahren schrieb er für heimische Blätter, studierte in Padua Jurisprudenz und ging dann nach Mailand, wo er in die politische Strömung hineingerissen wurde. Im J. 1848 gehörte er zur provisorischen Regierung der Lombardei, in deren Auftrag er mit Aleardi, dem Vertreter der venezianischen Regierung, nach Paris ging. Nach der Katastrophe von 1849 verbannt und seiner Güter beraubt, lebte er in Genua und Paris, schloß sich später an Manin und, als er sah, daß Cavour der Mann sei, welcher die Befreiung und Einigung Italiens durchführen könne, an diesen an. 1860-76 wirkte er als Deputierter im Parlament, wo er namentlich in den Kommissionen thätig war und an der administrativen und finanziellen Wiedergeburt des Landes arbeitete. Einige Zeit war er Generalsekretär des Ministeriums des Äußern und wurde mit verschiedenen diplomatischen Missionen betraut, so 1865 nach Deutschland, später nach Spanien wegen der Thronfrage für den Herzog Tommaso von Genua. Er gehörte der gemäßigten Partei an, nur in der religiösen Frage stand er auf seiten der Opposition. In seinen Mußestunden beschäftigte er sich viel mit deutscher Litteratur und hinterließ eine gelungene Übertragung von Goethes "Faust" (2. Aufl., Mail. 1872) sowie von "Iphigenia auf Tauris", "Hermann und Dorothea" (in Ottaven) u. a. Auch übersetzte er den Horaz und war als Lyriker geschätzt. G. starb 24. Sept. 1879 auf seiner Villa Paludano bei Mantua.

Guerrīni (spr. gwer-), Olindo, unter dem Pseudonym Lorenzo Stecchetti bekannter ital. Lyriker, geb. 4. Okt. 1845 zu Forli im Kirchenstaat, studierte erst zu Ravenna, dann zu Turin, zuletzt in Bologna, wo er 1868 den juridischen Doktorgrad erwarb. Ein mäßiges väterliches Erbe setzte ihn in den Stand, auf die Rechtspraxis von vornherein zu verzichten und ganz seinen Studien zu leben, welche sich bisher hauptsächlich auf dem litteraturwissenschaftlichen Gebiet bewegten. Gegenwärtig bekleidet er eine Bibliothekarstelle zu Bologna. Er veröffentlichte eine umfangreiche "Vita di Giulio Croce" (1879), eine Monographie: "Francesco Patrizio", und veranstaltete eine Ausgabe der "Versi" des Guido Peppi. Einige Jahre später erschien zu Bologna eine lyrische Sammlung: "Postuma. Canzoniere di Lorenzo Stecchetti, edito a cura degli amici", eine in ihrer Mischung von derbem, manchmal nahezu trivialem Realismus und echt poetischen Zügen in ihrer Art einzige Erscheinung. Diese Sammlung gab sich für den Nachlaß eines an der Schwindsucht gestorbenen jungen Mannes aus; aber bald kannte Italien den wirklichen Autor, das Buch machte Aufsehen und erlebte rasch mehrere Auflagen (11. Aufl., Bologna 1883). Ein weiteres Heft: "Polemica", von wenigen Seiten und ein umfangreicheres: "Nova polemica", letzteres mit Erörterungen über den Standpunkt des Autors und sein Verhältnis gegenüber dem Idealismus, folgten nach (beide Bologna 1878, 4. Aufl. 1882). G. inauguriert in diesen Werken den Realismus oder "Verismus" auf dem Gebiet der Lyrik in Italien: Kampf gegen weltliche und kirchliche Satzung, heiterer Lebensgenuß, Emanzipation der Sinne, Weltschmerz, Todessehnsucht. Doch beweist "Nova polemica", daß G. den Standpunkt des Sinnenkultus doch auch nur als einen einseitigen, immer wieder in sein idealistisches Gegenteil umschlagenden anerkennt. Weitere Publikationen von G. sind: "Cloë", Drama (Bologna 1879); "Studi e polemiche dantesche" (das. 1880); "Canti popolari romagnoli" (das. 1880); "Il primo passo", Autobiographisches (Flor. 1882); "Rime di tre gentildonne del secolo XVI" (Mail. 1882); "Bibliografia per ridere" (Rom 1883); "Canti carnascialeschi, trionfi, carri e mascherate" (Mail. 1883). Vgl. Vivarelli, "Lorenzo Stecchetti, o il verismo nella letteratura e nell' arte" (Flor. 1879).

