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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gurkenkraut; Gurko; Gurlirollen; Gurlitt; Gurlt

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Gurkenkraut - Gurlt.

noch nicht erwähnt. Die Stadt Sikyon, die ihren Namen von der G. hat, heißt bei Hesiod noch Mekone. Wahrscheinlich kamen Kürbisse und Gurken erst im 5. Jahrh. v. Chr. nach Griechenland und vielleicht ebenso früh nach Italien. Diese G. des Altertums war aber eine große, jetzt nicht mehr gebaute Art, die zur Erfrischung gegessen, auch je nach dem Stadium der Reife gesotten und gebraten wurde. Unsre G. tritt im frühen Mittelalter zuerst in Byzanz auf, kam dann zu den Slawen und wohl nicht vor dem 17. Jahrh. nach Deutschland.

Gurkenkraut, s. v. w. Borretsch, Borago officinalis; auch s. v. w. Dill, Anethum graveolens.

Gurko, Joseph Wladimirowitsch, russ. General, geb. 15. Nov. 1828 aus einer altadligen russischen Familie, wurde im Pagenkorps erzogen, 1846 Kornett im Leibgardehusarenregiment, besuchte die Generalstabsschule, ward 1852 Hauptmann im Regiment Diebitsch, in dem er den Krimkrieg mitmachte, 1857 wieder Eskadronschef in jenem Garderegiment und 1860 kaiserlicher Flügeladjutant. Seit 1861 Oberst, nahm er am Krieg in Polen teil, erhielt 1866 das Kommando über ein Husarenregiment, ward 1867 General und Kommandeur eines Garderegiments (Grenadiere zu Pferd), 1873 einer Gardekavalleriebrigade, 1876 Generalleutnant und Kommandeur einer Gardekavalleriedivision und befehligte 1877 das Avantgardekorps der Donauarmee, mit welchem er 7. Juli Tirnowa nahm, darauf in kühnem, raschem Zug den Balkan überschritt und bis auf zwei Tagemärsche von Adrianopel vordrang. Zu Anfang August von Suleiman Pascha zurückgedrängt, besetzte er den Schipkapaß. Nach Auflösung des Avantgardekorps begab sich G., zum Generaladjutanten ernannt, nach Petersburg, um seine Gardedivision auf den Kriegsschauplatz zu führen. Nach Bulgarien zurückgekehrt, erhielt er im Oktober den Befehl über ein großes Reiterkorps, mit dem er Osman Pascha in Plewna von Sofia abschneiden sollte. Am 24. Okt. schlug er Schefket Pascha bei Gorny-Dubniak, nahm 28. Okt. Telisch und vollendete dadurch Osmans Einschließung. Durch Infanterie verstärkt, überschritt er Ende Dezember den Balkan, rückte 4. Jan. 1878 in Sofia ein, drang rastlos auf Philippopel vor, zersprengte 16. und 17. Jan. die Armee Suleiman Paschas und vereinigte sich mit der russischen Zentrumsarmee bei Adrianopel. Nach dem Krieg warb er zum Generaladjutanten und General der Kavallerie, im April 1879 zum Generalgouverneur von Petersburg mit außerordentlichen Vollmachten ernannt, verlor aber diesen Posten 1880, weil er die Attentate gegen das Leben des Kaisers nicht zu verhüten gewußt hatte. Erst 1882 wurde er wieder als kommandierender General von Odessa in den aktiven Dienst aufgenommen und erhielt 1883 das Generalgouvernement in Warschau. Er gilt für einen der besten russischen Feldherren.

Gurlirollen, s. Agnesenrollen.

Gurlitt, 1) Johann Gottfried, Schulmann und Archäolog, geb. 11. März 1754 zu Halle, studierte seit 1773 in Leipzig Philosophie und Theologie (auf letzterm Gebiet fortan der rationalistischen Richtung zugethan), ward 1778 Oberlehrer und 1779 Rektor in Klosterberge bei Magdeburg und 1802 Direktor des Johanneums sowie zugleich Professor der orientalischen Sprachen am Gymnasium zu Hamburg, wo er 14. Juni 1827 starb. Unter seiner Leitung erhob sich das Johanneum zu einer der blühendsten Schulen Deutschlands. Seine Schriften sind teils pädagogischen ("Schulschriften", Magdeb. 1801-29, 2 Bde.), teils gelehrten Inhalts: "Über Gemmenkunde" (das. 1798); "Über Mosaik" (das. 1798); "Versuch über Büstenkunde" (das. 1800). Letztere wurden gesammelt als "Archäologische Schriften" herausgegeben von Corn. Müller (Altona 1831).

