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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gurahumora - Gurjunbalsam.

hammed Gran in die Berglandschaften des Südens geworfen, trägt Fellkleidung, besitzt reinliche Wohnungen und lebt von Viehzucht und Ackerbau. Ihre Religion ist ein verdorbenes Christentum. Die Herrschaft üben Stammeshäuptlinge aus. Erforscht wurde das Land von Chiarini. Vgl. Cecchi, Da Zella alle frontiere del Caffa (Rom 1886).

Gurahumora, Dorf in der Bukowina, Bezirkshauptmannschaft Suczawa, am Moldawafluß und der Lokalbahn Hatna-Kimpolung, mit Bezirksgericht, Forstverwaltung, Rentamt und (1880) 2996 Einw. Nördlich davon, bei Kaczyka, eine Glashütte.

Guramiden, Königsdynastie in Georgien, von Guram abstammend, regierte 574-787; s. Georgien.

Gurâra, Oase, zur marokkanischen Oasengruppe Tuat (s. d.) gehörig.

Gurde, eine platte, mit Ösen zum Durchziehen einer Schnur oder eines Riemens versehene Flasche aus Glas, Thon, Metall, Holz etc., welche schon im Altertum vorkommt. Im Mittelalter und später wurde sie vornehmlich von Pilgern (Pilgerflasche) und Soldaten getragen. Es gibt Gurden, welche künstlerisch reich (mit Reliefs u. dgl.) verziert sind (s. die obige Abbildung einer G. aus dem Britischen Museum).

^[Abb.: Rheinische Steinzeuggurde.]

Gurdschistan, s. Georgien.

Gurgel (Guttur), der vordere Teil des Halses, wo der Schlundkopf und Kehlkopf liegen. Vgl. Hals.

Gurgelplatte (Gurgelschutz), an der mittelalterlichen Plattenrüstung derjenige Teil der Halsberge, welcher die Gurgel bedeckt. Er bildet eine Querschiene für sich. S. Rüstung.

Gurgelstimme, eine nicht angenehme Stimme von quarrendem Klang, die durch verschiedenartige Störungen in den regelmäßigen Schwingungen der Stimmbänder hervorgerufen werden kann. Man begegnet ihr häufig bei fetten Leuten.

Gurgelwasser (Gargarisma), flüssiges Heilmittel, welches man durch Gurgeln im Rachen hin und her bewegt, um es mit kranken Stellen in Berührung zu bringen. Es wirkt rein örtlich, ist aber außer zur Reinigung des Rachens vom Schleim auch bei Geschwüren, Entzündungen etc. von Nutzen. Die Gurgelwasser sind Lösungen, Aufgüsse oder Abkochungen von Arzneien, welche entweder nur reinigend, oder fäulniswidrig, oder zusammenziehend, oder schmerzstillend wirken sollen. Am gebräuchlichsten sind Gerbsäure oder Alaun, übermangansaures und chlorsaures Kali, Salicyl- oder Zitronensäure in Lösung, Thee von Salbeiblättern; allesamt müssen sie in reichlicher Menge angewandt werden, wenn sie nützen sollen; besonders bei diphtherischer Rachenentzündung ist die Wirkung schwefel- oder zitronensauren Gurgelwassers um so nützlicher, je früher und anhaltender diese Stoffe mit den kranken Oberflächen in Berührung bleiben. Bei Kindern ist das G. daher durch Zerstäubung in die Nase zu ersetzen.

Gurgl, s. Ötzthal.

Gurien (Ghuria, Ghuriel), Landschaft an der Südostküste des Schwarzen Meers, zwischen den Flüssen Rion (in Russisch-Kaukasien) und Tschulak (im türkischen Kleinasien), der westliche Teil des alten Kolchis, war bis 1810 ein selbständiges Fürstentum, das an 4000 qkm (72 QM.) umfaßte und mit seinem nördlichen Gebiet (mit der Stadt Poti) seitdem zur russischen Statthalterschaft Kaukasien gehört. G. ist das fruchtbarste der Kaukasusländer.

Gurjew, Kreishauptstadt im asiatisch-russ. Gebiet Uralsk, nahe der Mündung des Urals in das Kaspische Meer, die letzte Festung an der uralischen Linie, mit (1879) 4379 Einw. Bei der zunehmenden Versandung des Flusses wird der Verkehr mit der offenen Reede der Flußmündung immer schwieriger. Jetzt beuten den Fischreichtum Fischhändler von Astrachan aus, wohin der hier bereitete Kaviar geht, und mit dem zwei Dampfergesellschaften die Verbindung erhalten. G. wurde nach einem russischen Kaufmann benannt, der während der Tatarenherrschaft hier die erste Ansiedelung errichtet haben soll. Vgl. Wenjukow, Die russisch-asiatischen Grenzlande (a. d. Russ. von Krahmer, Leipz. 1874).

Gurjunbalsam (Holzöl, Wood-oil, Balsamum Dipterocarpi s. Garjanae), ein dem Kopaivabalsam ähnlicher Harzsaft, welcher in größter Menge in den Küstenländern der Straße von Malakka und in Birma von mehreren Dipterocarpus-Arten gewonnen wird. Man schlägt passende Höhlungen in die Stämme, unterhält in denselben ein Feuer, bis das Holz etwas angesengt ist u. der Balsam zu fließen beginnt, und fängt diesen in Bambusgefäßen auf. Die Ausbeute beträgt bisweilen 135-180 Lit. von einem Stamme. Man kennt den G. seit 1811, aber erst in der neuesten Zeit sind größere Mengen von Singapur, Maulmain, Akyab und Saigon in den Handel gekommen. Er ist rotbräunlich oder etwas grünlich, von der Konsistenz eines dünnflüssigen Kopaivabalsams, gleicht diesem auch im Geruch, schmeckt bitterer, aber nicht kratzend. Er erhärtet mit Kalk und Magnesia und wird dickflüssig beim Erhitzen auf 130°, ohne beim Erkalten wieder dünnflüssig zu werden; bei 220° wird er beinahe fest. In Schwefelkohlenstoff und ätherischen Ölen löst er sich vollständig, aber nicht in Alkohol und Äther. Mit 5 Teilen Wasser heftig geschüttelt, bildet er eine sehr steife Emulsion, und mit 10 Teilen Wasser ballt er sich. Er besteht aus ätherischem Öl C15H24 ^[C_{15}H_{24}] und Harz und enthält auch kristallisierbare Gurjunsäure. Man benutzt ihn zum Anstreichen, zur Darstellung von Lackfirnis und Pauspapier, in der Medizin bisweilen wie Kopaivabalsam. Wahrscheinlich ist der G. in Indien seit langer Zeit zu technischen Zwecken im Gebrauch, 1811 wurde er