Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Habelschwerdter Gebirge; Habemus; Haben; Habeneck; Habent sua fata libelli; Haber; Haberfeldtreiben; Haberl

983

Habelschwerdter Gebirge - Haberl.

und der Linie Breslau-Mittelwalde der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine evangelische und 2 kath. Kirchen, ein kath. Lehrerseminar, Fabrikation von Zündwaren und Holzstiften und (1885) 5597 meist kath. Einwohner. - H. wurde 1319 zur Stadt erhoben. Hier 14. Febr. 1745 siegreiches Gefecht der Preußen unter Lehwaldt gegen die Österreicher unter Wallis.

Habelschwerdter Gebirge, s. Glatz.

Habemus (lat., "wir haben"), in der Volkssprache s. v. w. Rausch; h. Papam ("wir haben einen Papst"), Ruf nach geschlossener Papstwahl.

Haben, s. v. w. Credit, in der kaufmännischen Buchführung die Bezeichnung für das Guthaben, im Gegensatz zu Soll (Debet), womit die Schuldposten bezeichnet werden.

Habeneck, Antoine François, Violinspieler und Dirigent, geb. 23. Jan. 1781 zu Mézières, erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater, einem aus Mannheim gebürtigen Militärmusiker, trat um 1801 ins Pariser Konservatorium ein und errang 1804 als Schüler Baillots den ersten Violinpreis. Nach der Rückkehr der Bourbonen kam er 1816 in die königliche Kapelle, ward 1818 erster Solospieler, 1820 zugleich zweiter Kapellmeister und 1821 Direktor der Großen Oper, mußte aber, als 1824 Sosthène de Larochefoucauld die Oberleitung der Kunstangelegenheiten erhielt, in die Stelle eines ersten Kapellmeisters zurücktreten, welche er dann bis 1846 bekleidete. H. hat sich namentlich dadurch um das französische Musikleben verdient gemacht, daß er dem Pariser Publikum das Verständnis der Beethovenschen Instrumentalmusik erschlossen hat. Bereits 1806 bildete er zu diesem Zweck ein Orchester, dessen Wirksamkeit jahrelang nur auf einen kleinen Kreis beschränkt blieb. Von ungleich größerm Erfolg waren seine Bestrebungen seit 1815, nachdem er die Leitung der Concerts spirituels der Großen Oper übernommen hatte; aber erst 1828, in welchem Jahr er die nachmals zu so hohem Ruhm gelangte Konzertgesellschaft des Konservatoriums ins Leben rief, gelang es ihm, dem deutschen Meister bei seinen Landsleuten volle Sympathie zu erwerben, und dank seiner unerschütterlichen Energie sowie seiner genialen Reproduktionsfähigkeit, konnte Beethoven der erklärte Liebling des französischen Publikums werden. Als Lehrer wirkte H. von 1824 an bis zu seinem Tod am Konservatorium mit größtem Erfolg. Er starb 8. Febr. 1849 in Paris. Die berühmtesten Violinvirtuosen Frankreichs, Alard und Léonard, danken ihm ihre Ausbildung. Seine Kompositionen, zwei Konzerte und eine Anzahl kleinerer Solostücke für Violine, Violinduette etc. sind ungeachtet ihrer Gediegenheit nicht über seinen Schülerkreis hinausgedrungen. Vgl. Elwart, Histoire de la société des concerts du Conservatoire impérial de musique (2. Aufl., Par. 1863).

Habent sua fata libelli (lat.), "Bücher haben ihre Schicksale", Citat aus des Grammatikers Terentianus Maurus Gedicht "De literis etc.".

Haber, s. v. w. Hafer.