2) Louis, Maler, geb. 8. März 1812 zu Altona, wurde, um sich der Malerei zu widmen, 1829 in Hamburg Schüler von Bendixen. 1832 setzte er seine Studien in München fort, besuchte 1835-38 die Akademie in Kopenhagen und bereiste von dort Norwegen, Schweden und Jütland. 1839 besuchte er Tirol und Oberitalien und lebte dann wieder einige Jahre in Kopenhagen. 1843 ging er nach Düsseldorf und bald darauf nach Unteritalien und Sizilien, woher er für seine nachfolgenden Bilder zahlreiche Motive nahm. Nach seiner Rückkehr (1846) lebte er bis 1848 in Berlin, darauf in Sachsen und begab sich 1851 nach Wien, von wo aus er Dalmatien, Italien und Griechenland besuchte. 1860 zog er nach Gotha, bereiste 1867 und 1868 Spanien und Portugal und nahm endlich 1869 in Dresden seinen Wohnsitz. Von hier sowohl als von Gotha aus besuchte er fast alljährlich Holstein und in den Wintern 1877/78 und 1880/81 Rom. Seine zahlreichen, nach der Natur jener Länder höchst verschiedenen Landschaften sind durchweg poetisch in der Komposition und gut stilisiert; die besten diejenigen, in denen er die üppige Natur und die Farbenpracht des Südens schildert, z. B.: die Krissäische Ebene in Griechenland, Ebene bei Theben, römische Campagna (1846), Landschaft aus dem Albanergebirge (1850, Nationalgalerie in Berlin), Nemisee, italienische Landschaft nach Motiven aus dem Sabinergebirge, Abend im Kloster Busaco in Portugal (Museum in Dresden), und aus dem Norden z. B. Buchenwald am Plöner See, Kellersee in Holstein (1865, im Besitz des Großherzogs von Oldenburg), jütländische Landschaft u. a. Er ist Professor und Mitglied der Akademien von Kopenhagen und Madrid.

Gurlt, 1) Ernst Friedrich, veterinärärztlicher Schriftsteller, geb. 13. Okt. 1794 zu Drentkau bei Grünberg i. Schl., studierte zu Breslau Medizin, ward als Repetitor an der Tierarzneischule in Berlin angestellt, 1826 zum Professor, 1849 zum technischen Direktor der Anstalt und 1850 zum Geheimen Medizinalrat ernannt. 1870 wurde er pensioniert und starb 13. Aug. 1882. Er schrieb: "Handbuch der vergleichenden Anatomie der Haussäugetiere" (Berl. 1821 f., 2 Bde.; 5. Aufl. von Leisering und Müller, das. 1872); "Lehrbuch der pathologischen Anatomie der Haussäugetiere" (das. 1831-32, 2 Bde. mit 35 Tafeln; Nachträge 1849); "Anatomische Abbildungen der Haussäugetiere" (das. 1824-33, 2. Aufl. 1843-1844; Text dazu, das. 1829; Supplemente dazu, 25 Tafeln, das. 1848); "Lehrbuch der vergleichenden Physiologie der Haussäugetiere" (das. 1837,3. Aufl. 1865); "Anatomie der Hausvögel" (das. 1849); "Über tierische Mißgeburten" (das. 1877). Mit K. H. Hertwig gab er das "Magazin für die gesamte Tierheilkunde" (Berl. 1835-74) heraus. G. gestaltete die Anatomie der Haustiere zu einer Wissenschaft und verwertete in seinem "Handbuch der pathologischen Anatomie" zuerst die brauchbaren Materialien in den Schriften französischer Tierärzte, welche früher als die deutschen die Bedeutung dieser Disziplin erkannt hatten. Die von G. geschaffene Lehre von den Mißbildungen wird noch lange mustergültig bleiben, so wie die von ihm mit seltenem Fleiß hergestellten Sammlungen der Tierarzneischule in Berlin eine dauernde Zierde dieser Anstalt sein werden.

2) Ernst Julius, Mediziner, Sohn des vorigen,