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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gurma - Gürteltier.

geb. 13. Sept. 1825 zu Berlin, habilitierte sich 1853 als Privatdozent an der Berliner Universität und wurde 1862 außerordentlicher Professor der Chirurgie. G. hat seit vielen Jahren seine Hauptthätigkeit der in- und ausländischen medizinischen und speziell der chirurgischen Litteratur zugewandt und sich besonders durch sehr wertvolle statistische Arbeiten ("Statistik der Knochenbrüche") sowie durch seine Mitarbeiterschaft an den hervorragendsten medizinischen und chirurgischen Sammelwerken einen bekannten Namen erworben. Er schrieb unter anderm: "Beiträge zur vergleichenden pathologischen Anatomie der Gelenkkrankheiten" (Berl. 1853); "Über einige durch Erkrankung der Gelenkverbindungen verursachte Mißstaltungen des menschlichen Beckens" (das. 1854); "Über Cystengeschwülste des Halses" (das. 1855); "Über den Transport Schwerverwundeter und Kranker im Krieg" (das. 1859); "Handbuch der Lehre von den Knochenbrüchen" (das. 1860-65); "Leitfaden für Operationsübungen am Kadaver" (das. 1862, 6. Aufl. 1885); "Abbildungen zur Krankenpflege im Felde" (das. 1868); "Zur Geschichte der internationalen und freiwilligen Krankenpflege im Krieg" (Leipz. 1873); "Die Kriegschirurgie der letzten 150 Jahre in Preußen" (das. 1875); "Die Gelenkresektionen nach Schußverletzungen" (das. 1879). Er ist Mitredakteur von Langenbecks "Archiv für klinische Chirurgie" und 1867-72 von Virchow und Hirsch' "Jahresbericht über die Leistungen und Fortschritte in der gesamten Medizin"; auch redigiert er seit 1867 die Zeitschrift "Kriegerheil", Organ der deutschen Vereine zur Pflege der im Felde verwundeten und erkrankten Krieger.

Gurma, Negerreich im westlichen Sudân, an der Westseite des mittlern Niger, von dem es durch einen Teil von Gando getrennt wird, etwa 48,500 qkm (880 QM.) groß und sehr fruchtbar, war zum großen Teil von den Sonrhay erobert, wurde aber nach deren Verfall wieder selbständig. Hauptstädte sind Nungu und Kulfela. S. Karte "Guinea etc."

Gurnigel, ein voralpiner Bergstock des schweizer. Kantons Bern, 1545 m hoch, besuchter Aussichtspunkt. Am nordwestlichen Abhang liegt das Gurnigelbad (1153 m) mit Kurhaus und zwei salinisch-gipshaltigen kalten Schwefelquellen: Stockquelle, schwach bitter, von adstringierendem Nachgeschmack und 7° C. Temperatur, und Schwarzbrünneli (Stinkquelle), mit mehr Schwefelwasserstoffgehalt und 8½° C. Temperatur. Vgl. Verdat, Eaux minérales sulfureuses du G. (Par. u. Bern 1879).

Gursay, Handelsgewicht in Madras, = 20 Candies = 4536 kg.

Gurschno, s. Gorzno.

Gurt, s. v. w. Gürtel; dann, verallgemeinert, Band oder Streifen, der um etwas in der Mitte herumgeht, daher Gurte, im Hochbau s. v. w. Gurtgesimse, s. Gesims; Gurte oder Gurtungen, im Brückenbau die obern und untern Einfassungen der gegliederten eisernen und hölzernen Balkenbrücken, s. Brücke; besonders aber starkes bandartiges Gewebe etc. (s. Gurte).