Haberfeldtreiben, eine Art Volksjustiz, welche in Oberbayern, namentlich in der Gegend von Tegernsee, Miesbach und Rosenheim, an solchen Personen ausgeübt wird, deren Vergehen und Laster dem Arm der Rechtspflege unerreichbar sind. Der Name H. soll nach einigen daher rühren, daß Feldmarkfrevler und Wucherer ehemals mit Verheerung ihrer Felder bestraft, nach andern aber daher, daß gefallene Mädchen früher von den Burschen des Dorfs unter Geißelhieben durch ein Haberfeld getrieben worden seien. Noch andre wollen darin Reste der einst von Karl d. Gr. in den Grafschaften eingesetzten Rügengerichte sehen, und wieder andre geben endlich an, der Gebrauch sei zuerst in der dem Kloster Scheyern gehörigen Hofmark Fischbachau aufgekommen als wirksamer Schutz gegen die mehr und mehr einreißende Unsittlichkeit. Sicher ist, daß das H. besonders seit dem Dreißigjährigen Krieg in Aufnahme gekommen und in der alten Grafschaft Hohen-Waldegg zuerst und zumeist in Ausübung gebracht worden ist. Zuletzt war der Bezirk, in welchem es vorkommt, ein scharf abgegrenzter, nämlich das Land zwischen der Mangfall, der Isar und dem Inn. Es ruht aber über dem Wesen der dazu bestehenden Verbindung ein noch unenthülltes Geheimnis. Es soll im Gebirge zwölf Haberfeldmeister gegeben haben, vielleicht auch noch geben, von denen aber jeder nur die in seinem Bezirk ansässigen Mitglieder des Bundes kennt, die er von einem beschlossenen Trieb insgeheim in Kenntnis setzt. Anwendung fand diese Volksjustiz in den mannigfaltigsten Fällen, namentlich bei Geiz, Wucher, Betrug sowie überhaupt bei jeder Niederträchtigkeit, welche vor dem Gesetz straflos ist, und dabei wurden die Reichen und Angesehenen und das Laster im Kirchenrock mit Vorliebe als Opfer ausersehen. Das Verfahren war im wesentlichen folgendes. Wenn das mißliebige Individuum trotz wiederholter mündlicher und brieflicher Verwarnungen keine Besserung gezeigt hatte, sammelten sich plötzlich, gewöhnlich in einer recht dunkeln Nacht, um das Gehöft des Missethäters hundert und mehr vermummte, geschwärzte, selbst bewaffnete Personen, umschlossen das Haus und riefen den Schuldigen ans Fenster oder unter die Thür, die er aber bei Leibes- und Lebensstrafe nicht überschreiten durfte. Darauf wurden "im Namen Kaiser Karls d. Gr. im Untersberg" die Treiber verlesen, und zwar unter fingierten Namen und Würden, wie: Herr Landrichter von Tegernsee, Herr Pfarrer von Gmund etc., und antworteten mit einem lauten "Hier". Fehlte ein einziger der Verlesenen, so ging der Haufe unverrichteter Sache wieder auseinander. Waren aber alle zugegen, so trat einer der Meister in die Mitte des Vierecks und verlas ein in Knittelreimen abgefaßtes Register der Sünden des Delinquenten, wobei nach jeder Strophe die ganze Schar ein von der schrecklichsten Katzenmusik begleitetes Geheul und Gelächter anstimmte. War die Vorlesung zu Ende, so erloschen die Laternen, und die Schar verschwand auf einen Pfiff des Anführers ebenso schnell wieder, wie sie erschienen war. Gewöhnlich sollen die Haberfeldtreiber aus einer dem Ort ihrer Thätigkeit entferntern Gegend gewählt worden sein, um etwanigen Erkennungen vorzubeugen. Dem Schuldigen ward, außer daß er die Vorlesung mit anhören mußte, kein weiteres Leid angethan. Der Gebrauch ist trotz des energischen Einschreitens der Behörde noch nicht völlig beseitigt. Noch 1883 kamen H. vor.

Haberl, Franz Xaver, Musikgelehrter, geb. 12. April 1840 zu Oberellenbach unweit Straubing (Niederbayern) als Sohn eines Schullehrers, erhielt seinen ersten Unterricht von seinem Vater, seine weitere Ausbildung als Chorknabe am Dom zu Passau sowie später zu Regensburg im lebhaften Verkehr mit J. G. ^[Johann Georg] Mettenleiter, Proske und dem Domkapellmeister Schrems. Schon 1862 konnte er die Stelle eines Musikpräfekten an den drei bischöflichen Seminaren in Passau übernehmen, welche er bis 1867 bekleidete. Während der folgenden drei Jahre lebte