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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haase; Haast

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Haase - Haast.

die goldene Medaille der Utrechter Ausstellung für sein wirkungsvolles Gemälde: nach der Überschwemmung. Seine Tiergruppe: Esel in den Dünen ward 1869 bei der internationalen Kunstausstellung in München mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Bei der Ausstellung von 1879 war H. mit vier Tierstücken vertreten: Vieh am Flußufer in Holland, beim Nahen des Gewitters, Mittagsruhe am Gestade der Nordsee und die von einem Mädchen heimgetriebenen Kühe des Tagelöhners. Andre Tierstücke von ihm, die breit und kräftig behandelt sind, befinden sich im Museum zu Brüssel, im Museum zu Lüttich und in der Berliner Nationalgalerie (Kühe auf der Weide). Er starb 16. Aug. 1880 in Brüssel.

Haase, Fluß, s. Hase.

Haase, 1) Name einer angesehenen Buchdruckerfamilie in Prag. Der Begründer der Firma war Gottlieb H. (geb. 1763 zu Halberstadt), der eine Druckerei in Prag gründete, die sich zu großer Bedeutung aufschwang und bei seinem 1824 erfolgten Tod 18 Pressen beschäftigte. Seine Söhne Ludwig (geb. 1801) und Andreas (geb. 1804) führten dieselbe unter der Firma "Gottlieb Haase Söhne" zunächst allein fort; doch traten ihnen später (1831) auch ihre beiden Brüder Gottlieb (geb. 1809) und Rudolf (geb. 1811) bei, worauf das Geschäft noch eine wesentliche Erweiterung durch die Anlage einer Papierfabrik zu Wran in Böhmen erhielt. Als Andreas 1864 starb, zog sich Ludwig vom Geschäft zurück (gest. 1868), und der jüngste der Söhne, Rudolf, führte darauf die Papierfabrik unter der Firma "Rudolf Haase Sohn u. Neffe" allein fort, während Gottlieb, welcher inzwischen zu einem Edlen v. Buchstein erhoben worden war, dem Hauptgeschäft vorstand und in demselben als Spezialität den altslawischen Druck pflegte. 1871 wurde dasselbe in eine Aktiengesellschaft verwandelt, die sich indes 1879 wieder auflöste, worauf die Druckerei von Andreas H. jun., Edlen v. Wranau (geb. 1842), unter der Firma "A. Haase" übernommen wurde. Unter den Verlagsunternehmungen der Haaseschen Druckerei ist die Zeitung "Bohemia" namhaft zu machen, die 1824 gegründet wurde und besonders seit den 50er Jahren als politisches Journal zu großer Bedeutung gelangte.

2) Friedrich, namhafter Philolog, geb. 4. Jan. 1808 zu Magdeburg als Sohn eines Schneiders, studierte in Halle, Greifswald und Berlin Philologie, ward 1831 nach einer kurzen Thätigkeit am Köllnischen Gymnasium zu Berlin an der Kauerschen Anstalt zu Charlottenburg angestellt, kam 1834 als Adjunkt nach Schulpforta, wurde jedoch schon Ostern 1835 wegen Teilnahme an burschenschaftlichen Verbindungen vom Amt suspendiert, 1836 entsetzt und bis 1837 in Festungshaft gehalten. Hierauf machte er eine wissenschaftliche Reise über Heidelberg u. Straßburg nach Paris, wurde 1840 außerordentlicher, 1846 ordentlicher Professor der Philologie in Breslau, 1851 auch der Beredsamkeit und Mitdirektor des philologischen Seminars u. starb dort 16. Aug. 1867. Im J. 1848 in die preußische Nationalversammlung gewählt, schloß er sich dem linken Zentrum an. H. gab Xenophons Schrift "De republica Lacedaemoniorum" (Berl. 1833), den Thukydides mit lateinischer Übersetzung (Par. 1841), daneben "Lucubrationes Thucydideae" (Berl. 1841), Vellejus Paterculus (Leipz. 1851, 2. Aufl. 1863), Seneca (das. 1852-53, 3 Bde.; 2. Aufl. 1872-1873), Tacitus (das. 1855, 2 Bde.) heraus. Zu Reisigs "Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft" (Leipz. 1839) fügte H. schätzbare Anmerkungen hinzu. Seine eignen "Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft" erschienen aus seinem Nachlaß (1. Bd. von Eckstein, Leipz. 1874; 2. Bd. von H. Peter, 1880). Außerdem schrieb er: "Vergangenheit und Zukunft der Philologie" (Berl. 1835); "Die athenische Stammverfassung" (das. 1857) und eine Reihe von Aufsätzen und Rezensionen, namentlich zur Litteraturgeschichte und Geschichte der Philologie im Mittelalter und in der Renaissance. Vgl. Fickert, Fr. Haasii memoria (Programm, Bresl. 1868).