Guers., bei botan. Namen Abkürzung für L. B. Guersent (spr. ghärssāng), geb. 1776, starb als Arzt 1848 in Paris.

Guesclin, Bertrand du, s. Duguesclin.

Guetária (spr. ghe-), Hafenort in der span. Provinz Guipuzcoa, am Meer, mit dem Standbild des hier gebornen Seefahrers Sebastian el Cano, Begleiters Magelhaens', und (1878) 1084 Einw.; wurde im Mai 1875 von den Karlisten vergebens belagert.

Gueule (franz., spr. ghöl), Maul, Rachen, Schnautze der Fleischfresser. Science de g., Kochkunst, die ausgebildete Kunst, seinem Gaumen und Magen zu dienen. Montaignes berühmtes Buch "La science de la g." handelt von der Kunst zu essen und zu trinken. - Avoir une g. de bois, betrunken sein; une g. fraîche ist ein Mensch, der immer essen kann, mit der Nebenbedeutung des Schmarotzers. Gueuletonner, eine große Schmauserei haben.

Gueules (franz., spr. ghöl), die Wappenfarbe Rot. Vgl. Pelzwerk.

Gueusen (spr. geus-), s. Geusen.

Guevāra (spr. gew-), Antonio de, span. Schriftsteller, geboren gegen Ende des 15. Jahrh. in Viscaya, verbrachte einige seiner Jugendjahre am Hof der Königin Isabella und trat dann in den Franziskanerorden. Ein Günstling Kaiser Karls V., begleitete er diesen auf seinen Reisen nach Italien etc., wurde nacheinander Hofprediger, kaiserlicher Geschichtschreiber, Bischof von Cadiz und Mondoñedo und starb 1545. Seine Werke waren nicht zahlreich, aber sehr beliebt und haben durch den gezierten Stil, in welchem sie abgefaßt sind, auf die spanische Prosa des 16. Jahrh. bedeutenden Einfluß ausgeübt. Wir nennen: "Relox de principes, o Marco Aurelio" ("Die Uhr des Fürsten", zuerst 1529; oft ausgelegt und in fast alle Sprachen übersetzt), eine Art Kyropädie, die dem Kaiser Karl V. das Vorbild eines Fürsten zeigen sollte; "Decada de los Cesares", Lebensbeschreibungen von zehn römischen Kaisern (zuerst Vallad. 1539); "Epistolas familiares" (das. 1539-45, 2 Bde.; auch in der "Biblioteca de autores españoles", Bd. 13) und Abhandlungen, wie "De menosprecio de la corte y al abanza de la aldea" (1591) u. a.

Guevara y Dueñas (spr. gewāra i duénjas), Luis Velez de, span. Dichter, geboren im Januar 1570 zu Ecija in Andalusien, kam sehr jung nach Madrid, wo er dann als Advokat lebte. Er stand in großer Gunst bei König Philipp IV., der ihn zuerst veranlaßt haben soll, Komödien zu schreiben, und, wie man sagt, seine eignen Stücke von ihm verbessern ließ. Guevaras Komödien, deren Zahl sich auf mehr als 400 belaufen haben soll, sind ausgezeichnet durch treffliche Charakterzeichnung, Phantasie, Witz und echt komische Züge. Auszeichnung verdienen darunter besonders zwei: "Mas pesa el rey que la sangre" ("Der König geht dem Blut vor"), eine Darstellung