Gurte, mehr oder weniger dicke bandartige Gewebe, welche zu verschiedenen Zwecken gebraucht werden. Der schlechtesten bedient man sich als Tragbänder und zur Bespannung gepolsterter Möbel (Stühle, Sofas etc.), um eine elastische Unterlage zu bilden, aus welcher die das Kissen tragenden Federn ruhen. Besser sind die sogen. Grundgurte, Sattelgrundgurte oder Sattelspanngurte, von welchen der Grundsitz der Pferdesättel gebildet wird, sowie die Stallgurte und die G. zur gepolsterten Wagenarbeit der Sattler. Feinere und weichere Sorten gebraucht man als Hosenträger, Halftern und Sattelgurte. Diese mannigfaltigen Anwendungen bedingen eine Verschiedenheit der G. hinsichtlich des Materials und der Art des Gewebes. Die kostbarste Art der G. sind die seidenen, mit verschiedenen eingewebten Mustern verzierten. Die G. aus Hanf- und Werggarn sowie aus Bindfaden verfertigen die Seiler auf einem sehr einfachen schmalen Webstuhl (Gurtenschlagstock, Schlagstuhl). Die G. aus Zwirn und jene aus Wolle werden meist von dem Posamentier oder Bortenwirker und zwar auf dem einfachen Posamentierhandstuhl gewebt. Auch die seidenen G. werden vom Posamentier gefertigt.

Gürtel (Cingulum), Band, Geflecht etc., um den Leib oder einen Teil desselben getragen, zur Zusammenhaltung der Kleider (daher Leib-, Arm-, Kniegürtel etc.), oder auch, wie namentlich im Mittelalter, bloß als Schmuck dienend, besonders beim weiblichen Geschlecht; bei den Alten zugleich Zeichen der Jungfräulichkeit. Da die Männer den G. um die Lenden trugen, so heißt noch jetzt "die Lenden gürten" s. v. w. sich zur Reise anschicken. (Vgl. Dusing.) Im Mittelalter und in der Renaissancezeit diente der G. auch als Wehrgehänge zur Aufnahme des Schwerts (s. Tafel "Kostüme I", Fig. 11 u. 12). Die Prunkgürtel der Männer und Frauen waren von Leder, Brokat, Samt, Seide u. andern kostbaren Stoffen u. mit Goldschmuck, Edelsteinen, Glasflüssen, Stickereien etc. geziert (s. Tafel "Kostüme II", Fig. 3, 7 u. 11; Taf. III, Fig. 2, 4 u. 6). Es gab auch G. aus Metallgliedern u. Kettenschnüren. Solche G. aus der Bronzezeit sind häufig in Gräbern gefunden worden. In unsrer Zeit werden G. nur von Militärpersonen und von Frauen getragen. Für den weiblichen Bedarf werden G. und Gürtelketten, an welch letztern im Mittelalter und in der Renaissance meist Kreuze, Spiegel, Fächer, Taschen, Schlüssel und ähnliche Gebrauchsgegenstände hingen, jetzt aus Metallen u. Stoffen verschiedener Art, meist im Renaissancegeschmack, angefertigt. Über den G. der kathol. Priester s. Cingulum. - In der mathematischen Geographie ist G. s. v. w. Zone; in der Heraldik die mittlere Reihe (Balkenreihe) des in drei Teile geteilten Schildes; in der Architektur s. v. w. Halsglied (s. d.).

Gürtelbleche, s. Metallzeit.

Gürtelflechte (Gürtelausschlag), s. Flechte.

Gürtelgrasfink, s. Astrilds.

Gürtelkinder, s. v. w. Mantelkinder (s. d.).

Gürtelkraut, s. Lycopodium.

Gürtelschnallen und Gürtelhaken, s. Metallzeit.

Gürteltier (Dasypus L.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Zahnlücker (Edentata) und der Familie der Gürteltiere (Dasypodidae), plumpe Tiere mit gestrecktem, langschnauzigem Kopf, großen Schweinsohren, langem, starkem Schwanz, kurzen Füßen, sehr starken Grabklauen und auf dem Rücken mit einem Panzer aus Knochenplatten, welche in Gürtelreihen geordnet sind. Die mittelsten Gürtel bestehen aus länglich-viereckigen Platten, das Schulter- und Kreuzschild aus Querreihen vier- oder sechseckiger Platten, der Scheitelpanzer aus fünf- oder sechseckigen Platten. Die Unterseite des Körpers ist mit borstenartigen Haaren bedeckt, und solche Borsten stehen auch zwischen den Platten. In den Kiefern stehen schwache, komprimierte, wurzellose Zähne in sehr schwankender Zahl, während die Vorderzähne fehlen. Die Mundspalte ist mäßig groß, die Zunge spitz, nicht weit vorstreckbar. Ihre Heimat ist das südliche Amerika. Sie leben einsam in Ebenen und an Waldrändern, halten sich am Tag in selbstgegrabenen Höhlen verborgen und nähren sich besonders von Ameisen