3) Friedrich, namhafter Schauspieler, geb. 1. Nov. 1827 zu Berlin, erhielt eine sorgfältige Erziehung, genoß zwei Jahre lang den Unterricht Ludwig Tiecks zur Vorbildung für die Bühne und wurde im Januar 1846 nach glücklichem Debüt in Weimar engagiert. Durch unablässige Ausdauer besiegte er die sprachlichen Hindernisse, mit denen er zu kämpfen hatte, und rasch entfaltete sich sein Talent. Schon in Prag (1849-51) nahm er eine bevorzugte Stellung ein, ebenso in Karlsruhe (1852-55), hierauf in München. Zahlreiche Gastspiele trugen zu seinem schnellen Bekanntwerden bei. Nach dreijährigem Gastspielengagement in Frankfurt a. M., und nachdem er sechs Winter (bis 1866) in Petersburg gespielt hatte, zählte H. schon zu den damaligen Bühnenberühmtheiten. Nachdem er 1867-68 als Hoftheaterdirektor in Koburg fungiert hatte, gastierte er 1869 einige Monate in Amerika, nach seiner Rückkehr ein ganzes Jahr lang an der Berliner Hofbühne und übernahm 1870 nach Laubes Weggang die Direktion des Leipziger Stadttheaters auf sechs Jahre. Seitdem zieht er, ausschließlich Gastspiele gebend, umher (1882 von neuem in Nordamerika bis nach Kalifornien); sein Domizil ist Berlin. Hier beteiligte er sich 1883 auch als Societär an dem damals begründeten Deutschen Theater, trat aber schon im März des folgenden Jahres aus dem Societätsverband zurück. Haases aristokratische Persönlichkeit ist wie dazu geschaffen, elegante Typen zu verkörpern; zu seinen Glanzrollen dieser Art gehören der Königsleutnant und der alte Klingsberg, ferner der Chevalier Rocheferrier (in der "Partie Piquet"), Lord Harleigh, der Narr des Glücks und der unvergleichliche Marquis v. Seiglière. Große tragische Rollen, die er zwar mit Vorliebe spielt, gelingen ihm weniger, auch hat H. seinem Ruf als großer Schauspieler durch übertriebene Betonung des Details Abbruch gethan.

Haast, Julius von, Geolog, geb. 1. Mai 1822 zu Bonn, lebte als Kaufmann mehrere Jahre in Frankfurt a. M., Belgien und Frankreich, machte auch wiederholt Reisen durch Deutschland, die Schweiz und Italien, auf denen ihn besonders geologische und geographische Verhältnisse interessierten. 1858 ging er als Bevollmächtigter eines englischen Handlungshauses nach Neuseeland, um dort die Bedingungen für eine etwanige deutsche Einwanderung zu untersuchen. Als aber der Krieg mit den Maori auszubrechen drohte, löste H. seinen Kontrakt und schloß sich Hochstetter, der damals Neuseeland durchforschte, auf allen Reisen in das Innere des Landes derartig an, daß er 1859, als Hochstetter die Insel wieder verließ, von der Regierung mit der Fortführung der geologischen Aufnahmen beauftragt wurde. Seine nächste Reise lieferte große Entdeckungen von Gold und Kohlen. Von der Provinzialregierung von Canterbury als Regierungsgeolog berufen, widmete sich H. fortan ausschließlich dieser Provinz. Er entdeckte auf wiederholten Reisen auf der Südinsel eine ganz neue Alpenwelt von außerordentlicher Schönheit und Großartigkeit. Geologie und Paläontologie von Neuseeland wurden von ihm in überraschender Weise